Miral (2010)

Miral (2010)

Oder: Schnellbleiche im Nahostkonflikt

Miral

Winke, winke!

Nach dem Selbstmord der Mutter (Yasmine Al Massri) entscheidet sich Mirals Vater (Alexander Siddig), seine achtjährige Tochter in ein Waisenhaus in Jerusalem zu bringen. Dort wächst Midal (Freida Pinto) zur jungen Frau heran und verliebt sich den PLO-Aktivisten Hani (Omar Metwally). Als die Intifada beginnt, muss sie zuschauen, wie die israelische Armee die Araber drangsaliert und ihre Häuser gnadenlos zerstört. Die junge Frau rebelliert, und ihre Wut richtet sich auch gegen die Leiterin ihrer Schule, die besonders besonnene Hind Husseini (Hiam Abbass).

Miral

Nicht ohne meine Kinder.

Hind hatte die Dar-Al-Tifel-Schule 1948 gegründet, als sie eines Nachts gleich 55 Waisen auf der Strasse auflas. Sie gab den Kindern Obhut und Bildung mit dem Ziel, aus ihnen mündige Bürger zu machen. Mit der Zeit wurden es immer mehr Kinder, die aus den palästinensischen Flüchtlingslagern zu ihr gebracht wurden. Doch aus den politischen Geplänkeln im Nahost-Konflikt hielt sich Hind immer heraus. Sie wollte ihre Institition nicht gefährden. Deshalb reagiert sie auch besonders pikiert, als Miral sich immer stärker radikalisiert.


Film-Rating

Der auch als Maler aktive US-Filmemacher Julian Schnabel bleibt sich treu und schildert in seinem vierten Spielfilm nach Basquiat, Before Night Falls und Le Scaphandre et le Papillon das Leben einer real existierenden Person. Hiad Huesseini war eine arabische Feministin, die sich ab 1948 bis zu ihren Tode 1994 für arabische Waisenkinder einsetzte und ihnen in der heute noch existierenden Dar-Al-Tifel-Schule eine Bildung ermöglichte. Zu Huesseinis Zöglingen gehört auch die arabische Journalistin Rula Jebreal, die in Italien studierte und so gut aussieht, dass sie im italienischen Fernsehen Nachrichten vorlesen durfte. Ihr autobiographisch angehauchter Roman "Die Strasse der Blumen" diente Schnabel als Vorlage für den Film Miral. Und Frau Jebreal wurde auch noch gleich seine aktuelle Lebensgefährtin.

Hiam Abbass (Lemon Tree) spielt Huesseini als eine Art muslimische Lady Di. Unter einer miserablen grauhaarigen Perrücke bleibt sie dezidiert apolitisch. Auch dann, als der Teenager Miral, gespielt vom Kosmetikkonzern-Modell Freida Pinto, zu rebellieren beginnt. Anhand der Geschichte der beiden Frauen wird im Vorbeigehen der Nahost-Konflikt von 1948 bis zu den Verträgen von Oslo 1993 nacherzählt, was besonders dann aufgesetzt wirkt, wenn das L'Oréal-Mannequin rumknutscht und gleichzeichtig politisch aufgeklärt wird. Trotz Folterqualen und konflikträchtigem Verhältnis mit dem eigenen Vater (ein übersanfter Alexander Siddig) bleibt Miral als Figur viel zu oberflächlich, als dass man sich gross für sie interessieren möchte. Die äusserliche Ähnlichkeit von Pinto mit Jebreal ist aber jederzeit frappant. Schnabel, der sich als New Yorker Jude nach eigenen Angaben bisher nur wenig mit den Palästinensern auseinandergesetzt hat, sind da von seiner besseren Hälfte etwas gar viel schöne Augen gemacht worden. Wie sonst hätte er sich zu diesem Kitsch überreden lassen?

So wurde Miral eine als Geschichtslektion zu verstehende, fiktive Geschichte einer jungen Schönheit. Das gut gemeinte Plädoyer für den Frieden ist zu naiv und plump, um der richtigen Hiad Heusseini gerecht zu werden. Zwar bietet Regisseur Schnabel schöne Bilder, der Film lässt aber ultimativ kalt.


OutNow.CH:

Bewertung: 2.52.5

 

04.09.2010 / rm

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