Footnote - Hearat Shulayim (2011)

Footnote - Hearat Shulayim (2011)

Oder: Daddy Uncool

Footnote - Hearat Shulayim

"Den möcht' ich kriegen, der das Kopfgeld auf mich ausgesetzt hat..."

Eliezer Scholnik (Shlomo Bar-Aba) und sein Sohn Uriel (Lior Ashkenazi) sind Professoren am selben Institut derselben Universität. Ihr gemeinsames Studiengebiet ist der Talmud, alte jüdische Schriften. Jedoch unterscheiden sich ihre Forschungsansätze fundamental. Und auch ihr Erfolg: Uriel legt die steile Karriere hin, die seinem Vater immer versagt geblieben ist. Dessen einziger Stolz ist die Fussnotenerwähnung in einer Publikation seines ehemaligen Professors. Dass der Sohn nun im Gegensatz zum Vater in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen wird, erfüllt den pedantischen Sonderling mit Verbitterung.

Doch eines Tages erhält Eliezer einen Anruf: Man informiert ihn, dass er dieses Jahr den Israel-Preis erhalten soll, den höchstdotierten Preis im Lande - just den Preis, für den er zwar schon unzählige Male nominiert war, bei dessen Vergabe er aber stets übergangen wurde. Er spürt eine tiefe Genugtuung und auch Uriel freut sich, dass sein Vater endlich die ihm zustehende Anerkennung erhält. Doch dann meldet sich ein Vertreter des Ministeriums bei Uriel: Es habe eine verhängnisvolle Verwechslung gegeben und der Preis hätte statt an seinen Vater eigentlich an ihn gehen sollen...


Film-Rating

Es braucht eine Weile, bis man sich an den Stil von Footnote gewöhnt hat. Wobei man eigentlich kaum von einem Stil sprechen kann, denn der Film ist ein wilder Mix zwischen verschiedenen Stilmitteln. Beginnt wird mit einer langen Einstellung auf das mürrische Gesicht des Hauptdarstellers Shlomo Bar-Aba als Eliezer, der mit einem Mix aus Verdruss und Resignation die Dankesrede seines Sohnes verfolgt. Doch dann wird die Inszenierung richtiggehend nervös, und es werden allerlei regie- und schnitttechnische Kunstgriffe, schrille Musik, Zwischentitel und hektisch eingeworfene Rückblenden aus dem Hut gezaubert. Als Zuschauer kommt man dabei kaum zum Durchatmen. Bis der Film dann plötzlich wieder ruhiger wird und auf längere Dialoge fokussiert.

Als homogen kann der Film also nicht gerade bezeichnet werden, genauso, wie er sich nur schwer in ein Genre einordnen lässt. Einerseits ist er ein Drama über die Rivalität zwischen Vater und Sohn, andererseits eine schräge Komödie mit absurden Elementen. Fast fühlt man sich beispielsweise bei den Szenen im viel zu engen Sitzungszimmer an den siebeneinhalbten Stock aus Being John Malkovich erinnert. Wahrscheinlich taugt "Tragikomödie" noch am ehesten, um diesen im guten wie schlechten Sinne abwechslungsreichen Film zu kategorisieren.

Interessant ist auch, wie sich die Sympathien des Zuschauers im Verlaufe des Films langsam vom Vater zum Sohn verschieben; durchaus geschickt, wie da mit den Erwartungen gespielt wird. Die restlichen Familienmitglieder kommen da jedoch ein wenig zu kurz, sei es Uriels Ehefrau oder deren gemeinsamer Sohn. Die Geschichte fokussiert ganz auf die schwierige Beziehung der beiden Protagonisten.

Regisseur Joseph Cedar ist dem breiten Publikum ausserhalb Israels vor allem dank Beaufort ein Begriff, wofür er den Regiepreis der Berlinale 2007 sowie eine Oscarnominierung erhalten hat. Es braucht aber schon eine gehörige Portion Fantasie, um zwischen dem realistisch und eintönig inszenierten Kriegsfilm und seinem neuen Werk Parallelen zu finden. Im allerweitesten Sinne befassen sich beide mit der israelischen Geschichte - doch ansonsten lässt sich schwerlich eine Handschrift ausmachen. Das muss durchaus kein Übel sein, beweist es doch des Regisseurs Vielseitigkeit.

Footnote mag ein bisschen wirr sein, doch hat der Film eine ansprechende Story, die auf ungewohnte und originelle Art erzählt wird, und bietet einen ausgewogenen Mix zwischen ernsten Themen und absurdem Humor. Und damit erfüllt er doch zumindest schon mal zwei wichtige Grundkriterien für einen sehenswerten Film.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.04

 

15.05.2011 / ebe

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Bewertung: 4.0 (2 Bewertungen)

 

 

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