Eine ganz heisse Nummer (2011)

Eine ganz heisse Nummer (2011)

Oder: Der Herrgott sieht alles

Eine ganz heisse Nummer

In Reih und GLIED... höhö, zwinkerzwinker

Auf den ersten Blick sind im beschaulichen Mariazell im Bayrischen Wald die Dinge noch so, wie sie für konservative Gemüter sein müssen: Die Dorfgemeinschaft ist intakt und die Menschen gehen brav in die Kirche. Doch tatsächlich sind die wirtschaftlichen Perspektiven nicht gerade rosig, und die Arbeitslosenquote ist hoch. Dies hat auch für den Dorfladen von Maria (Bettina Mittendorfer) und Waltraud (Gisela Schneeberger) Folgen. Da die Dorfbevölkerung lieber im nahen Aldi günstig einkauft, steht ihr Laden vor dem Aus. Können Sie nicht innert vier Wochen eine Bankschuld begleichen, gehen sie bankrott.

Eine ganz heisse Nummer

Komm', jodel mir noch einen!

Woher also das Geld nehmen und nicht stehlen? Der Geistesblitz kommt Maria aufgrund eines obszönen anonymen Anrufers, von dem sie ab und zu belästigt wird. Wieso dies nicht zum Geschäftsmodell machen? Denn mit Telefonsex, so hat sie gehört, lassen sich innert kürzester Zeit ansehnliche Beträge verdienen. Nach anfänglicher Skepsis sind auch Waltraud und die junge Verkäuferin Lena (Rosalie Thomass) bereit, mitzumachen. Eine entsprechende Hotline ist schnell eingerichtet. Jetzt stellt sich nur noch die Frage: Was sagt man dann eigentlich genau, wenn jemand anruft?


Kinofilm-Rating

Hat da jemand Herbstzeitlosen gesagt? Die Parallelen zwischen Eine ganz heisse Nummer und dem Schweizer Publikumshit sind zu offensichtlich, um sie unerwähnt zu lassen. Denn das Setting ist fast eins zu eins dasselbe: ein katholisches Kaff auf dem Lande; eine Dorflädeli-Betreiberin, deren Laden vor dem Aus steht; die "originelle" Lösung, die sie mit zwei Mitstreiterinnen für ihre Probleme findet; und schliesslich die konservative Dorfbevölkerung, die, angeführt vom örtlichen Pfarrer, die ganze Sache natürlich gar nicht toll findet.

Die Telefonsex-Hotline ist freilich die noch etwas deftigere Lösung als Stephanie Glasers Lingerieshop. Man kann die Komik erahnen, die sich daraus ergibt, wenn drei Landpomeranzen einen auf verrucht zu machen versuchen. Diese Szenen sind zum Schreien komisch. Ganz egal, ob die biedere Maria als "Maya, wie die Biene, nur viel heisser", die resolute Waltraud als dominante "Lady Sara" oder die junge Lena als unschuldige "Lolita": Wenn Bettina Mittendorfer, Gisela Schneeberger und Rosalie Thomass in breitestem Bayrisch in den Telefonhörer stöhnen, während sie die Ladenregale abstauben oder eine Gurkenmaske tragen, bleibt kein Auge trocken.

Leider sollte aber der gesamte Rest des Filmes besser schnell vergessen werden. Denn der ist so klischeehaft zusammengeschustert, dass es einen beinahe schon schaudert. Die Dorfcharaktere sind aus dermassen grobkörnigem Holz geschnitzt, dass sie direkt der Schublade "beschränkte Dorfdeppen" entsprungen scheinen. Der Konflikt, der sich in der Mitte des Filmes anbahnt, ist genauso an den Haaren herbeigezogen wie vorhersehbar. In solchen Szenen sehnt man sich danach, möglichst schnell wieder dem Gestöhne der drei Protagonistinnen zu lauschen.

Auch die Logik bleibt grösstenteils auf der Strecke. Zu genaue Fragen stelle man sich mit Vorteil nicht. Denn sonst müsste man sich darüber den Kopf zerbrechen, worin genau der Beweiswert eines Fotos liegt, auf der eine telefonierende Frau zu sehen ist, wenn man ihr Telefonsex nachweisen will. Auch müsste man dann darüber sinnieren, weshalb ausgerechnet die kesse Lena so frömmelt und wieso ein gestandener Banker ausgerechnet eine Alpenjodel-Telefonsex-Nummer wählt, um seinen Weltschmerz zu verarbeiten. Ganz zu schweigen von der Frage, warum offenbar keiner der zahlreichen Anrufer die Stimmen der drei Frauen erkennt - und das, obwohl sie doch im Dorf, wo sie ihre Flyer vorwiegend verteilt haben, jeder kennt.

Eine ganz heisse Nummer lässt sich so am besten geniessen, wenn man die Ansprüche entsprechend herunterschraubt und in dem Film von Markus Goller nicht mehr sieht als eine unterhaltsame, nicht besonders tief gehende Feelgood-Komödie. Wer Klischees nicht mag, sollte dagegen eine Bogen um den Film machen. Auch diesbezüglich winken die Herbstzeitlosen am Horizont.

3.6 Sterne
3.6 Sterne (10 Bewertungen) | 2 Kommentare

3.53.5
04.10.2011 / ebe