The Descendants (2011)
The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten
The Descendants (2011) The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten
Oder: Drama im Paradies
Der auf der hawaiianischen Insel Oahu lebende Anwalt Matt King (George Clooney) wird konfrontiert mit dem Bootsunfall seiner Frau Elisabeth (Patricia Hastie), die dabei ins Koma fällt. Er versucht mit allen Mitteln, seiner Frau beizustehen und das Verhältnis zu seinen beiden Töchtern Alexandra (Shailene Woodley) und Scottie (Amara Miller) zu verbessern. Matt wird erst jetzt bewusst, wie sehr er sich in den letzten Jahren von seiner Familie distanziert hat. Dass er nun noch Verwalter über ein seit Dekaden im Familienbesitz stehendes Stück Land auf der Nachbarinsel Kauai ist, überfordert die Entscheidungskraft des Familienvaters.
Die behandelnden Ärzte warten mit der Hiobsbotschaft auf, dass es keinen Sinn mehr mache, Elisabeth weiterhin an den lebenserhaltenden Maschinen angeschlossen zu halten. Für Matt ist die Zeit gekommen, seine Familie in den Vordergrund zu rücken und eine Entscheidung zu treffen. Als er sich Alexandra öffnet, erfährt er von einem schrecklichen Geheimnis...
Kinofilm-Rating
Keine Frage: Was George Clooney in den letzten Jahren anfasst, wird unverzüglich zu Gold. Beim Kritikerliebling The Descendants soll das nicht anders sein, auch wenn Clooney hier (nur) die Hauptrolle übernimmt. Nebst fünf Oscarnominationen durfe das Familiendrama bereits zwei Golden Globes einheimsen. Regisseur Alexander Payne (About Schmidt, Sideways) verzaubert in der gleichnamigen Buchadaption der Autorin Kaui Hart Hemmings Cast und Publikum gleichermassen; wobei auch hier nicht alles Gold ist, was glänzt.
The Descendants versucht ganz fest, kein Exempel über die Vergänglichkeit des Lebens und den Umgang mit dem Tod zu sein. Es ist eine Geschichte über die unkontrollierbare Dynamik innerhalb einer Familie und darüber, verzeihen zu können. Grösstenteils gelingt der Balanceakt dem Drama anhand ulkiger Momente, welche sich plakativ dazwischenschieben, als wollen sie beweisen, dass man hier auch lachen darf. Payne reizt im Gegensatz dazu jene Szenen aus, welche gemäss Drehbuch per Knopfdruck auf die Tränendrüse drücken sollen - was den Film leider ziemlich berechenbar macht.
Glücklicherweise werden solche Szenen durch das schauspielerische Talent der beiden Filmtöchter Shailene Woodley (The Secret Life Of The American Teenager) und Debütantin Amara Miller auf natürliche Weise gerettet. Das Zepter punkto Plot und Gefühlsduselei übernimmt selbstverständlich Clooney himself, dessen Charakter sozusagen im Alleingang den Film vorwärtstreibt. Teilweise wird man das Gefühl nicht los, als wisse der adrette Herr mit dem graumelierten Haar ganz genau, wie gut er beim Publikum ankommt.
Das Drama punktet erwartungsgemäss mit seinen feinfühligen Charakteren, einem grandiosen und im Kontrast zum Thema stehenden Setting und dem lebensnahen Stil, der die Aufmerksamkeit des Zuschauers von Anfang an gewinnt. Einige Szenen beinhalten grossartige Dialoge, andere wiederum erstaunen durch ihre Banalität. Gegen Ende triumphieren der Herzschmerz und die positive Wirkung familiärer Eigentherapie, damit man das Kino doch noch mit einem angenehmen Gefühl verlassen darf.
Fazit: Alexander Payne präsentiert mit The Descendants nicht das erwartete Meisterwerk, beweist aber mit dem harmonierenden Cast und dem grandiosen Setting auf Hawaii, dass er ein feinfühliges, mit Humor versehenes und intimes Drama locker auf die Reihe kriegt. Clever, denn genau ein solches Rezept scheint die Filmpreisjurys zu überzeugen.
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4.5 Sterne (32 Bewertungen) | 4 Kommentare



