The Girl with the Dragon Tattoo (2011)
The Girl with the Dragon Tattoo (2011)
Oder: Bond und die etwas andere Moneypenny
Der Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) macht gerade eine schwere Zeit durch: Nachdem er bei einem Enthüllungsbericht mit falschen Beweisen hereingelegt worden ist, schlägt sein Opfer, der Geschäftsmann Wennerström (Ulf Friberg), gnadenlos zurück und verklagt Blomkvist auf eine Summe, welche dessen Ersparnisse in Nichts auflösen lässt. Ausgerechnet jetzt kommt der ehemalige CEO des Vanger-Familienkonzerns, Henry Vanger (Christopher Plummer), mit einem Auftrag auf ihn zu. Mikael soll das Verschwinden von Henriks Nichte Harriet (Moa Garpendal) aufklären. Diese verschwand 1966, und Henrik glaubt, dass jemand aus der eigenen Familie die damals 16-jährige getötet hat.
Blomkvist macht sich auf dem Anwesen der Vangers ans Werk, gerät mit seinen Ermittlungen aber bald ins Stocken. Als er um Hilfe bittet, wird er an die Hackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara) verwiesen. Diese hat vor kurzem im Auftrag der Vangers einen Bericht über Blomkvist verfasst und schaut deshalb nicht schlecht, als der Journalist plötzlich bei ihr an die Türe klopft. Zusammen versuchen sie, das Rätsel um Harriet zu lösen. Was sie herausfinden, ist nichts für schwache Mägen.
Kinofilm-Rating
Es ging ein Aufschrei durch die Filmwelt, als bekannt wurde, dass Sony ein Remake der Millenium-Trilogie plant. Wir Europäer konnten es uns dabei nicht verkneifen, zu sagen, dass die Amis wieder einmal zu faul seien um Untertitel zu lesen und deshalb die Neuverfilmung der Bücher von Stieg Larsson nötig hätten. Als dann der Name David Fincher auftauchte, wichen solche Gedanken zugunsten der Vorfreude. Der Thriller-Meister hatte 1995 mit Se7en schliesslich einen der besten Serienmörderfilme aller Zeiten gedreht.
Nach dem grandiosen Teaser war klar, dass Fincher von seinem Handwerk, trotz seinen letzten zwei eher massentauglicheren Filmen (Benjamin Button, The Social Network), nichts verlernt hat. Doch die Fragezeichen beim Drehstart galten nicht dem Regisseur, sondern der Frage, was dieses Remake Neues bringen könne - in der Schweiz sahen immerhin über 75'000 Kinobesucher Män som hatar kvinnor - und derjenigen, ob Rooney Mara an die unvergleichliche Performance von Noomi Rapace herankommen könne.
Doch bevor diese Fragen beantwortet werden, wird man Zeuge eines sensationellen und genialen Vorspanns, der aussieht, als hätte ein Bond-Vorspann-Bastler einen Albtraum gehabt. Wenn wir gerade bei Bond sind: Daniel Craig gewinnt das Duell gegen Michael Nyqvist deutlich. Dies vor allem, weil er kantiger ist und eher dem Bild entspricht, welches die vielen Leser von dem cleveren Journalisten hatten. Doch die Augen waren ja nicht primär auf Craig gerichtet, der den Wechsel vom Haudrauf zum Schreiberling auch dank einfaches Aufsetzen einer Brille meistert, sondern auf Mara. Die Salander in diesem Film ist eine eher verletzliche Person, und dies zeigt die New Yorkerin überzeugend. Auch die Neugierde und Zielstrebigkeit nimmt man ihr ab. Ihre unschuldigen Rehaugen passen im Gegensatz dazu aber nicht immer zum harten Auftreten der Hackerin.
Die Geschichte des Filmes ist den Kennern des Buches und des schwedischen Filmes bekannt, und Fincher weicht auch nicht gross davon ab. Einer der wenigen Unterschiede besteht darin, dass Blomkvist aus anderen Motiven den Job bei den Vangers annimmt. Deshalb hat auch diese Verfilmung das Problem mit Hängern zu Beginn und gegen das Ende hin. Doch dank eines grösseren Budgets und des versammelten Talents ist diese Neuaufläge düsterer, beklemmender, stimmiger und letzten Endes einfach besser. Grossen Anteil daran hat die Bildsprache, die richtiggehend aufs Gemüt schlägt und durch einige harte Passagen noch verstärkt wird - Fincher at his best!
Fazit: The Girl with the Dragon Tattoo ist ein gelungenes Remake, welches das Original auf fast allen Ebenen schlägt. Es ist auch die Rückkehr von Fincher zum Genre, welches ihn berühmt gemacht hat, und dabei zieht er alle Register seines Könnens. Zarte Gemüter sind aber wieder vor dem Kinobesuch gewarnt: Denn verwässert wurde im Gegensatz zu anderen Remakes hier gar nichts, weshalb das R-Rating in den Staaten eindeutig verdient ist. Wenn doch Neuauflagen immer so gut wären, dann könnte man sich Sprüche wie "Amis hassen Untertitel" in Zukunft sparen.
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4.6 Sterne (74 Bewertungen) | 17 Kommentare



