Nanga Parbat (2010)

Nanga Parbat (2010)

Oder: Der Berg ruft

Nanga Parbat

Kein Gewitter in Sicht

Schon im Kindesalter scheinen die Messner-Brüder Reinhold (Florian Stettler) und Günther (Andreas Tobias) vor keinem Hindernis halt zu machen und besteigen schon mal die hohe Friedhofsmauer ihrer Dorfkirche; ungesichert und voller Elan. Sie setzen sich zum Ziel, einmal den Nanga Parbat, den "nackten Berg" im Himalaya mit seinen über 8'000 Metern Höhe, zu bezwingen. Im Frühling 1970 scheint der Traum für die Mittzwanziger in Erfüllung zu gehen: Eine kostenschwere und bis ins Detail geplante Expedition, geleitet von Dr. Maria Herrligkoffer (Karl Markovics), soll erneut an den Fuss des unbezwingbaren Berges führen. Der Fanatismus von Reinhold kommt ihm gerade recht. Sein Bruder Günther soll als Assistent dienen, denn zusammen sind sie unsterblich.

Nanga Parbat

"Willst du auch ein Red Bull?"

Die geplante Route soll über die gefürchtete Rupalwand führen. Dass diese dreimal so hoch ist wie die Eigernordwand in der Schweiz, spornt die Messner-Brüder nur noch mehr an. Nach langer Reise und scheinbar unendlichem Warten wegen Schlechtwetters entscheiden sich die beiden jungen Bergsteiger, den Gipfel ohne grosse Sicherheiten im Alleingang zu erreichen. Beim Abstieg wird Günther höhenkrank. Es beginnt ein eiskalter Kampf ums Überleben...


Kinofilm-Rating

Wie bereits Nordwand, bei der sogar die Hartgesottenen kalte Füsse bekommen hatten, bedient sich das neuste Bergdrama aus deutschem Hause ebenfalls einer wahren Geschichte über den Ehrgeiz und die Motivation des Extrembergsteigens, die schliesslich als Tragödie endet. Nanga Parbat erzählt von der berühmten Expedition aus dem Jahre 1970, bei der Reinhold Messners jüngerer Bruder Günther beim Abstieg vom Gipfel zu Tode gekommen ist. In Messners Büchern ist diese Schicksalserfahrung ein wiederkehrendes Thema, jahrelang waren sogar mehrere Parteien in einen Rechtsstreit involviert. Die genauen Umstände, die zum Tod von Günther Messner führten, sind bis heute weitgehend ungeklärt und beruhen auf den Aussagen seines Bruders.

Der renommierte deutsche Regisseur Joseph Vilsmaier hat sich der schicksalshaften Geschichte angenommen, wie vorgehabt nüchtern und nebst den Bildern unspektakulär. Er zaubert in Zusammenarbeit mit Reinhold Messner während unzähliger eiskalter und gefährlicher Drehtage in Pakistan und dem Tirol ein bildgigantisches Abenteuer. Die Aufnahmen des "nackten Berges" sind auf Grossleinwand atemberaubend. Alleine der Berg und sein Mysterium vermögen zu fesseln und übertrumpfen dabei sogar die eher mittelmässigen Darstellungskünste der beiden Hauptdarsteller.

Optisch gesehen ist es nicht schwer, jemanden wie Reinhold Messner aussehen zu lassen. Spätestens bei den Dialogen und dem Kampf beim dramatischen Abstieg wird klar, dass man es hier trotz des Genres Drama nicht mit wirklich fesselnden Charakteren zu tun hat und fragt sich, ob es sich jetzt wirklich so zugetragen hat. Vilsmaiers Erzählung wirkt sehr geradlinig, geradezu unspektakulär. Manchmal kommt der Verdacht auf, dass ein Dokumentarfilm eventuell der bessere Weg gewesen wäre, die Tragödie zu erzählen. Daher auch Messners Wunsch, die Geschichte "unheldenhaft" und eher auf Fakten beruhend zu realisieren. Weil Messner anhand totaler Erschöpfung Stunden durchlebte, an die er sich bis heute nur schwer erinnern kann, baut Vilsmaier ein paar sinnestäuschende Szenen ein. Die eigentliche Dramatik liegt zweifelsfrei in der Gewissheit, dass dies wirklich so passiert ist und in der Frage, mit welcher Schuld ein Mensch, der so etwas erlebt hat, leben muss.

Fazit: Nanga Parbat ist unterhaltsames Abenteuerkino, das die wahre Geschichte der Messner-Brüder aus dem Jahr 1970 in faszinierender Bildsprache erzählt. Der Film wirkt etwas nüchtern und brüstet sich nicht mit tiefgründigen Dialogen und actiongeladenen Sequenzen. Ein Funke mehr "Dramatik" hätte dem Film trotz des realen Hintergrundes sicher nicht geschadet. Obwohl der Nanga Parbat über 8'000 Meter hoch ist, sieht er filmisch gesehen neben der Eigernordwand doch eher kleiner aus.

3.8 Sterne
3.8 Sterne (12 Bewertungen) | 0 Kommentare

3.53.5
14.01.2010 / woc