Norwegian Wood - Noruwei no mori (2010)
Naokos Lächeln
Norwegian Wood - Noruwei no mori (2010) Naokos Lächeln
Oder: Sex, Japs and Rock'n'Roll
Watanabe (Ken'ichi Matsuyama) studiert im Tokio von 1967 Theaterwissenschaften. Er führt ein unbeschwertes Leben mit dem befreundeten Pärchen Naoko (Rinko Kikuchi) und Kizuki (Kengo Kora). Bis sich Kizuki mit 17 Jahren in einer Garage von Autoabgasen ersticken lässt und für seine beiden überlebenden Freunde eine Welt zusammenbricht. Toru und die verletzliche Naoko kommen sich dank dem Tod von Kizuki zwar näher und schlafen auch miteinander, aber dann zieht Naoko plötzlich weg, um in einem Sanatorium ihre psychischen Probleme, die Kizukis Tod hervorgerufen hat, zu bewältigen.
Toru bleibt in Tokio und lernt die quirlige Midori (Kiko Mizuhara) kennen. Die aufgeweckte Kommilitonin ist wunderhübsch und lässt sich nach einem langen Gespräch und gemeinsamen Abendessen auch gerne von Toru küssen. Auf etwas Festes hat sie dann aber trotzdem keine Lust. Sie habe schon einen Freund, ist ihre lapidare Antwort. Toru ist nun hin- und hergerissen zwischen den zwei Frauen. Zwar ist er ständig zu Besuch bei Naoko und lässt sich von ihrer Zimmergenossin Reiko (Reika Kirishima) auch in Liebesdingen beraten. Die quirlige Midori will ihm trotzdem nicht aus dem Kopf.
Kinofilm-Rating
Der japanische Film Norwegian Wood (die Anspielung auf den Beatles-Song ist bewusst; er wird im Film auch geträllert) wirkt wie am Reissbrett zur Optimierung kultischer Begeisterung konzipiert. Man nehme einen bei der Jugend besonders beliebten japanischen Bestseller-Autor (Haruki Murakamis "Naokos Lächeln" lieferte die Vorlage) und ein paar Teeniemania auslösende Nippon-Sternchen (Matsuyama ist der Hauptdarsteller der Death Note-Verfilmungen), von denen eines, Rinko Kikuchi (Babel), auch schon oscarnominiert war. Danach holt man sich, um die Story zu bebildern, mit Tran Anh Hung einen vietnamesisch-französischen Regisseur aus der Versenkung, dessen Festival-Renommee (Cyclo, Der Duft der grünen Papaya) mittlerweile etwas verblasst ist. Und lässt das Ganze von einen angesagten Brit-Rocker (Johnny Greenwood, Mastermind Number Two bei Radiohead) musikalisch umrahmen. Fertig ist der künstlerisch wertvolle Film, der auch die Kids und Junggebliebenen begeistern soll. Doch so einfach ist es nicht.
Schnell ist man zwar in den Swinging Sixties drin. Die Röcklein sind Mini, die Köpfe Bubi und die 68er-Unruhen nur ein Hintergrundrauschen bei erotischen Entdeckungsreisen in einer Zeit, in der es noch als cool galt, im Plattenläden zu jobben. Das liebliche Set-Design und die Fröhlichkeit der ersten Szenen weichen aber schnell Depressionen, Sexproblemen und traumatischen Erlebnissen, die sich, je länger der Film dauert, zu wiederholen scheinen. Die Darsteller wirken austauschbar in einem Film, der vor allem mit prächtigen HD-Bildern beeindrucken will. Sogar der Soundtrack wird, je länger der Film dauert, von einer melancholischen Trägheit erfasst.
Frivol wie die Sechziger, aber auch tieftraurig, ist Norwegian Wood ein bittersüsser Nostalgietrip in eine Zeit, die in Japan nicht viel anders war als im Rest der Welt. Nicht zuletzt wegen dieser Austauschbarkeit misslingt der Versuch, einen Instant-Kultfilm zu präsentieren.
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