Wir sind die Nacht (2010)

Wir sind die Nacht (2010)

Oder: Germany's Next Top-Vampir

Wir sind die Nacht

"I love Rock'n'Roll!"

Die 20-jährige Berlinerin Lena (Karoline Herfurth) hat keine Arbeit und hält sich deshalb mit kleinen Diebstählen über Wasser. Bei einem ihrer letzten Raubzüge wird sie jedoch von dem Polizisten Tom Serner (Max Riemelt) verfolgt - sie kann ihm aber gerade nochmals entkommen. Als Lena es eines Abends zu Hause nicht mehr aushält, beschliesst sie, etwas in der Stadt herumzulaufen. Dabei gerät sie zufällig in eine Party, wo die blonde Louise (Nina Hoss) auf sie aufmerksam wird. Diese ist die Anführerin einer Vampirclique, der auch Nora (Anna Fischer) und Charlotte (Jennifer Ulrich) angehören. Die Chefin verliebt sich in Lena, weshalb sie die Diebin noch am selben Abend beisst.

Wir sind die Nacht

Praktisch: Das Blaulicht für unterwegs.

Das neuste Mitglied der Clique muss sich nun schnellstens ihrer neuen Rolle als Vampir bewusst werden, damit sie überleben kann. Dazu zählt auch das Trinken von Menschenblut, bei dem sie aber noch sichtliche Mühe hat. Um ihr das Vampirleben etwas zu erleichtern, erfüllt Louise ihr jeden Wunsch. Nur dumm, dass sich Lena in Tom verguckt hat, Louise aber dies nicht dulden kann und so alle in Gefahr bringt.


Kinofilm-Rating

Nachdem der Regisseur Dennis Gansel mit seinem letzten Film Die Welle auch über die Landesgrenzen Deutschlands Erfolg hatte, entschied er sich für die Realisation seines eigenen Drehbuchs, an welchem er 14 Jahren herumschrieb. Das Hauptthema: Vampire. Sein Film platzt nun genau in eine Zeit, in der beinahe ein Vampir-Overkill herrscht. Vielleicht wollte er aber auch jetzt nur auf der Erfolgswelle mitreiten. Dabei müsste eigentlich genau Gansel am besten wissen, dass "auf einer Welle mitreiten" nicht immer das Beste ist... Nichtsdestotrotz hat das deutsche Werk einiges zu bieten.

Vor allem atmosphärisch muss sich der Film vor anderen ähnlichen Werken nicht verstecken. Die düsteren Bilder gefallen und erinnern zuweilen auch etwas an Blade. Am Anfang ist sogar richtig Zug in der Story. Die Verfolgungsjagd zu Beginn ist dabei das erste Highlight - schade, dass nicht viele mehr dazukommen. Denn sobald das hässliche Entlein zum hübschen Vampir-Schwan wird, ist der Film vor allem im Mittelteil repetitiv: Es wird eingekauft, dann wird zu lauten Tönen gefeiert, und abgeschlossen werden diese Szenen immer mit denselben Bildern der nächtlichen Grossstadt. Nach der dritten Wiederholung hat man dies aber gesehen und möchte wieder etwas mehr Story haben anstatt des oberflächlichen Getues, welches eher an Germany's Next Top Model erinnert als an einen Vampirfilm.

Nina Hoss wirkt als Anführerin sogar etwas wie Heidi Klum, wenn sie mit Zuckerbrot und Peitsche versucht, das neuste Mitglied auf ihre Welt einzustellen. Hoss macht dies ganz gut, obwohl das Drehbuch ihr kein wirkliches Profil gibt. Karoline Herfurth, die den meisten wohl noch als Mirabellen-Mädchen aus Das Parfum in Erinnerung sein wird, schlägt sich wacker in ihrer Rolle als Neu-Vampirin und auch die Chemie zwischen ihr und dem Cop Max Riemelt stimmt. Die anderen beiden Damen der Clique lassen sich in total nervig (Anna Fischer) und zickig (Jennifer Ulrich) einteilen.

Das Problem bei Wir sind die Nacht sind weniger die Schauspieler, sondern dass der Film mit fortlaufender Dauer langsam in sich zusammenfällt. Es reihen sich Logikfehler an Logikfehler, dazu kommen unfreiwillig komische Szenen, und man beginnt zu merken, dass es an allen Ecken und Kanten fehlt. Der Soundtrack gefällt aber noch ganz gut, wobei dieser überdeutlich von The Dark Knight inspiriert wurde.

Fazit: Wir sind die Nacht beginnt stark, flaut dann im Mittelteil ab und enttäuscht zum Ende völlig mit seinem Schlusskampf. Das Ende wirkt dabei sehr abrupt, was auf einen zweiten Teil schliessen lässt. Die Bilder sind aber sehr gelungen, einige Einfälle sind toll (Mutter-Tochter-Beziehung der Zicke) und die Schauspieler sind ganz solide, weshalb Gansels Film schlussendlich im Mittelfeld der Vampirfilme der letzten Zeit landet.

3.7 Sterne
3.7 Sterne (14 Bewertungen) | 0 Kommentare

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29.10.2010 / crs