Drive (2011)

Drive (2011)

Oder: Freie Fahrt für freie Bürger

Drive

Freude am Fahren

Seine Fahrkünste sind legendär, deswegen wird der schweigsame junge Mann (Ryan Gosling) von allen auch nur "Driver" genannt, der Fahrer. Egal, ob als Chauffeur des Fluchtwagens nach einem Banküberfall, als Stuntpilot für Filmdrehs oder als Aushilfe in der Garage seines väterlichen Freunds Shannon (Bryan Cranston), all seine Einkünfte haben in der einen oder anderen Weise mit Autos zu tun. Und Shannon hat Grosses mit ihm vor: Als professioneller Stockcar-Pilot soll Driver die Rennstrecken Amerikas erobern und mächtig Kasse machen. Shannon kann den Geschäftsmann Bernie Rose (Albert Brooks) überreden, in ein anständiges Auto zu investieren.

Drive

Das T-Shirt könnte auch wieder mal in die Wäsche.

Driver lernt währenddessen die junge Mutter Irene (Carey Mulligan) kennen, die mit ihrem Sohn Benicio (Kaden Leos) eine Tür neben seiner Wohnung in Los Angeles wohnt und deren Ehemann Standard (Oscar Isaac) im Knast weilt. Auf gemeinsamen Ausfahrten kommen sich Driver und seine Nachbarin immer näher, und auch mit ihrem Jungen versteht er sich ausgezeichnet. Als aber Standard vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird und bald darauf von zwielichtigen Gestalten bedroht wird, sind auch Irene und Benicio in Gefahr. Driver muss handeln.


Kinofilm-Rating

Der von Ryan Gosling verkörperte coole Actionheld, der lieber auf dem Zahnstocher herumkaut, anstatt grosse Worte zu verlieren, könnte glatt einem Italowestern der Sechziger entsprungen sein und erinnert an legendäre Helden wie Clint Eastwood oder Django Franco Nero. Nur dass hier statt Pferden Autos als Fortbewegungsmittel dienen. Und diese werden in kurzen, aber intensiven Verfolgungsjagden auch wirksam eingesetzt. Natürlich weckt dies auch Erinnerungen an Steve McQueen im ultimativen Auto-Actionfilm Bullitt, der zweifellos auch ein Vorbild für diesen Film war.

Der auf einer Romanvorlage von James Sallis basierende Film des dänischen Regisseurs Nicolas Winding Refn ist rasant inszeniert, enthält markige Sprüche einige deftige Gewaltszenen, bei denen das Blut anständig spritzt - wer Refns frühere Filme wie die Pusher-Trilogie, Bronson oder Valhalla Rising kennt, wird darob kaum erstaunt sein. Dass der Plot dabei nicht vor Originalität und Komplexität überquillt, kann man verzeihen, denn bei Drive sind es die Details, die Spass machen. Wie dasjenige, dass anstatt pumpenden Rock- oder Technoklängen, wie man sie für einen Film dieser Art vielleicht erwarten würde, ein stylischer Achtzigerjahre-Pop (unter anderem von REO Speedwagon) gewählt wurde.

Auch die Nebendarsteller sind prima: Sei es Breaking-Bad-Star Bryan Cranston, Mad-Men-Sekretärin Christina Hendricks, Albert Brooks oder Ron Perlman - sie alle tragen zu einem durch und durch stimmigen Filmerlebnis bei. Nur Carey Mulligan hat ein wenig Mühe, da mitzuhalten. Etwas gar brav und bieder wirkt sie als quasi-alleinerziehendes Mami, für das sich Ryan Gosling alias Driver die Hände schmutzig macht.

Mit Drive hat Refn, der übrigens - witziges Detail am Rande - selbst gar keinen Führerschein besitzt, einen coolen Hoch-Puls-Actioner realisiert. Trotz diverser Verweise auf seine stilistischen Vorbilder hat der Film der dennoch einen eigenen, unverwechselbaren Stil. Der Kluge reist in diesem Fall für einmal nicht im Zuge.

4.9 Sterne
4.9 Sterne (94 Bewertungen) | 30 Kommentare

55
21.05.2011 / ebe