Faust (2011)

Faust (2011)

Oder: Die Jungfrau und der geile Bock

Faust

"Was hast du denn da unter deinem Rock?"

Faust (Johannes Zeiler) ist unglücklich. Diverse Naturwissenschaften studiert, findet er noch immer keine Antwort auf seine Frage, was die Welt im inneren zusammenhält. Von zusätzlichen Geldsorgen geplagt, beschliesst er, sich mit einem Gifttrunk das Leben zu nehmen. Mephistopheles (Anton Adasinskiy), welcher sich im Film Mauricius nennt, kommt ihm jedoch zuvor und trinkt das Gift ohne zu sterben.

Faust weicht von nun an nicht mehr von Mauricius' Seite. Dieser bietet ihm an, das Glück durch Erfahrung anstatt durch Erkenntnis zu finden. Mephistopheles nimmt ihn also mit auf eine Tour durch die Welt der sinnlichen Freuden, wo Faust auch der schönen Margarete (Isolda Dichauk) begegnet, die ihm von da an nicht mehr aus dem Kopf will.


Film-Rating

Alexander Sokurovs Verfilmung von Faust ist der letzte Teil seiner Tetralogie über die zerstörerischen Auswirkungen von Macht. Nach den biographischen Dramen Moloch (1999 über Adolf Hitler), Taurus (2001 über Vladimir Lenin) und The Sun (2005 über den japanischen Kaiser Hirohito) beendet der russische Regisseur seine Serie mit einem fiktiven Charakter. Was die vier gemein haben, ist laut Sokurov, dass sie alle grosse Spieler sind, die die wichtigste Wette ihres Lebens verloren haben.

Johann Wolfgang von Goethes "Faust I" gilt als bedeutendstes und meistzitiertes Werk der deutschen Literatur. Über ein halbes Jahrhundert (!!!) hat Goethe daran geschrieben. Die Tragödie zu verfilmen, bedarf also einiges an Mut. Dieser hat sich jedoch ausgezahlt. Sokurovs Faust ist zwar eine relativ freie Interpretation von Goethes Opus und hält sich nur teilweise an die Originalgeschichte, nichtsdestotrotz funktioniert der Film.

Die Herangehensweise ans Werk stellt sich als ziemlich unkonventionell heraus. So lässt die Auftaktsszene den Blick des Zuschauers über ein von Morgentau bedecktes Auenland-ähnliches Panorama schweifen, und ehe man sich versieht, starrt man auf das erschlaffte und zugleich ersteifte Glied eines Toten. Der Kinosaal ist nun wach und bereit für 134 Minuten Faust der etwas anderen Art. Die lange Spielzeit verkürzt sich durch diverse ulkige Elemente von derbem Humor, wie zum Beispiel Mephistopheles' unkontrollierbare Flatulenz, mit denen der Film gespickt ist. Auf das ein oder andere klassische Zitat ("Da steh' ich nun, ich armer Thor und bin so klug als wie zuvor.") wollte jedoch auch ein Freigeist wie Sokurov nicht verzichten.

Die verschiedenen Figuren wurden, vor allem nach optischen Gesichtspunkten beurteilt, optimal besetzt. Hierbei sticht insbesondere Isolda Dichauk, welche die Rolle des Gretchen verkörpert, ins Auge. Mit ihrem Porzellanpüppchen-Gesicht geht sie als die perfekte Unschuld vom Lande durch. Auch nicht zu verachten ist Anton Adasinskiy als Mephistopheles, der als kränkelnde, weinerliche Gestalt irgendwie etwas an Gollum aus Lord of the Rings erinnert.

Sokurovs Faust überrascht mit seiner nonkonformistischen Machart. Während überzeugte Goethe-Anhänger enttäuscht sein mögen, ist der Film für manch Anderen sicherlich erfrischend und für Faust-Neulinge eine attraktive Möglichkeit, das Werk zu entdecken, wenn auch die Story etwas verfälscht ist.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.04

 

10.09.2011 / lau

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Bewertung: 3.8 (3 Bewertungen)

 

 

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