Les petits mouchoirs (2010)
Kleine wahre Lügen
Les petits mouchoirs (2010) Kleine wahre Lügen
Oder: Sch...öne Ferien
Nach einer wilden Partynacht beschliesst der lebenslustige Ludo (Jean Dujardin), noch auf sein Motorrad zu steigen und damit heimzufahren. Ein Fehler, denn nach nur wenigen Minuten wird er von einem Lastwagen erfasst und muss deshalb mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Als seine Freunde von dem Unfall erfahren, machen sie sich sofort auf, um Ludo im Spital zu besuchen. Der Zeitpunkt ist jedoch für alle ungünstig, denn die alljährlichen Ferien im Strandhaus von Restaurantbesitzer Max (François Cluzet) stehen vor der Tür und man möchte nicht darauf verzichten.
Nachdem man sich untereinander abgesprochen hat, beschliesst man, trotzdem in die Ferien zu fahren, da man nicht damit rechnet, dass Ludo in den nächsten zwei Wochen ansprechbar sein wird. Angekommen am Zielort scheint alles so wie immer zu sein. Man hat Spass, blödelt herum und trifft alte Freunde. Doch schon bald treten erste Spannungen innerhalb der Freundesgruppe auf, die nur darauf warten, entladen zu werden.
Kinofilm-Rating
Marion Cotillard, François Cluzet, Benoît Magimel, Jean Dujardin: In Les petits mouchoirs versammeln sich die Grössen des französischen Kinos. Ein tolles Ensemble, welches die dritte Regiearbeit von Guillaume Canet zu einem Boxoffice-Hit in Frankreich machte. Ob der Film dies auch in der Schweiz wird, muss die Zukunft zeigen, aber verdient hätte er es allemal. Trotz einer Länge von 154 Minuten ist das Werk Schauspielerkino auf allerhöchstem Niveau und keine Minute langweilig.
Das Thema Freundschaft und ihre Zerbrechlichkeit wurde schon oft thematisiert, aber Canet nutzt seine Vielzahl an Figuren und vor allem die Laufzeit, um jede einzelne Person exakt zu zeichnen und ihre Taten für die Zuschauer verständlich zu machen. Dabei springt er leichtfüssig zwischen den freundschaftlichen Brandherden hin und her, ohne dabei ein Problem zu vernachlässigen. Zusätzlich bringt er das Kunststück fertig, trotz der leicht geladenen Stimmung so etwas wie Ferienstimmung aufkommen zu lassen.
Einen Sommerfilm kann man Les petits mouchoirs, trotz des meist schönen Wetters, nicht nennen. Zwar gibt es immer wieder etwas Auflockerung durch kleine humoristische Einlagen, doch diese nehmen nie Oberhand, denn die Figuren liegen Canet zu sehr am Herzen, als dass er sie zu (Aus-)Lachobjekten machen würde. Seine Darsteller belohnen dies mit sensationellen Leistungen: Da fällt niemand ab und es wäre unfair, einen von ihnen hervorzuheben - toll sind sie alle.
Zu sechs Sternen reicht es dem Film aber am Ende doch nicht. Der Griff in die Klischeekiste konnte an ein paar Stellen nicht verhindert werden, und am Schluss wird etwas gar dick aufgetragen. Viele werden wohl vor dem Kinobesuch Respekt vor der Länge haben, denn man könnte hier leicht auf Überlänge schliessen. Doch gerade die Spielzeit von über zweieinhalb Stunden stellt sich als eine der grössten Stärken des Filmes heraus.
Fazit: Wer genug hat vom gross angelegten Blockbustersommerkino, findet in Les petits mouchoirs die willkommene Abwechslung. Realistisch wird ein Freundschaftkreis gezeichnet, der an den Lügen jedes einzelnen zu zerbrechen droht. Dank des tollen Schauspielerensembles und der ruhigen Inszenierung geht der Film nahe und unterhält auch über die Lange Spielzeit ohne Probleme.
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4.9 Sterne (16 Bewertungen) | 1 Kommentar



