Made in Dagenham (2010)

We Want Sex

Made in Dagenham (2010) We Want Sex

Oder: Lohngleichheit nicht so jetzt, sondern JETZT.

Made in Dagenham

Zu spät merkte sie, dass die Farbe wasserfest ist.

Wir schreiben das Jahr 1968. Neben vielen tausenden Männern, die im Ford-Werk Dagenham jeden Tag ein und aus gehen, machen sich auch 187 Frauen wochentags auf, ihre Arbeit in der Näherei aufzunehmen. Ihr Arbeitsort in einer grossen Halle ist jedoch wenig aufmunternd, da es dort sehr heiss ist, was sie oftmals zwingt, in Unterwäsche zu arbeiten. Unmut herrscht zwar, aber kaum jemand traut sich, etwas zu machen. Dies ändert sich, als die Ford-Führungsebene entscheidet, die Frauen als "unqualifizierte Arbeitskräfte" einzustufen, damit sie deren Löhne tief halten können.

Made in Dagenham

"Olé, eine Frau!"

Dies ist zu viel für die Frauen, weshalb sie mit ihrem Vertreter Albert (Bob Hoskins) protestieren. Sie fordern Lohngleichheit, da sie wie die Männer ebenfalls jeden Tag Schwerstarbeit verrichten, jedoch wesentlich tiefer entlöhnt werden. Unter der Führung von Rita (Sally Hawkins) beginnen die Frauen zu streiken, um ihre Forderungen durchzusetzen. Doch Ford lässt sich dies nicht so einfach gefallen...


Kinofilm-Rating

Auch heute kämpfen die Frauen immer noch um Lohngleichheit. Die Schere zwischen ihnen und den Männern ist in dieser Beziehung zwar nicht mehr so weit auseinander wie noch in den Sechzigerjahren, doch die Ungerechtigkeit gibt es noch. Nigel Cole zeigt in seinem Film Made in Dagenham nun die Anfänge dieses Kampfes in England. Wie gut, dass er dabei Männer und Frauen gleichermassen unterhalten kann.

Obwohl das Thema schwerfällig ist, beweist Cole erneut, dass er es wie kein zweiter versteht, Dramatik und leichtfüssigen Humor zu kombinieren. Nach zwei Ausflügen ins amerikanische Kino mit eher mässigen Erfolg (A Lot Like Love, $5 a Day) stellt Made in Dagenham auch seine Rückkehr in die Heimat Grossbritannien dar - und Cole war nie besser. Es wäre ein leichtes gewesen, auf Frauen-Klischees herumzureiten und aus Made in Dagenham eine Komödie zu machen. Doch Cole nimmt das Thema wie auch seine Figuren ernst. Nur zur zwischenzeitlichen Auflockerung bedient er sich einiger Klischees, welche vor allem in Nebenrollen zu finden sind. Doch ansonsten ist es die Geschichte, die das treibende Element ist und nicht irgendwelche dummen Witze.

Der Film baut voll und ganz auf seine Darstellerinnen. Sally Hawkins, die für Happy-Go-Lucky einen Golden Globe einheimsen durfte, erhält die Gelegenheit, die ganze Bandbreite ihres Könnens zu beweisen und überzeugt vollends. Obwohl Hawkins die Leaderin ist, müssen sich die anderen nicht hinter ihr verstecken. Geraldine James beweist mit ihrer eher dramatisch angelegten Figur der Connie, dass sie 2003 nicht umsonst von der Queen geadelt wurde. Die Männer müssen hier ganz klar hinten anstehen, gehen aber trotzdem nicht vergessen. Bob Hoskins hat wieder einmal einen seiner kleinen, aber feinen Auftritte, Daniel Mays meistert seinen Part als notgedrungener Hausmann grandios, und Kenneth Cranham ist ein perfekt gewähltes Hassobjekt.

Obwohl der Film an sich wenig Angriffsfläche bietet, hat er trotzdem seine Schwächen. Die schlimmen Arbeitszustände der Frauen sind für den Zuschauer nicht wirklich ersichtlich, und gegen Ende hin trägt Cole auch etwas gar dick auf mit vielen emotionalen Reden. Zudem hätte man eine Nebenhandlung mit den Modelambitionen einer der Streikenden getrost weglassen sollen. Doch ansonsten unterhält der Film knappe zwei Stunden ohne Probleme.

Fazit: Made in Dagenham ist tolles Schauspielerkino mit viel Dramatik und genügend Pepp. Nigel Cole ist damit sein bestes Werk gelungen, was er nicht zuletzt einem tollen Cast zu verdanken hat. Für kommende Lohngespräche könnten einige Reden, die im Film geschwungen werden, sogar noch hilfreich sein, was den Kinobesuch gerade doppelt lohnenswert macht.

4.5 Sterne
4.5 Sterne (15 Bewertungen) | 7 Kommentare

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03.12.2010 / crs