La pecora nera (2010)
La pecora nera (2010)
Oder: Einer flog über das Poschtiwägeli
Das ländliche Italien in den Siebzigerjahren: Nicola (Luigi Fedele) ist das jüngste von drei Kindern eines einfachen Schafhirten. Die Mutter ist schwer krank und liegt in einer psychiatrischen Anstalt, von seinen beiden älteren Brüdern wird er meistens gehänselt. Grossgezogen wird er hauptsächlich von seiner rustikalen Grossmutter. Der träumerische und eigenbrötlerische Junge ist ein Aussenseiter in der Familie, schlecht in der Schule und wird von seiner Lehrerin als "Schwarzes Schaf" bezeichnet. Eines Tages wird er von seiner Familie in die Anstalt abgeschoben, in der seine Mutter unterdessen gestorben ist, wo er fortan aufwächst.
30 Jahre später: Nicola (Ascanio Celestini) lebt noch immer in der Anstalt. Zusammen mit Ascanio (Giorgio Tirabassi), der die ganze Zeit von Sex quasselt, besteht sein Tagesablauf hauptsächlich darin, mit der leitenden Nonne den Einkauf zu machen. Bis er dort Marinella (Maya Sansa) wiedertrifft, seine grosse Liebe aus Kindheitstagen. Emotional aufgewühlt, muss er sich nun nicht nur mit seinen Gefühlen, sondern auch mit dunklen Ereignissen in seiner Kindheit auseinandersetzen.
Kinofilm-Rating
Mit La pecora nera hat das italienische Multitalent Ascanio Celestini sein eigenes Buch verfilmt und gleichzeitig auch die Hauptrolle übernommen - eine Rolle, die er auf der Bühne schon mehrfach gespielt hat. Celestini tut dies sehr wortreich und in schnellem Strassenitalienisch. Der Erzählstil mit Rückblenden, die vom Protagonisten aus dem Off kommentiert und nachgesprochen werden, ist anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig, um nicht zu sagen: nervig.
Doch je länger der Film dauert, desto mehr entblättert sich eine erstaunlich vielschichtige Tragikomödie, die dank der unchronologischen Erzählweise, die die Ereignisse der Vergangenheit nur langsam freigibt, stellenweise auch richtig spannend wird. Fernab von melodramatischen Tonlagen wird die Geschichte eines Jungen erzählt, dessen "Andersartigkeit" sein Umfeld, aber auch ihn selbst überfordert. Erzählt wird auch die Geschichte des mittlerweile erwachsenen Mannes, dessen Gefühlswelt noch immer auf dem Niveau des Jungen stehen geblieben ist und dessen Versuche scheitern, in der "normalen" Welt Fuss zu fassen.
Der Film spielt dabei mit immer wiederkehrenden Elementen: Schafen, den Supermarkt-Besuchen, einem Lied, der kindlichen Beschreibung von Sexualität, die ganz auf die orale Phase ("Lecken") ausgerichtet ist, oder der vom jungen Nicola ersonnenen Geschichte von Marsmenschen, mit der er sich das seltsame Verhalten seiner erwachsenen Brüder zu erklären versucht. Mit der Zeit ist diese ständige Repetition ein wenig ermüdend, und das hektische Spiel von Hauptdarsteller/Autor/Regisseur Celestini schlägt auf die Geduld. Da ist man jeweils fast froh, wenn wieder eine Rückblende beginnt. Dennoch ist La pecora nera ein gelungenes Aussenseiter-Porträt, das tiefer geht, als man es am Anfang denken würde.
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