R (2010)

R (2010)

Oder: Hinter dänischen Gardinen

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Ab jetzt sind wir die Men in White

Zwei Jahre hat Rune (Johan Philip Asbæk) gekriegt, weil er einen Mann niedergestochen hat. Jetzt ist er im härtesten Knast von Dänemark und ganz unten in der Gefängnishierarchie gelandet. Dort sind seine Mitinsassen zweimal so gross wie er und zehn Mal so brutal. Sogar die Wächter äussern ihre Bedenken. Als Rune seine armspannenbreite Zelle bezieht, wird er sogleich in die Mangel genommen und muss seine Matratze an Mureren (Roland Møller) abgeben. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als auf einem nackten Holzbrett zu schlafen.

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Liebe Oma, vielen Dank für die Ü-Eier!

Rune hat es gerne sauber und ordentlich, was von den anderen Häftlingen natürlich nicht unbemerkt bleibt. Sie zwingen ihn, ihre Zellen ebenfalls zu putzen, und als Gegenleistung erhält er dafür die verunstalteten und verschmierten Fotos seiner Freundin wieder zurück. Dennoch muss er ständig um sein Leben fürchten, da die Freunde des von ihm Getöteten im selben Gefängnis sitzen. Erst als er einem Araber die Vorderzähne ausschlägt, ist er fürs erste sicher.

Wie in jeder Strafvollzugsanstalt voller schwerer Jungs wird auch hier mit Drogen gehandelt. Doch es läuft nicht alles, wie es sollte. Rune und Rashid (Dulfi Al-Jabouri) - das zweite "R" - beweisen jedoch eine gewisse Strassenschläue und können die Probleme des Transports von einem Trakt in den anderen lösen. Damit verschafft sich Rune wieder etwas Respekt, erhält seine Matratze zurück und kann sogar in eine Zelle mit Morgensonne wechseln. Die Sonnenseiten des Knastlebens kann Rune jedoch nicht lange geniessen, und bald tauchen neue, grössere Schatten auf.


Kinofilm-Rating

R wie Roland Møller: Der Ex-Sträfling Roland Møller, der die Figur des Mureren spielt, hat mit seinen Erfahrungen im Horsens-Staatsgefängnis die Grundlagen für das Drehbuch von Tobias Lindholm und Michael Noer geliefert. Lindholm und Noer führen dann auch gleich selbst Regie und gaben damit nach Kurz- und Dokumentarfilmen ihren Einstand bei den Spielfilmen.

R wie radikal: Die beiden Regisseure gehen nicht gerade zimperlich mit den Zuschauern um und zeigen uns radikal alles. Wenn es das erste Mal zum Kampf Mann gegen Mann kommt, weiss man, hier wird mit harten Bandagen ums nackte Überleben gekämpft. In diesem Zusammenhang könnte das "R" auch für "R-Rated" (MPAA-Rating) stehen. Denn der Film ist sicherlich nichts für Zartbesaitete.

R wie Rollen: Die meisten Rollen wurden von Laiendarstellern gespielt, die selbst schon im Gefängnis sassen oder dort arbeiteten. Dies erhöht den Realitätscharakter natürlich ungemein. Auch die übrigen, professionellen Schauspieler zeigen eine überzeugende Leistung und verleihen ihren Figuren in jeder Situation etwas Glaubhaftes und Menschliches.

R wie Repetition: Die Geschichte erinnert leider über weite Strecken an jene von Un prophète. Da jene von R allerdings auf wahren Ereignissen beruht, ist dies wohl nicht der mangelnden Kreativität von Lindholm und Noer zuzuschreiben. Zudem vermag R im letzten Drittel mit einem spannenden Twist aufwarten, der alles nochmals ändert.

R wie Resümee: Tobias Lindholm und Michael Noer nehmen den Zuschauer in ihrem ersten Spielfilm auf eine unangenehme, beklemmende und brutale Reise in ein dänisches Gefängnis mit. Das Schauspielerensemble, das zu grossen Teilen aus tatsächlichen Ex-Sträflingen und Ex-Wächtern besteht, verleiht dem Film zudem ein fast schon beängstigendes Mass an Authentizität.

5.2 Sterne
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03.10.2010 / mab