Machine Gun Preacher (2011)

Machine Gun Preacher (2011)

Oder: Heal the World

Machine Gun Preacher

Wo hast du meine Bibel hingelegt?

Sam Childers (Gerard Butler) ist alles andere als ein netter Kerl. Als dealender Biker der berüchtigten Hells Angels sorgt er für Chaos und Unheil. Seine Drogenprobleme und sein aggressives Verhalten bringen ihn immer wieder in prekäre Situationen, aus denen ein Ausweg immer aussichtloser erscheint. Doch Sam findet den Weg zum Christentum und lässt sich bekehren. Von der Güte Gottes angetan, wird er zu einem besseren Menschen und strebt sogar noch höhere Ziele an.

Machine Gun Preacher

Die Safari kann beginnen.

Als Reverend Childers reist er in den Sudan, um dort jungen Kriegsopfern, Kindersoldaten und Waisen zu helfen. Er will ein Heim errichten und den Terror gegen die Kinder unterbinden. Seine Gegner gehen einen kompromisslosen Weg und schrecken vor nichts zurück. Immer wieder werden seine guten Absichten durch die afrikanischen Warlords unterbrochen oder gar zunichte gemacht. Mit seiner Organisation "Angels of East Africa, the Children's Village in Southern Sudan" versucht Sam nicht nur die Kinder zu beschützen, sondern auch gegen die Warlords vorzugehen. Ein Unterfangen, das nicht nur am Glauben nagt, sondern auch Blut fordert.


Film-Rating

Der Schweizer Regisseur Marc Forster hat mit Monster's Ball und Kite Runner grosse Erfolge feiern können. 2008 durfte er die Regiearbeit für den 22. James-Bond-Film Quantum of Solace übernehmen, was ihm weiteren Ruhm einbrachte. Sein neuster Film trägt den ungewöhnlichen Namen Machine Gun Preacher. Es ist eine auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte um den Hell's-Angels-Biker Sam Childers, der zu Gott findet und danach in den Sudan reist, um ein Kinderheim zu errichten. Leider hat die Biographieverfilmung in den Staaten für wenig Aufsehen gesorgt, und Forster musste einen gewaltigen Flop hinnehmen.

Die Story ist alles andere als einfach zu verdauen, doch gerade heute, wo man die Youtube-Videos über Kony und Co. nur zu gut kennt, ist man vor allem von der zweiten Hälfte des Filmes wirklich angetan. Der Beginn hingegen ist, obwohl von einer wahren Begebenheit gesprochen wird, abgedroschen inszeniert und wirkt zu keiner Zeit lebensnah. Gerard Butler als Biker Sam Childers macht zwar einen soliden Eindruck, doch das Bild des bösen Hell's-Angels-Dealers ist dermassen klischeehaft, dass man sich desöfteren leise ins Fäustchen lacht. Seine Umformung in den gutmütigen Christen ist rein thematisch gesehen absolut natürlich, doch auch hier hat Forster keinen cineastischen Weg gefunden, seinen Schauspieler realistisch vom bösen Buben in den guten Menschen zu verwandeln. Dieser Teil der Geschichte hinkt gewaltig und wirkt vollkommen versponnen.

Machine Gun Preacher hat seine grossen Momente im Sudan. Die Kinder, die Gewalt und die Gutmütigkeit der Helfer sorgen für feuchte Augen. Das topaktuelle Thema wird kompromisslos wiedergegeben und gefällt auch auf cineastischer Ebene. Die zweite Hälfte des Films ist glaubwürdiger dargestellt, und auch die Schauspieler erhalten mehr Möglichkeiten, sich zu entfalten. Michelle Monaghan als Lynn Childers oder auch Michael Shannon als Biker-Freund Donnie kommen erst im Laufe des Films so richtig in Fahrt, überzeugen dann aber auf ganzer Linie. Gegen Ende gibt Forster in Sachen Action und Thrill nochmal ein bisschen Gas und lässt auch die Dramatik nicht zu kurz kommen. Hier fragt man sich schon ein wenig, weshalb es sich der Regisseur anfangs so schwer gemacht hat.

Fazit: Das neue Forster-Projekt ist ein zweischneidiges Schwert. Der Anfang wurde völlig verkorkst und miserabel inszeniert. Der Mittelteil und das Ende hingegen wissen durchaus zu gefallen. Dramatik und Action stehen in einem schönen Gleichgewicht, und durch die aktuelle Thematik lässt sich der Zuschauer auch gerne tiefer in die Geschichte hineinziehen. Butlers Rolle, anfangs bloss ein Klischeeklumpen, entfaltet sich zu einer sympathischen Badass-Mutter-Theresa, die vom schottischen Draufgänger auch toll gespielt wird. Machine Gun Preacher hätte für die heutige Zeit ein wichtiger Film sein können, hätte man sich mehr auf die Dramatik in Afrika als auf die schwachsinnige Verwandlung von Sam Childers konzentriert.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.53.5

 

13.06.2012 / yan

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