A Dangerous Method (2011)
Eine dunkle Begierde
A Dangerous Method (2011) Eine dunkle Begierde
Oder: "Sind doch alles Psychos!"
Zürich, 1904: Der junge, aufstrebende Psychiater Carl Gustav Jung (Michael Fassbender) arbeitet als Arzt in der Nervenklinik Burghölzli. Eines Tages wird dort die 18-jährige Russin Sabina Spielrein (Keira Knightley) eingeliefert, die an unerklärlichen Angstzuständen und einer sexuellen Neurose zu leiden scheint. Jung nutzt die Gelegenheit, um an ihr eine neuartige Behandlungsmethode zu testen, die noch in den Kinderschuhen steckt: die Psychoanalyse, die vom renommierten Wiener Psychiater Sigmund Freud (Viggo Mortensen) entwickelt worden ist.
Anlässlich dieses Falles kommt Jung in Kontakt mit Freud und besucht diesen in Wien. Zwischen den beiden entwickelt sich eine berufliche wie auch private Freundschaft. Für Jung ist Freud Vorbild und Vaterfigur, während Freud in seinem Kollegen die ideale Person sieht, um seine Arbeit dereinst fortzuführen. Als aber Freud seinem Kollegen den lebenslustigen Otto Gross (Vincent Cassel), selbst ein Psychiater, zur Therapie schickt, bringt dieser einige Steine ins Rollen, die sich nicht nur auf die Beziehung zwischen Jung und der mittlerweile genesenen Patientin Sabina Spielrein auswirken, sondern auch Jungs Freundschaft mit Freud auf die Probe stellen.
Kinofilm-Rating
Allzu oft kommt es ja nicht vor, dass eine historische Schweizer Persönlichkeit Protagonist in einem grossen Hollywoodstreifen ist. Dem Psychiater Carl Gustav Jung kommt nun diese Ehre zuteil. David Cronenbergs A Dangerous Method erzählt, wie das Verhältnis zwischen ihm und der Patientin Sabina Spielrein einen Keil in seine Freundschaft mit Sigmund Freud getrieben hat. Rekonstruiert wurde die Geschichte vor allem mithilfe des regen Briefwechsels zwischen den beiden, der auch im Film eine zentrale Rolle einnimmt.
Setzt man nun also die "Schweizer Brille" auf, stellt man allerdings schnell fest, dass an dem Film sonst nicht viel schweizerisch ist: Die Darsteller unterhalten sich in Englisch, wie schon die Russen aus Eastern Promises. Anders als dort verzichtet Cronenberg darauf, ihnen durch einen starken Akzent eine Pseudo-Authentizität zu verleihen. Sicher eine nachvollziehbare Entscheidung, aber doch irgendwie schade - denn es wäre sicher spannend zu hören gewesen, wie der deutschstämmige Ire Michael Fassbender sein "Swiss English" hingekriegt hätte.
Auch gedreht wurde nicht auf Schweizer Boden. Als Zürichsee musste die deutsche Seite des Bodensees herhalten, da ersterer mittlerweile zu verbaut ist, um noch glaubhaft als Szenerie anno 1904 rüberzukommen. Im Gegensatz zu den Szenen in Wien, die tatsächlich dort entstanden, wurden zudem auch die übrigen "Schweizer" Szenen nicht hier gedreht, sondern teils an verschiedenen Drehorten in Deutschland, teils im Studio mit CGI-Unterstützung.
Die detailgetreue Ausstattung ist jedenfalls der grosse Trumpf des Filmes. Man wähnt sich tatsächlich im Zürich am Anfang des 20. Jahrhunderts. Auch die beiden Hauptdarsteller leisten prima Arbeit, vor allem Viggo Mortensen (mit ungewohnter Augenfarbe!) hat als Sigmund Freud eine starke Präsenz und erinnert ein klein wenig an Robert De Niro. Leider fällt Keira Knightley deutlich ab: Ihre Darstellung der Sabina Spielrein ist nerviges Overacting - und doch darf sie sich berechtigte Hoffnungen auf eine Oscarnominierung machen. Denn dass die Academy auf historische Figuren und solche mit einer leichten psychischen Störung steht, ist ein offenes Geheimnis. Knightleys Figur hat beides...
Interessant ist wiederum der historische Aspekt - bedenkt man, dass die Psychoanalyse einen Meilenstein in der Geschichte der Psychologie darstellt. Hier hätte der Film noch etwas mehr in die Tiefe gehen können. Die leidenschaftliche Lovestory zwischen Jung und Spielrein scheint zudem zeitweise etwas aufgesetzt. Doch alles in allem bleibt A Dangerous Method ein stimmiges Erlebnis und versetzt die Zuschauer in die Geburtsjahre der modernen Psychologie, so dass sie beinahe das Gefühl haben, selbst mit dabei gewesen zu sein.
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4.0 Sterne (16 Bewertungen) | 4 Kommentare



