Monsieur Lazhar (2011)
Monsieur Lazhar (2011)
Oder: Die Lehren des Lebens
Simon (Émilien Néron) entdeckt sie im Klassenzimmer: seine Lehrerin Martine, mit einem Schal erhängt. Diese menschliche Katastrophe versucht die Schulleitung dann mit einer neuen Zimmerfarbe und einer Psychologin aufzuarbeiten. Und mit einer neuen Lehrkraft, dem Algerier Bachir (Mohamed Fellag).
Nach einigen vor allem kulturell bedingten Startschwierigkeiten schafft es Bachir immer besser, den Draht zur Klasse zu finden. Dieser fällt es jedoch schwer, die Erinnerung über den Vorfall abzustreifen. Vor allem Simon und Alice (Sophie Nélisse) zeigen sich auffällig: Er reagiert mit Aggressivität, sie versucht den Selbstmord im Unterricht direkt zu adressieren.
Bachir gibt sich ein und wird den Kindern eine Stütze - gleichzeitig sind die Kinder für ihn selbst eine Hilfe, denn auch er hat einen schrecklichen Schicksalsschlag zu verarbeiten. Doch über Bachir hängt ein Damoklesschwert: Als politischer Flüchtling ist sein Verfahren immer noch hängig. Wird es abgelehnt, kann Bachir von einem Tag auf den anderen abgeschoben werden.
Kinofilm-Rating
Die Schulzeit war nicht immer ein Vergnügen. Doch was diese Klasse einer Montrealer Schule erleben muss, kann mit kaum einem persönlichen negativen Schul-Erlebnis verglichen werden. In Bachir Lazhar werden Kinder, wohl die meisten, erstmals mit dem Tod einer vertrauten Person konfrontiert. Und einem gewaltsamen obendrein.
Eine Psychologin soll den Kindern helfen, doch schlussendlich begleitet der neue Lehrer sie durch einen Heilungsprozess, der ihm hilft, seine eigene Vergangenheit zu bewältigen. Der Plot sieht so zwei Stränge, die einfach zu definieren sind: Das Leben von Bachir innerhalb der Schule, und das ausserhalb der Schule.
Erstaunlich ist nebst den hervorragend gecasteten Kinderschauspielern und den realistischen Unterrichtsszenen, wie glaubhaft der Film die verschiedensten Gefühlswelten der Figuren kreiert. Sachte und mit Respekt tastet er sich an das Thema Tod heran, ohne sich krampfhaft ernst zu geben, ohne klischiert zu wirken. Dabei führt er uns auch vor, wie sich die Gesetzlichkeiten der Schulordnung (zum Guten?) gewandelt haben. Physischen Kontakt ist den Pädagogen nicht mehr gestattet. Das mag die Kinder schützen, dann aber auch Distanz und emotionale Kälte schaffen. Bachir lässt sich, unbeirrt von den Auflagen, von seinem Instinkt leiten, was unter anderem in eine der bleibenden Szenen des Films mündet.
Regisseur Philipp Falardeau formte aus einem Ein-Personen-Theaterstück ein Drehbuch, das behutsam seine Hintergründe freilegt. Mit dem Hauptdarsteller Fellag, einem bekannten algerischen Komiker und Schriftsteller, konnte er die Rolle des Bachir treffend besetzen. Bachir Lazhar ist ein Schmuckstück von Drama, das mit seiner Unprätentiösität und seinem Feingefühl tief berührt.
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5.7 Sterne (6 Bewertungen) | 0 Kommentare



