Wätterschmöcker (2010)

Wätterschmöcker (2010)

Oder: Siibe Wätterfrösch usem Muotathal

Wätterschmöcker

"De Schneemaa isch wäg!"

Das Wetter ist unberechenbar. Auch durch modernste Technik, Satellitenbilder und Computersimulationen kann man das Wetter nicht mit hundertprozentiger Sicherheit voraussagen. In der Innerschwyzerischen Bergregion gibt es einen "Meteorologischen Verein Innerschwyz" mit sieben Auserwählten, die es, mit ihrer eigenen originellen Methode auf Wetterzeichen zu achten, zu Wetterpropheten geschafft haben. Alle konzentrieren sich auf verschiedene Wetterzeichen aus der Tier- und Pflanzenwelt und der genauen Beobachtung von Wind- und Wolkenformationen.

Wätterschmöcker

"Nach em Räge schiint d'Sunne"

Die sieben Propheten haben Übernamen wie Schinner Peter, Tannzäpfler, Musers, Wettermissionar, Steinbockjäger, Sandstrahler und Geissdädy; alles Unikate, wie aus einer anderen Zeit. Ihre eigenwillige Lebenssicht ist gleichzeitig veraltet, und trotzdem hat es sich bewährt. Der Film begleitet sie im Kreis der Jahreszeiten. Stück für Stück offenbart sich ihre Lebensweisheit.


Kinofilm-Rating

Thomas Horat, der Regie führte, und seine Partnerin Salome Pitschen, die als Produzentin, Kamerafrau und Cutterin den Look den Films prägte, mussten bei ihrem Wätterschmöcker viel Geduld und Spürsinn beweisen. Seit 2003 schrieb Horat schon am Drehbuch, ohne grosse finanzielle Unterstützung zu erhalten. Bei einem zweiten Anlauf ab 2007 gelang es ihnen, doch noch einen umfassenden, tief- und "hochgründigen" Dok-Film zu Ende zu bringen - aus 100 Stunden Filmmaterial. Der Film wurde auch von den mitwirkenden Persönlichkeiten, den Wetterpropheten oder Wätterschmöcker, abgesegnet.

Es ist ein unnachahmlicher Film mit einzigartigen Persönlichkeiten. Ihre Ruhe, aber auch ihr Witz spiegelt sich in der Bergkulisse und den unberechenbaren Wetterphänomenen, die ihren eigenen Willen, aber auch ihre versteckten Gesetzmässigkeiten zu haben scheinen. Mit der atmosphärisch passenden Musik der schwyzerischen Ländler-Band "Hujässer" entsteht eine Erkundungsreise durch die Innen- und Aussenwelt der Ur-Schweiz. Ein noch von der Moderne unberührter Ort der Urkräfte, wo man sich über den Stress und die Hysterie der "Schriftgelehrten-Städter" wundert.

Die Trefferquote einiger "Wetterfrösche" soll hoch liegen, doch eigentlich sind die halbjährigen Langzeit-Prognosen nur ein Nebenprodukt ihres Lifestyles: Ständig im natürlichen Rhythmus und inmitten der Natur leben. Viele kuriose und originelle Naturbeobachtungen kommen dabei zum Vorschein. Der Muotathaler Dialekt würzt noch das Ganze, so dass man nie weiss, wie ernst sie ihre Prophezeiungen nehmen. Ein gesunder Wettbewerb und eine einigermassen seriöse Überprüfung ihres Wetterberichtes durch den "Meteorologischen Verein Innerschwyz" macht das Ganze noch spannender. Als Protokollführer des Wettervereins hatte Thomas Horat so einen direkten Draht zu den Stars des Films.

Fazit: Ein Film mit einer klaren Ruhe in sich. Man wird das Wetter nie mehr so sehen wie bisher und von der Weisheit der Tannenzapfen und den Gämsen eine Ahnung kriegen. Im Wetterverein sind im Moment aber leider nur Männer, doch manche Hausfrau soll dort auch ihre Vorahnungen haben. Mit Einfühlungsvermögen und Scharfsinn wird nicht nur die geheimnisvolle Landschaft des Muotathal porträtiert, sondern auch die lustige Sprachakrobatik des innerschweizerischen Ur-Dialekts. Gott sei dank gibt es deutsche Untertitel!

5.0 Sterne
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09.06.2010 / dap