Rabbit Hole (2010)
Rabbit Hole (2010)
Oder: Ein Paar auf unterschiedlichen Wegen durch die härteste Zeit seines Lebens...
Becca (Nicole Kidman) und Howie (Aaron Eckhart) haben vor acht Monaten ihren kleinen Sohn bei einem Autounfall verloren. Damals wurde ihre glückliche Welt aus den Angeln gehoben, und sie versuchen seither, wieder zurück zur Normalität, zurück zur Lebensfreude zu finden. Beide jedoch auf unterschiedliche Art und Weise: Becca verschliesst sich, sie sperrt sich gegen das Vertraute und damit verbundene Erinnerungen, denn sie findet nur Schmerz darin. Wohingegen Howie genau hier Trost sucht.
Auch Beccas Familie wird zusehends auf eine harte Probe gestellt, denn sie nimmt deren Hilfestellung, sei es die von ihrer Mutter Nat (Dianne Wiest) oder diejenige ihrer Schwester Izzy (Tammy Blanchard) nicht an, und ihre zum Teil unkontrollierten Gefühlsausbrüche wirken zuweilen verletzend auf sie. Izzys plötzliche Schwangerschaft vereinfacht die Situation natürlich auch nicht. Am meisten belastet wird jedoch die Beziehung zwischen dem Paar Becca und Howie. Ihre gegensätzliche Art der Trauerbewältigung treibt einen Keil zwischen sie. Und je mehr Zeit vergeht, desto stärker entfernen sie sich voneinander.
Kinofilm-Rating
Was erwartet man in der Regel bei einem Film mit dieser oder einer ähnlichen Thematik? Melancholie, Verzweiflung, Selbstaufgabe, Tränen,... In Rabbit Hole geht es um den Verlust eines Kindes; mit das Schlimmste, was einem Menschen widerfahren kann, und genannte seelische Qualen sind auch hier zentral. Und doch ist der Film speziell. Menschen sind auch in den härtesten Momenten ihres Lebens noch zu Heiterkeit und Humor fähig, und der Film spart diesen Aspekt nicht aus.
Regisseur John Cameron Mitchell (Shortbus), bislang eher durch schrille, bissig-provokante Werke bekannt, verfilmt hier das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Bühnenstück von David Lindsay-Abaire. Ihm ist ein sehr schöner Film gelungen, der dem traurigen Schicksal der Protagonisten in jeder Sekunde Tribut zollt, der zum Nachdenken anregt aber trotzdem hell und ruhig in seinen Grundzügen bleibt.
Das Paar im Film verarbeitet den Tod seines Sohnes auf gegensätzliche Art und Weise. Die Trauerarbeit von Becca besteht vor allem aus Verdrängung, zum Teil bewegt sie sich nahe am Selbstzerstörerischen, am tiefen Fall in das titelgebende "Rabbit Hole". Auch verhält sie sich für ihre Angehörigen immer wieder verletzend. Howie hingegen findet Trost in der Erinnerung, im Vertrauten.
Jede Art der Verarbeitung hat ihre Berechtigung und wird im Film entsprechend mit Würde behandelt. Die Kamera begleitet die Protagonisten zurückhaltend, aber direkt durch ihr Wechselbad der Gefühle. Die Inszenierung und das hervorragende Spiel des Ensembles lassen auch den Zuschauer diese Wechselbäder mitfühlen, sei es in dramatischen, schmerzhaften Szenen von grosser Intensität, Momenten der Entspannung oder eben auch der Heiterkeit. Dieses "Miterleben" macht den Film fesselnd und kurzweilig.
Wenn ein Werk dieser Art funktionieren soll, dann steht und fällt es mit seinem Ensemble. Nicole Kidman (The Hours) und Aaron Eckhart (The Dark Knight) tragen den Film mit ihrem differenzierten, eindringlichen Spiel ganz hervorragend. Kidman überrascht zudem durch ihre Natürlichkeit, wenn man bedenkt, was in letzter Zeit im Boulevard von ihr zu sehen und zu lesen war. Ihrem schauspielerischen Können hat dies ja indes keinen Abbruch getan, was die Oscar-Nominierung für Rabbit Hole beweist. Aaron Eckhart zeigt ebenfalls einen weiteren Beweis seines grossen Könnens. Für schauspielerische Qualität stehen auch Dianne Wiest (Bullets over Broadway) und Tammy Blanchard (Cadillac Records).
Fazit: Rabbit Hole ist ein mitreissender Film zu einem traurigen und ernsten Thema, getragen von einem überzeugenden Cast. Der Inszenierung gelingt es, den Zuschauer durch den zurückhaltenden aber trotzdem direkten Blick auf die Figuren am Geschehen teilnehmen zu lassen. Niemals die Ernsthaftigkeit der Geschichte ausser Acht lassend, lässt sie aber auch hin- und wieder etwas durchschimmern, was ebenfalls seinen berechtigten Platz bei der Trauerverarbeitung hat. Nämlich Heiterkeit und Humor. Dieser Aspekt macht den Film zu etwas Besonderem.
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4.5 Sterne (15 Bewertungen) | 1 Kommentar



