Robin Hood (2010)

Robin Hood (2010)

Oder: Sind wir schon im Sherwood Forest? - Nö, komm in 2 Stunden noch einmal.

Robin Hood

Hände weg von meinem Znüni!

Frankreich, 1199: König Richard (Danny Huston) ist von seinem Kreuzzug zurückgekehrt und plündert sich durch Frankreich. Als der König im Kampf fällt, verlassen der Bogenschütze Robin Longstride (Russell Crowe) und seine Mitstreiter Will (Scott Grimes), Allan (Alan Doyle) und Little John (Kevin Durand) die Armee, um endlich nach England zurückzukehren. Unterwegs stossen sie auf den sterbenden Ritter Robert Loxley (Douglas Hodge), der die Aufgabe hatte, Richards Krone nach London zu bringen und deswegen vom Verräter Sir Godfrey (Mark Strong) in einen Hinterhalt gelockt wurde. Bevor er stirbt, gibt er seine Mission an Robin weiter und bittet ihn auch darum, sein Schwert seinem alten Vater nach Nottingham zu bringen.

Robin Hood

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Eigentlich hat Robin überhaupt nicht vor, dieser Bitte nachzukommen. Eine Inschrift am Griff des Schwertes kommt ihm jedoch seltsam vertraut vor, weshalb er doch nach Nottingham reist, das unter der Knute des fiesen Sheriffs (Matthew MacFadyen) und den hohen Steuern des geldgierigen König John (Oscar Isaac) leidet. Robin kommt dem alten Lord Loxley (Max von Sydow) dann auch gerade recht, und so macht er ihm einen aberwitzigen Vorschlag: Robin soll sich für seinen Sohn Robert ausgeben und den Gutsbesitz so retten. Roberts Witwe, die stolze Marian (Cate Blanchett), ist davon gar nicht begeistert.

Was niemand ahnt: Sir Godfrey hat sich mit den Franzosen verbündet und nutzt die Unruhen in England, um eine Invasion zu planen. Nun liegt es an Robin und seinen Freunden, die Eroberer zurückzuschlagen.


Kinofilm-Rating

Man kennt ihn als lächelnden Abenteurer und Retter der Armen, als freches Füchsli oder als Filmstar mit amerikanischem Akzent. Robin Hood - den Mann mit Pfeil und Bogen kennt man einfach. Und wenn's schon eine Figur gibt, die mindestens so berühmt ist wie der Samichlaus, der Osterhase oder Darth Vader, dann ist es nur recht, wenn ihr auch Regie-Altmeister Ridley Scott ein filmisches Denkmal setzt. Dass Russell Crowe die Hauptrolle übernimmt, ist ja fast klar, die beiden haben immerhin mit Gladiator wortwörtlich Film-Historie geschrieben und seitdem wiederholt erfolgreich miteinander gearbeitet.

Eines vorweg: Robin Hood ist nicht Gladiator. Der Vergleich mit dem bahnbrechenden Sandalenepos kommt nicht von ungefähr. Denn sind wir einmal ehrlich, fragen wir uns nicht schon seit Ankündigung dieses Filmes, ob Scott und Crowe denselben Coup noch einmal schaffen, wenn sie sich wieder in historisch-epische Gefilde wagen? Diese Neuauflage des Robin-Hood-Mythos ist mit grosser Kelle angerührt, zeigt aufwändige Schlachten, tolle Effekte, politische Intrigenspiele und einen beherzten Helden; derart neu und umwerfend wie das Schicksal von Maximus ist die Geschichte von Robin Longstride aber leider nicht.

Nicht, dass der Film schlecht wäre. Denn - und das muss man ihm hoch anrechnen - in dieser Version wird endlich mal etwas Neues probiert. Ob das Ganze historisch korrekt ist, ist wohl zu bezweifeln, auch wenn man sich bei den Details grosse Mühe gegeben hat, etwa indem Robin und seine Merry Men keine Strumpfhosen tragen (die gab's anno dazumal nämlich gar noch nicht). Anstatt denselben allbekannten Käse erneut anzurichten, setzt der Film stattdessen viel früher an. Die Idee, die "Geschichte hinter der Legende" zu erzählen ist nicht neu, doch hier hat sie ihre Berechtigung: Denn erzählt wird nicht die bekannte Geschichte von Robin und seinen Gefährten im Sherwood Forest, sondern, wie Robin überhaupt dort gelandet ist - und sie endet auch da, wo die meisten Robin-Hood-Erzählungen überhaupt erst einsetzen.

Dass Robin Hood eine Art Prequel geworden ist, bringt frischen Wind in den Robin-Hood-Einheitsbrei. Schade ist jedoch, dass man nicht mehr vom frechen Räuber aus dem Wald zu sehen bekommt. Dies liegt teils an der ernsten Auslegung des Charakters: Robin ist zwar ein anständiger, liebenswerter Mann, erscheint aber derart demütig und ehrenhaft, dass er fast blass wirkt. Highlights sind jeweils die kurzen Szenen, in denen der bekannte, gewitzte Robin aufblitzen darf; dies hauptsächlich, wenn er auf Cate Blanchetts taffe (tolle!) Marian trifft oder mit seinen Freunden auftritt - davon hätte man gerne mehr gesehen. Fast könnte man in Versuchung kommen, auf eine Fortsetzung zu hoffen, nur um mehr solcher Szenen zu sehen.

Erneut zeigen Scott und Crowe ihre Liebe für Geschichte, Schlachtenepen und politische Intrige. Herausgekommen ist ein tadellos inszeniertes Plädoyer für Freiheit und Selbstbestimmung. Nur auf der emotionalen Ebene schwächelt der Film ein bisschen, als hätte man trotz der langen Spielzeit nicht die Zeit für Freundschaften oder eine ausführlichere Liebesgeschichte gehabt. Schade, denn gerade dies hätte den Film sehr gut werden lassen. So wird der Film zwar nie langweilig, läuft jedoch eher langsam an und packt die Zuschauer nicht so, wie es andere Robin-Hood-Filme schaffen.

4.0 Sterne
4.0 Sterne (117 Bewertungen) | 12 Kommentare

4.54.5
12.05.2010 / pps