Zeiten ändern Dich (2010)
Zeiten ändern Dich (2010)
Oder: Haste nix, biste nix, Mann!
Kurz vor seinem Konzert am Brandenburger Tor erinnert sich Rapstar Bushido (Bushido) zurück an seine schwierige Kindheit. Auslöser ist eine Postkarte von seinem Vater (Adolfo Assor), zu dem der Kontakt vor Jahren abbrach, weil er seine Mutter verprügelt hat. Damals zog er noch unter seinem bürgerlichen Namen Anis (gespielt von Elyas M'Barek) durch die Gassen. Mit 450 Mark Startkapital seiner Mutter (Hannelore Elsner) hat der Schulabbrecher seine Karriere als Haschdealer gestartet. Mit 16 war er ein gemachter "Mann" und konnte jedes Mädchen haben, das er wollte. Verknallt hat er sich aber in Selina (Karoline Schuch).
Im Butler- und Bonzen-Milieu seiner Freundin kommt der an Mietskasernen gewohnte Anis aber nur schlecht zurecht. Gschpusi Selina findet auf Dauer Anis' "asoziale" Kollegen immer doofer. Als sich Anis, inspiriert von einem Samurai-Video, nur noch Bushido nennen will, und sich eine Tätowierung am Hals stechen lässt, ist es schliesslich ganz aus zwischen den beiden. Besonders bedrückt ist Bushido deswegen nicht. Nur dass Selina ihm nach einer Ohrfeige vorwirft, dass er "zum Schwein wie sein Vater" werde, gibt ihm zu denken.
Kinofilm-Rating
Bushido polarisiert. Selten wie nie stiess ich auf Unverständnis bei Kollegen, als ich ihnen erzählte, dass ich mir das Biopic des Rappers anschauen wollte. Seine Musik kenne ich nicht. Für mich war er bisher eine Panel-Existenz in der Glotze, und dabei als Gast bei Kerner und Co. meist der Eloquenteste in der Runde. Ein hübscher Junge mit mächtig Kohle - und mit das Lustigste im Horst-Schlämmer-Film. Warum hassen den so viele?
Die Verfilmung von Bushidos Bio nahm mit Bernd Eichinger ein erfahrener Bestseller-ins-Kino-Steller in Angriff (Das Parfüm, Der Untergang). Statt um Kunst geht's dabei aber mehr um Kohle. Zeiten ändern dich ist oft langweilig, manchmal amateurhaft. Das Werk unterschlägt Infos und untergräbt Erwartungshaltungen. Witzig und spannend sind oft nur die Stars in Nebenrollen. Uwe Ochsenknecht als krächzender Krösus, Moritz Bleibtreu als No-Gugus-Gangster und Karel Gott als himself. Ein seltsames Paar, das "die goldene Stimme aus Prag" und der Brutalo-Rapper beim Schlussakkord auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor abgeben.
So ganz schlüssig wird man aber bei Bushidos Kampf um Anerkennung auf der Leinwand nie. "DerElfteSeptember" als Auslöser einer Musikkarriere ist unglaubwürdig. Für einen Rapper ist Bushido ein mehr als lausiger Off-Sprecher. Ganz anders, als überall kolportiert, hat der vermeintliche Groupie-Knaller nur zweimal Sex im Film. Er prügelt sich nie richtig, lebt quasi drogenfrei. Und sein Ex-Label "Aggro Berlin" wird lächerlicherweise "Hardcore" genannt im Film. Was gilt denn nun? Krass ist das nicht. Genauso wenig wie die harmonische Familienzusammenführung am Ende des Films. Ist vielleicht Bushido gar ein Muttersöhnchen?
Ganz so übel wie bei Daniel der Zauberer oder Dieter - Der Film, um nur zwei andere biographisch angehauchte Filme deutscher Entertainer zu nennen, wird's bei Bushido zum Glück nicht. Trotzdem scheint er, der nie "Opfer" sein wollte, nun der Leidtragende eines öden Films geworden zu sein. Stören wird's ihn nicht. Denn am Ende des Tages wird Bushido auch Zeiten ändern dich noch ein wenig reicher gemacht haben.
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