Bridesmaids (2011)
Bridesmaids (2011)
Oder: Eine Frage der Ehre
Annies (Kristen Wiig) Leben hat sich im Mittelmass eingependelt: Sie ist Mitte 30, Single und hat einen langweiligen Job in einem Juweliergeschäft, den sie nur über ihre Mutter erhalten hat. Eigentlich hat sie nur ihre beste Freundin Lillian (Maya Rudolph), die sie seit der Schulzeit kennt. Doch es ändert sich alles, als Lilian eines Tages verkündet, dass sie verlobt sei.
Annie erklärt sich natürlich bereit, als erste Brautjungfer die Hochzeit zu organisieren. Doch an der Verlobungsfeier lernt sie die anderen Brautjungfern kennen, insbesondere Helen (Rose Byrne), die reiche Frau des Chefs von Lillians Verlobtem. Sofort kommt es zum Konflikt zwischen den beiden Frauen, da beide der Meinung sind, die bessere Freundin Lillians zu sein und die bessere Party organisieren zu können - der Zickenkrieg ist also vorprogrammiert.
Kinofilm-Rating
2009 landete Todd Phillips mit The Hangover einen Überraschungshit und brachte damit frischen Wind in das Genre der derben Männerkomödien. Nun, zwei Jahre später, ist zwar The Hangover Part II gescheitert, dafür könnte Bridesmaids das Phänomen wiederholen - dieses Mal jedoch für die Ladys. Zugegeben, die Ausgangslage könnte aus einer x-beliebigen romantischen Komödie stammen: Die Protagonistin wird zur ersten Brautjungfer ihrer besten Freundin gemacht und liefert sich binnen kurzem einen Zickenkrieg mit der zweiten Brautjungfer. Doch warum schafft es der Film trotzdem, sich souverän über die Masse der am Fliessband produzierten Genrekollegen zu erheben?
Tatsächlich kann Paul Feigs Film mit ähnlichen Stärken punkten, die auch The Hangover zum Erfolg verhalfen: Zum ersten ist der Film überraschend gut geschrieben. Trotz der altbekannten Grundstory und weitgehend fehlenden Plottwists kommt Bridesmaids frisch und unverbraucht rüber. Die beiden Autorinen - Annie Mumolo und niemand Geringeres als die Hauptdarstellerin Kristen Wiig (Paul) - erzählen die Geschichte spannend, schnörkellos und mit einem guten Gespür für abwechselnd rasant-komische und romantisch-ernsthaftere Momente. Darüber hinaus ist die Gagdichte sehr hoch, und die Dialoge sind teilweise scharf wie Rasiermesser - zu lachen gibt es garantiert genug.
Der zweite Trumpf ist die Besetzung. Die bereits erwähnte Kristen Wiig ist eine überaus willkommene Abwechslung zu all den blonden Spassnudeln der Branche. Man kann sich den selben Film ohne Probleme auch mit Jennifer Aniston oder Cameron Diaz in der Hauptrolle ausmalen, nur hätten diese der Hauptperson wohl kaum Natürlichkeit und feinen Sarkasmus verleihen können, wie es Wiig tut. Dadurch, dass auf bekannte Gesichter verzichtet wurde, gibt Feig seinen Darstellerinnen die Chance, trotz klischierter Figurenzeichnungen - diese gibt es leider auch hier - weitgehend zu überzeugen. Die Ehre der Männer rettet nebenbei Chris O'Dowd (The Boat That Rocked), der einmal mehr sehr sympathisch rüberkommt.
Klar, wer diese Art von Komödien nicht mag, wird auch hier nicht bekehrt. Wie The Hangover verfällt auch Bridesmaids gewissen Lastern, die dem Genre anhaften: Teilweise ist es einfach zu viel des Guten. Wenn sich Annie und Helen bei der Verlobungsfeier um die bessere Ansprache streiten, dann hat man den Witz nach zwei Minuten kapiert, die Autorinnen lassen die Szene jedoch trotzdem gefühlte zehn Minuten weiterlaufen und in zunehmende Peinlichkeiten ausarten. Auch Fäkal- und Sperma-Witze wirken zuweilen etwas aufgesetzt und scheinen lediglich den Zweck zu haben, dem Film ein R-Rating einzubringen.
Unter dem Strich macht Bridesmaids aber auf jeden Fall mehr richtig als falsch. Seine grösste Stärke liegt wohl darin, dass er im Gegensatz zu vielen Konkurrenz-Filmen, die lediglich witzig sein wollen, auch einen emotionalen Kern hat, also witzig und menschlich ist.
![]()
4.0 Sterne (61 Bewertungen) | 4 Kommentare



