Film Socialisme (2010)

Film Socialisme (2010)

Oder: Das Traumschiff mit Jean-Luc Godard

Film Socialisme

Das ZDF freut sich auf Traumquoten.

Ein Schiff fährt durchs Mittelmeer. Das Wetter ist schön, die Stimmung an Bord super. Die Destinationen sind: Ägypten, Griechenland, Neapel, Barcelona und auf zauberhafte Weise auch Odessa, das eigentlich am Schwarzen Meer liegt. Neben den gutbürgerlichen Pauschaltouristen interessiert uns vor allem Herr Goldberg (Jean-Marc Stehlé), ein Alt-Nazi mit seiner blutjungen Begleitung. Für die Bordunterhaltung sorgt eine Sängerin (Patty Smith).

Eine Tankstelle im Schweizer Hinterland. Ein Kamerateam des französischen Regio-Senders FR3 (Élisabeth Vitali, Eye Haidara) besucht die Betreiberfamlie, die gerade einen politischen Disput ausführt. Der kleine Lucien (Quentin Grosset) trägt dabei gerne ein rotes Shirt mit dem Logo der Sowjetunion und dirigiert fiktive Orchester. Ausserdem stolzieren ein Lama und ein Esel um die Zapfsäulen.


Kinofilm-Rating

Die Filmkritiker in Cannes waren sich einig: Regelgerecht rezensieren lassen sich die jüngeren Werke von Jean-Luc Godard eigentlich nicht. Entweder man checkt sie, schmunzelt vielleicht das eine oder andere Mal, versucht die vorgetragenen Thesen zu durchschauen oder man lässt es gleich ganz bleiben. Man darf einfach keine erzählerische Struktur erwarten, und Hilfe vom Regisseur schon gar nicht. Statt eines Abspanns hiess es am Ende von Film Socialisme in grossen Lettern schlicht "No Comment".

Dafür kriegt man drei Filme in einem. Der erste, "Things such as" glänzt mit eindrücklichen HD-Bildern einer Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer, wenn nicht gerade die Schiffsdisco im Bild ist, die wie von einer Handy-Kamera gefilmt wirkt. Im mittleren Teil, der am ehesten an einen Spielfilm erinnert, wird die Frage "Quo vadis, Europa?" von Kindern und Teenagern erörtert. Im letzten, ermüdendsten Teil "Humanities" werden nur noch Filmfetzen und Schrifttafeln aneinander gereit, als hätte Martin Tupper aus Dream On einen intellektuellen Traum.

Einen Reim darauf muss man sich selber machen. Sogar die Untertitel sind rudimentär. Wer kein Franz versteht, muss nur mit Stichworten auskommen. Der Regisseur will keine Verben und keine Artikel. Irgendetwas Spannendes findet aber jeder in Film Socialisme. Meine Lieblingszeilen sind "Hollywood - Das Mekka des Films. Alles schauen in dieselbe Richtung. Dabei wurde es von den Juden erfunden." Die Rockerin Patty Smith soll irgendwo auch noch auftauchen. Ich habe sie verpasst, dafür einmal einen Kleber mit dem Xamax-Logo im Hintergrund entdeckt. Neben den Steckdosen mit den drei Löchern das einzige Anzeichen, dass es sich bei Film Socialisme um einen Schweizer Film handelt.

2.7 Sterne
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26.05.2010 / rm