The Artist (2011)

The Artist (2011)

Oder: Schweigen ist nicht immer Gold

The Artist

Näher bei den Stars: Peppy sucht den Körperkontakt.

Ende der Zwanzigerjahre gibt es in Hollywood keinen grösseren Star als George Valentin (Jean Dujardin). Sein letzter Film "A Russian Affair" ist sehr zur Freude seines Produzenten Zimmer (John Goodman) ein erneuter Grosserfolg, und die Filmwelt steht zur Premiere Kopf. In der Masse der Zaungäste befindet sich auch die ehrgeizige Nachwuchsdarstellerin Peppy Miller (Bérénice Bejo), die es per Zufall aufs Bild mit Valentin schafft und so am nächsten Tag Stadtgespräch wird. "Who's that girl?" prangt in grossen Lettern in einem bekannten Branchenblatt über dem Foto des sich herzenden Paars.

The Artist

"Ach hätt ich doch den Final Cut."

Peppys Filmkarriere hilft die Publicity vorerst aber nicht viel, und sie muss für ihre nächste Rolle normal beim Casting antanzen, landet aber gleich wieder auf einem Set mit George Valentin. Die Rolle ist klein, aber um dem Megastar den Kopf zu verdrehen, reicht es. Dumm nur, dass George bereits verheiratet ist. Aus den beiden wird deshalb nichts, und sie gehen getrennte Wege. Während mit der Ankunft des Tonfilms aber der Stern des Stummfilmstars langsam zu sinken beginnt, gehört Peppy bald zu den hoffnungsvollen Talenten, mit denen Produzent Zimmer die neue Ära einläuten will. Aus der Statistin Peppy wird eine Filmgöttin, während George Valentin immer mehr in Teufels Küche gerät.


Kinofilm-Rating

Die einheimischen Filme an den grossen Festivals sind immer mit Vorsicht zu geniessen. Ob nun in Cannes, Venedig oder Berlin werden da oft Gefälligkeiten erwidert und etwas der offiziellen Selektion angefügt, das die internationale Filmwelt kaum interessiert oder künstlerisch wenig wertvoll ist. The Artist, ein Film mit einem französischen Star, der in Hollywood spielt, ist da die löbliche Ausnahme. In Cannes 2011 wurde er an der Pressevorführung beklatscht wie selten ein Film zuvor. Zurecht!

Der TV-Comedian Jean Dujardin und sein Stammregisseur Michel Hazanavicius haben in den beiden Persiflagen rund um den depperten Agenten OSS 117 bereits bewiesen, dass sie die Ästhetik des Sechzigerjahre-Kinos bestens wiederbeleben können. In The Artist gehen sie noch ein paar Jährchen weiter zurück zur Tonfilm-Revolution in Hollywood der Zwanzigerjahre und meistern auch diese Zeitreise bravourös. Das Bildformat 4:3, die Farbe Schwarzweiss und der Ton bis auf zwei äusserst witzige Ausnahmen ohne Stimmen: Fertig ist die liebevolle Hommage an die Stummfilmzeit und seine Darsteller, die offen bei Fritz Lang und anderen klaut. Denn die können sich ja nicht mehr beschweren, wie der Regisseur an der Pressekonferenz in Cannes bemerkte.

Jean Dujardin kann dabei sein nonverbales Talent voll ausschöpfen. Als dauergrinsender Tausendsassa George Valentin hat er sein Publikum im Film und dem Kinosaal im Sack. Ebenso faszinierend ist die schöne Bérénice Bejo, mit der Dujardin schon in OSS 117: Le Caire, nid d'espions agierte. Die gebürtige Argentinierin hat sich die Movie-Babes von vor 90 Jahren genau angesehen und wirft sich mit Colgate-Lächeln originalgetreu in neckische Posen. Die beiden funktionieren als Traumpaar bestens und sorgen zuerst für Lacher und an Ende für Schluchzer. Die Nebenrollen füllen bekannte US-Gesichter wie John Goodman und James Cromwell. Nicht zu vergessen ist ein kleiner Struppi-Hund, der öfters mal die Show stiehlt. Zusammen mit den englischen Zwischentitel und dem Setting in Hollywood wirkt so The Artist eigentlich nie wie ein französischer Film.

Das sollte helfen, Jean Dujardin auch im deutschen Sprachraum bekannter zu machen. Nicht zuletzt wegen der Sprachbarriere wurde der französische Bully Herbig hierzulande bisher eher stiefmütterlich behandelt. The Artist ist hingegen cineastische Magie, die sprachlos macht. Ein Film, der von der Liebe zum Kino und seiner Geschichte erzählt. Von Fans für Fans gemacht mit einer Liebe zum Detail, die bewundernswert ist.

4.8 Sterne
4.8 Sterne (52 Bewertungen) | 9 Kommentare

5.55.5
16.05.2011 / rm