Season of the Witch (2010)

Season of the Witch (2010)

Oder: Paketbestellung des Bösen

Season of the Witch

"Hat einer mal einen Wagenheber?"

Die Welt des 14. Jahrhunderts: Jahrelang haben die Ritter Behmen (Nicolas Cage) und Felson (Ron Perlman) Seite an Seite für die Kirche gekämpft. Doch eines Tages massakrieren sie und ihre Truppe auf heiligen Befehl Zivilisten. Behmen erkennt, dass er der mörderischen Kirche so nicht mehr dienen kann. Er und Felson desertieren und machen sich auf den langen Weg zurück ins heimische Europa. In der ersten Stadt, in der sie rasten, wütet wie überall die Pest. Als Behmen und Felson sich wieder auf den Weg machen möchten, entgleitet einem Knappen Behmens eingehülltes Schwert.

Season of the Witch

"Da kann man super Picknick machen!"

Die bis dahin freundlichen Gastgeber erkennen am gravierten Wappen, dass die Fremden Deserteure sind und lassen sie verhaften. Doch der örtliche Kardinal (Christopher Lee) beordert die beiden an sein Sterbebett. Der Geistliche erzählt den Rittern, dass eine junge Hexe (Claire Foy) verhaftet worden ist, die für das Ausbreiten der Pest verantwortlich ist. Wenn die Ritter das Mädchen in die Abtei Severac bringen, wo sie ein Prozess erwartet, dann hebt er ihre Schuld als Deserteure auf. Widerwillig lenken Behmen und Felson ein und machen sich mit einem Konvoi auf die Reise nach Severac. Doch diese birgt Tücken und Gefahren.


Kinofilm-Rating

Pauline Kael hat geschrieben: "Filme sind so selten grosse Kunst, dass, wenn wir grossartigen Trash nicht zu würdigen wüssten, es kaum einen Grund gäbe, überhaupt an Kino interessiert zu sein." In diesem Sinne ist Season of the Witch ein ausserordentlich interessanter Film. Nicolas Cage tritt hier wieder einmal so auf, als ob er die Worte "Understatement" und "subtil" noch nie im Leben gehört hätte. Doch gerade sein übertriebener Hundeblick und seine überschwängliche Entschlossenheit geben dem Film Witz, wenn auch eher unfreiwillig.

Unfreiwilliger Witz ist insgesamt eine Hauptcharakteristik des Streifens. Dumme Sprüche, unwahrscheinliche Handlungsstränge und komisch-fiese Kreaturen machen Season of the Witch zu einem unterhaltsamen, überteuerten Trash-Film. Schön sind viele formale Elemente: die Landschaften, die Architektur, die Kostüme, die Maske, die Spezialeffekte und stellenweise die Kameraführung. Auch die Nebendarsteller sind hervorragend ausgewählt. Sie sind glaubwürdig und eindrücklich.

Problematisch ist allerdings das Sprachregister des Films. Oder besser gesagt: die Sprachregister. Denn der Drehbuchautor Bragi F. Schut konnte sich offensichtlich nicht entscheiden, ob er seinen Dialogen einen altertümlichen Touch oder einen modernen geben sollte. Und so schwankt es immer zwischen grandiosen Sätzen und Reden, die an Minnegesang erinnern, und herkömmlich-modernen Sprüchen, in denen Ärsche gerettet werden müssen. Das nimmt dem Film Elan. Beim Sehen stolpert man regelmässig über diese Diskrepanzen.

Das Ende des Films ist, ohne zu viel zu verraten, eher enttäuschend. Der Twist ist tatsächlich überraschend, doch schnell stellt sich die Frage ein, ob der Film überhaupt angemessen getitelt ist. Die letzten Sätze stimmen nicht mit der Figur, die sie sagt, überein und grenzen schon fast an das, was bei Imbd in der Goofs-Abteilung unter "Plot hole" fällt.

Auf der "Grossartiger-Trash-Skala" würde dieser Film sechs Sterne verdienen. Als unterhaltsamer, seichter Horrorfilm mit komödiantischen Elementen kriegt er insgesamt dreieinhalb. Besonders witzig, wenn man gerne über Nicolas Cage lacht, aber nicht unbedingt ein Must-see der Saison.

2.4 Sterne
2.4 Sterne (42 Bewertungen) | 8 Kommentare

3.53.5
20.03.2011 / aru