Blutzbrüdaz (2011)
Blutzbrüdaz (2011)
Oder: Jo-Jo-Jo
Otis (Sido) und sein Kumpel Eddy (Bobby Tight) kennen sich schon, seit sie klein sind. Als junge Männer beschliessen sie, ihr Geld mit Musik zu verdienen. Trotz ihres immensen Talents kommen sie zu Beginn nicht vorwärts, da sie arbeitslos sind - und somit nicht mal Geld haben, ein anständiges Mikrophon zu kaufen. Deshalb wird kurzerhand eines in einem Musikgeschäft geklaut, und der Aufstieg kann damit beginnen.
Nachdem sich ihr erstes Tape sensationell gut verkauft hat, wird der Musikproduzent Facher (Tim Wilde) auf sie aufmerksam und nimmt die beiden gleich unter Vertrag. Doch schon bald erkennt Otis, dass das grosse Label mehr am Erfolg interessiert ist als an echtem Rap. Eddy derweil ist zu geblendet von dem vielen Geld, dass er gerne bereit ist, dieses Opfer zu erbringen. Als dann Otis im wahrsten Sinne des Wortes in den Hintergrund gedrängt wird und nur aus Eddy der grosse Star gemacht werden soll, steigt Otis aus und plant seine Rache - mit Worten natürlich.
Kinofilm-Rating
Die meisten Musiker, die einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben, versuchen irgendwann nicht nur die Bühnen der Welt, sondern auch die Leinwände zu erobern. Fast zwei Jahre, nachdem Sidos einstiger Erzfeind Bushido sein Filmdebüt in Uli Edels von der Presse übel verrissenem Zeiten ändern sich gegeben hat, zieht ersterer jetzt nach. Und er zeigt, dass er mehr drauf hat, als nur wüste Worte zu spucken. Zwar wird er mit seiner Leistung kein zweiter Marlon Brando, jedoch schlägt er sich nicht mal schlecht. Die grösste Überraschung ist jedoch, dass Blutzbrüdaz nicht die befürchtete peinliche Selbstinszenierung von Sido und Co. geworden ist, sondern eine Tragikomödie, bei der sich schwache und starke Szenen die Waage halten.
Natürlich arbeitet Regisseur Özgür Yildirimhier lediglich die bekannten Klischees ab. Was aber der vorhersehbaren Story erfrischend zu Gute kommt, ist der Humor, der sich durch den ganzen Film zieht. So verkommt das Werk nie zum schwerfälligen Drama, wie dies bei anderen "Musikerfilmen" wie dem Bushido-Film oder auch 8 Mile der Fall ist. Die Stimmung in Blutzbrüdaz ist locker, heiter, auch wenn die Sprüche nicht immer auf demselben Niveau sind.
Aber trotzdem ist hier lange nicht alles Bling-Bling, was glänzt - wie es die Rapper sagen würden. Eine Lovestory mit der Assistentin des fiesen Musikproduzenten (die wunderschöne Claudia Eisinger aus 13 Semester) ist überflüssig, und die Kritik an den fiesen Labels ist etwas gar plump geraten. Etwas seltsam mutet es zudem an, dass dabei ein bekanntes Label beim Namen genannt wird (Sony), während die Namen der Figuren geändert worden sind - und dies, obwohl Teile der Geschichte direkt aus Sidos Leben entstammen.
Fazit: Blutzbrüdaz ist besser als erwartet. Die Raps stimmen und der Humor lockert das Ganze auf - obwohl lange nicht alle Sprüche ins Schwarze treffen. Zudem werden Sido und seine Kumpels nicht von den erfahrenen Schauspielern an die Wand gespielt. Trotzdem wirken einige Teile der Story etwas plump, und Szenen mit Kopfschüttelpotential sind ebenfalls vorhanden. Sido-Fans werden den Film sowieso den "Börner" finden. Allen, welche in den Film mitgeschleppt werden, sei hier gesagt: Es gibt Schlimmeres.
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