Moneyball (2011)
Moneyball (2011)
Oder: Der Baseball ist rund
Die Oakland Athletics sind ein traditionsreiches Baseball-Team, das seine besten Zeiten längst hinter sich hat. Heute, im Jahr 2002, kann sich die Mannschaft mehr schlecht als recht über Wasser halten; und ist sie mal etwas erfolgreich, werden die besten Spieler am Ende der Saison von grösseren Clubs weggekauft. Denn finanziell werden kleine Brötchen gebacken, der Club weist das geringste Budget der gesamten Liga auf. Keine einfachen Voraussetzungen für Manager Billy Beane (Brad Pitt), der beim Besitzer regelmässig abblitzt, wenn er um höhere finanzielle Unterstützung bittet.
Doch Not macht erfinderisch, und so stellt Billy den jungen Yale-Absolventen Peter Brand (Jonah Hill) als Assistenten ein. Dieser hat für das Scouting ein spezielles System entwickelt, das auf Statistiken und Formeln beruht. Zum Leidwesen der etablierten Scouts und von Chefcoach Art Howe (Philipp Seymour Hoffman) vertraut Billy seinem jungen Assistenten und beginnt, sich systematisch ein Team zusammenzustellen, das aus lauter vermeintlich durchschnittlichen Spielern mit guten statistischen Werten besteht. Die ersten Misserfolge scheinen Billys Kritikern allerdings Recht zu geben. Doch er gibt nicht so schnell auf...
Kinofilm-Rating
Amerika liebt bekanntlich Underdog-Storys. Da drängt sich die erstaunliche Geschichte der Oakland Athletics für ein filmisches Heldenepos förmlich auf. Nachdem die Story bereits im Buch von Michael Lewis nachgezeichnet wurde, erzählt nun Moneyball die Geschichte von Billy Beane. Trotz bescheidener finanzieller Mittel gelang es dem Manager, seine Mannschaft mit einer neuartigen, ganz auf Statistiken beruhenden Strategie zu einem Winner-Team zu formen, das schliesslich den Liga-Rekord von 20 Siegen in Serie holte. Auch wenn's letztendlich nie für den ganz grossen Titel gereicht hat - für eine filmische Glorifizierung eignet sich die Geschichte bestens.
Muss also nun der übliche amerikanische Sportschinken erwartet werden? Ja und nein. Ja, weil der dramaturgische Verlauf von Anfang an vorgegeben ist; gegen Ende dürfen so die obligaten dramatischen Slo-Mo-Szenen nicht fehlen, und es versteht sich von selbst, dass der vorher gleichermassen als sympathischer wie bemitleidenswerter Underdog eingeführte Spieler den alles entscheidenden Homerun schafft.
Und doch schafft es der Film, über die Grenzen des Genres hinauszugehen. Das ist nicht zuletzt Drehbuchautor Aaron Sorkin zu verdanken, der, wie schon in The Social Network, seinen Figuren mit knackigen und teils sehr witzigen Dialogen Leben einhaucht. Überhaupt ist Moneyball in seiner Fokussierung auf den Manager - der aus Aberglauben die Spiele seines Teams nie verfolgt - für einen Sportfilm aussergewöhnlich actionarm und dialoglastig.
Auch die Schauspieler tragen ihren Teil dazu bei, dass der Film mehr ist als eine tumbe American-Hero-Story. Brad Pitt gibt den verbissenen Manager mit Inbrunst. Jonah Hill nervt für einmal nicht als Teeniekomödien-Fattie und ist gerade deshalb lustiger als in vielen seiner anderen Filme. Philipp Seymour Hoffman ist in seiner nach Capote zweiten Zusammenarbeit mit Regisseur Bennett Miller gewohnt souverän, während es leider wiedermal die Frau ist, die die undankbarste Rolle erhalten hat. Robin Wright wird in einer Schnarchrolle als Billy Beanes Ex-Frau gehörig verbraten und kommt gerade mal auf ungefähr fünf Minuten Screentime. Da hätte man sie lieber gleich ganz rausgeschnitten, wie überhaupt alle Szenen mit Beanes Familie. Denn der Nebenplot mit Billys gitarrenklimpernden Tochter ist so himmelschreiend überflüssig wie schmalzig.
In der Art der Inszenierung und mit den starken Charakteren erinnert Moneyball zuweilen etwas an The Damned United - freilich mit Baseball anstatt Fussball. Für Europäer, die mit diesem Sport generell weniger am Hut haben, dürfte dies etwas gewöhnungsbedürftig sein. Zahlreich und verwirrend sind die baseballtechnischen Fachbegriffe, mit denen die Figuren um sich werfen. Dass es der Film dennoch schafft, den baseballunkundigen Zuschauer bei Stange zu halten, ist der beste Beweis für die Qualität des Drehbuchs. Da kann man gerne auch ein Auge zudrücken, wenn zwischendurch ein wenig genretypisches Pathos durchblitzt.
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4.5 Sterne (15 Bewertungen) | 4 Kommentare



