Teenage Paparazzo (2010)

Teenage Paparazzo (2010)

Oder: Ein Junge als Scharfschütze

Der bekannte amerikanische Schauspieler Adrian Grenier sieht sich ständig mit Paparazzi konfrontiert, seit er in der erfolgreichen Serie Entourage einen bekannten amerikanischen Schauspieler spielt, der sich ständig mit Paparazzi konfrontiert sieht. Grenier hat sich mit dieser Nebenwirkung des Ruhms arrangiert, ohne sie zu gross zu hinterfragen. Jedenfalls bis zu diesen Abend, als ihn der 13-jährige Nachwuchsknipser Austin blitzlichtgewittert.

Grenier ist von Austins Auftritt so sehr beeindruckt, dass er hinter die Fassade des Jungen sehen will. Dafür greift er selbst zur (Film-) Kamera und fängt an, ihm auf Schritt und Tritt zu folgen. Es stellt sich heraus, dass Austin nicht nur bestens vernetzt ist, sondern mit seinem zarten Alter und seinem kecken Auftreten einen Sonderstatus bei den Celebrities geniesst. Mit der fortwährenden Beobachtung und zusätzlicher Feldforschung erschliessen sich Grenier die Abläufe des Geschäftes, welche er sogleich instrumentalisiert, indem er selbst als Paparazzi auf Fotojagd geht und mit Paris Hilton ein Date inszeniert.


Film-Rating

Wir alle sehen uns in den Medien täglich mit Fotos von Paparazzi konfrontiert. Wie es jedoch ist, mit den Paparazzi selbst konfrontiert zu sein, zeigt uns Adrian Grenier in seiner überaus aufschlüssigen Dokumentation. Als Aufhänger sieht dieser Austin, der geradezu besessen davon ist, Bilder von A-Promis zu schiessen. Dafür verfolgt er sie auch mal mit dem Taxi durch die Strassen von Los Angeles.

Anstatt einfach dem Jungen zu folgen, bezieht Grenier jedoch von Anfang an weitere Standpunkte mit ein. Als Berühmtheit hat er ziemlich niederschwellig den Zugang zu Leuten wie Paris Hilton, Eva Longoria oder Matt Damon, die schlüssig ihre Auffassungen und Erlebnisse kundgeben. Was überrascht, ist die daraus hervorgehende Tatsache, dass sie die Paparazzi keineswegs nur als lästige Mitesser ansehen. Im Wissen, dass die Fotos den Bekanntheitsgrad und damit auch den eigenen Marktwert erhöhen können.

Im Laufe der Dokumentation erweitet Grenier zusehends den Radius: Er gräbt tiefer und legt das Verwertungssystem frei. Während dieses Prozesses ergründet er auch die Psyche des "Endkunden" - schliesslich treibt die Nachfrage diese Millionenmaschinerie erst an, und diese beruht auf unserem simplen sozialen Wunsch, mit einer schönen und berühmten Person unmittelbar verbunden zu sein.

Grenier erarbeitet damit eine Tiefenschärfe, die man dem Film anfänglich nicht zutrauen würde. Mit seinem "Date" mit Paris Hilton zeigt er zudem schlüssig ein Beispiel auf, wie die Mechanismen ablaufen. Und seinem Hauptprotagonisten Austin führt er gleich noch mittels des Films vor Augen, dass seine Halbwertszeit als Teenage Paparazzo limitiert ist und danach eine unklare Zukunft auf ihn zukommt. Der Junge kapiert's - Kunststück, ist Greniers Doku doch grossartig gelungen.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.05

 

03.10.2010 / uas

Community:

Bewertung: 5.0 (3 Bewertungen)

 

 

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