Machete (2010)
Machete (2010)
Oder: Kreatives Blutvergiessen
Ein mexikanischer Ex-Cop (Danny Trejo), dessen Vorliebe für scharfe Messer ihm den Übernamen "Machete" eingebracht hat, hat in einem Einsatz gegen Drogenboss Torrez (Steven Seagal) alles verloren: seine Frau, seinen Job, seine Freiheit. Auf der Flucht vor Torrez verschlägt es ihn nach Texas, wo er sich ohne Papiere als Taglöhner herumtreibt.
Eines Tages erhält er vom Geschäftsmann Booth (Jeff Fahey) 150'000 Dollar angeboten, um den Senator McLaughlin (Robert De Niro) umzulegen, der im Wahlkampf mit üblen Parolen gegen die illegalen Einwanderer jenseits der südlichen Grenze hetzt. Machete nimmt den Auftrag an - doch bis er merkt, dass er dabei in eine Falle geraten ist, ist sein vierschrötiger Körper schon um einige Wunden reicher. So leicht totzukriegen ist er jedoch nicht - zumal er Unterstützung erhält von zwei heissen Fegern: der temperamentvollen Mexikanerin Luz (Michelle Rodriguez) und der toughen amerikanischen Polizistin Sartana (Jessica Alba)...
Kinofilm-Rating
Fans von Robert Rodriguez' Filmen ist Machete alias Danny Trejo bereits bekannt. Und zwar aus dem Fake-Trailer aus den Grindhouse-Filmen. Nun schiebt Rodriguez den entsprechenden Film nach, und es braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, wie dieser aussieht: ein zelebriertes Blutvergiessen in absichtlich schmierigem Retro-Look, mit Protagonisten so cool wie der Nordpol; das Ganze gespickt mit knackigen One-Linern wie "God forgives, I'don't". Die italienische Übersetzung dieses Spruches ist übrigens der Originaltitel der ersten Zusammenarbeit von Bud Spencer und Terrence Hill aus dem Jahr 1968 - im Gegensatz zu späteren Filmen eine durchaus ernste und ruppige Angelegenheit. Wobei wir wieder bei der in der Rodriguez-Tarantino-Welt überaus beliebten Anspielung auf Spaghetti-Western wären.
An der billigen Story herumzumäkeln, ist schwierig, denn: Billig ist schliesslich Programm! Jaja, wissen wir. Aber soo frisch ist diese Masche nun auch nicht mehr. Zudem lehnt sich Rodriguez gefährlich weit aus dem Fenster, wenn er mit seinem Film offenbar auch noch ehrenvolle Absichten verfolgt und auf die Schicksale illegaler mexikanischer Immigranten hinweist. Gesellschaftskritik im Kleid des Billigactionkrachers, der per definitionem ein schwarzweisses Weltbild erfordert - eine heikle Angelegenheit.
Immerhin hat sich Rodriguez offenbar von seinem Spezi Quentin Tarantino den bewährten Kunstgriff abgeschaut, einige leicht angestaubte Altstars aus der Versenkung zu holen. Was John Travolta für Pulp Fiction oder David Carradine für Kill Bill waren, sind der in die Jahre und Kilos gekommene Steven Seagal und Miami-Vice-Veteran Don Johnson für Machete. Zusammen mit Robert De Niro und Jeff Fahey bilden sie ein Quartett der coolen Kotzbrocken, die sich im fiesen Gegrinse gegenseitig überbieten.
Bei den Frauen ist wiedermal sexy Amazonen-Action angesagt. Die Rolle von Michelle Rodriguez ist überflüssig und scheint einzig für das Schlussgeballer mit Tank Top und Pumpgun geschaffen worden zu sein. Jessica Alba vermag da wohl in Sachen Sexiness, nicht aber in Sachen Toughness mitzuhalten. Und dann wäre da auch noch Lindsay Lohan, die mit einer besonders abstrusen Rolle (nicht nur) den Vogel abschiesst. Gemeinsamkeit aller drei: Machete kriegt sie alle...
Mit seinem neuen Film wird Robert Rodriguez zweifellos seine Fans erfreuen. Denn diese kriegen, was sie von ihrem Idol erwarten und werden sich gewiss an diversen grotesk überzeichneten Splatter-Szenen erfreuen. Die meisten anderen würden sich wünschen, dass er endlich den Beweis erbringt, dass er mehr kann, als süffige Blutbäder zu inszenieren. Machete hat als Trailer Spass gemacht - die Umsetzung hätte man sich sparen können. Hoffen wir, dass Robert Rodriguez dies wenigstens für die beiden neuen Fake-Trailer zu Herzen nimmt, die wiederum vor dem Abspann gezeigt werden.
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