R U There (2010)

R U There (2010)

Oder: Vom Ballergamer zum Naturburschen

R U There

Realität...

Jitze (Stijn Koomen) ist ein professioneller Quake-Gamer und reist als solcher mit seinem Team rund um die Welt, um an Turnieren teilzunehmen. So verschlägt es ihn auch nach Taipeh, um dort um Ruhm und Ehre und natürlich auch um ein sattes Preisgeld zu gamen. Doch eine plötzlich auftretende Schulterverletzung macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Nachdem er deswegen im Einzelwettbewerb vorzeitig ausgeschieden ist, wird er von seinem Coach Luc (Tom de Hoog) für den Teamwettkampf durch einen anderen Spieler ersetzt.

R U There

...und virtuelle Realität.

So hat er also in der unbekannten Stadt massenhaft Zeit totzuschlagen. Eines Tages lernt er im Hotel die hübsche Min Min (Han-Ru Ke) kennen, die sich bereit erklärt, ihm gegen ein kleines Entgelt die Schulter zu massieren. Jitze fühlt sich zu der Frau hingezogen und besucht sie kurz darauf wieder. Sie verrät ihm, dass sie zur Entspannung gelegentlich auf Second Life eine virtuelle Identität annimmt. Also meldet er sich später ebenfalls auf dem Portal an und trifft dort bald auf Min Min, die ihn an einige schöne virtuelle Orte mitnimmt. Dies setzt in ihm neue, zuvor nicht gekannte Bedürfnisse frei.


Kinofilm-Rating

Regisseur David Verbeek hatte mit R U There das Ziel, die erste Generation zu porträtieren, die vollständig mit der virtuellen Welt aufgewachsen ist, so dass diese für sie eine Selbstverständlichkeit darstellt. Und dies ist ihm in erfreulich differenzierter Weise gelungen. Denn im Unterschied zu vielen thematisch ähnlich gelagerten Filmen stellt er die Parallelwelt nicht einfach als dunkle, böse Bedrohung dar. Ja, der Protagonist, ein doch eher gefühlskalter Gamer, findet sogar erst dank Second Life wieder zurück zur Natur und zurück zum Menschsein. Ein interessanter Ansatz.

Zuerst wird aber ein ebenfalls spannender Einblick in die Welt des Profi-Gamens gegeben. Diese Game-Contests funktionieren nämlich wie grosse Sportevents: Es gibt Teams mit Coaches, welche die Taktiken erläutern; es gibt mitfiebernde und anfeuernde Zuschauer; es gibt für ihr junges Alter wahrscheinlich etwas zu gut verdienende "Sportler"; und es gibt - wie im Fall von Protagonist Jitze - auch Verletzungen. Und damit kommt dann die grosse Leere. Stijn Koomen spielt überzeugend den gelangweilten Gamer, der mit seinem Leben ausserhalb Quake nichts anzufangen weiss - bis er die Frau trifft, die ihm eine Welt ausserhalb der seinigen zeigt und mit deren Hilfe er die Natur wiederentdeckt.

R U There macht vieles richtig, denn der Film vermeidet jegliche überstürzte und vereinfachte Gesellschaftskritik, die bei solchen Themen nahe liegt. Der Film bleibt unspektakulär und ist gerade deshalb überzeugend - bis auf den Schluss, der zwar einerseits nicht unpassend ist, andererseits aber die Schlussfolgerung nahelegt, dass das Annehmen von virtuellen Realitäten halt trotzdem "irgendwie gefährlich" und deshalb etwas durchwegs Ungutes sei. Ein wenig schade ist dies schon - denn offenbar wird die Generation, die hier porträtiert wird, doch einmal mehr unterschätzt. Man scheint ihr nicht zuzutrauen, die potenziellen Gefahren selbst zu erkennen, die die Virtualität mit sich bringt.

4.3 Sterne
4.3 Sterne (2 Bewertungen) | 0 Kommentare

4.54.5
26.05.2010 / ebe