Das letzte Schweigen (2010)

Das letzte Schweigen (2010)

Oder: Es geschah am helllichten Tag

Das letzte Schweigen

Unter der Beobachtung des Clowns.

Unerträglich heiss ist es in den Juli-Tagen 2009. Genauso schwül und drückend wie vor 23 Jahren, als die 11-jährige Pia in einem Weizenfeld vergewaltigt und ermordet wurde. Das Verbrechen wurde nie aufgeklärt, und schlimmer noch: Mit dem Verschwinden der blonden Sinikka scheint sich alles zu wiederholen.

Das letzte Schweigen

Es geschah vor 23 Jahren.

Der damalige Ermittler Krischan Mittich (Burkhart Klaussner) ist nun pensioniert, erkennt aber schnell die Parallelen der beiden Fälle. Doch bei seinem Nachfolger Matthias Grimmer (Oliver Stokowski) stösst er dabei auf taube Ohren. So bittet er den jungen Kollegen David Jahn (Sebastian Blomberg) um die Weiterverfolgung seiner Mutmassungen. Dieser aber hat nicht nur mit den Tücken des Falles zu kämpfen - der Tod seiner Frau hinterliess bei ihm einen psychischen Knacks, gegen den er nicht anzukommen scheint.

Währenddessen werden Elena Lange (Katrin Sass) und Timo Friedrich (Wotan Wilke Möhring) schlagartig von der Vergangenheit eingeholt. Elena war die Mutter von Pia und hat bis zu diesem Tag gelernt, mit der Trauer zu leben. Das hat auch Friedrich getan, nur ist seine Position in dem Fall eine andere...


Kinofilm-Rating

Das letzte Schweigen dreht sich um die Aufklärung eines Verbrechens, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Weitmehr sucht der Film auch die Nähe zu den verschiedenen Opfern - zu denen, die Menschen verloren haben, mit Schuld umzugehen versuchen, die Gerechtigkeit herführen wollen, aber daran verzweifeln, dies nicht zu schaffen.

Diese psychologische Seite wird im spannenden Regiedebüt des Schweizers Baran Bo Odar ausgeprägt geschildert. Aus dem Schauspielerensemble ist dabei Wotan Wilke Möhring herauszuheben, der es schafft, seiner mit andauernder Filmlänge immer raumgreifenderen Figur eine gedankliche Benommenheit zu verleihen, die unter die Haut geht. Da kommt Sebastian Blombergs Ermittler David Jahn - der sich als zweite tragende Person entwickelt - nicht mit. Jahns brackige Hygiene und das investigative Gespür hat er von Columbo, doch muss auch er einen Schicksalsschlag verarbeiten - eine andauernde Bewältigung, die sich mitunter in befremdlichen Handlungen äussert. Gerade aber diese "Psychoszenen" wirken aufgesetzt und plakativ. Die Verzweiflung und den Schmerz des Mannes nimmt man nämlich auch wahr, ohne dass er den Tisch durchschüttelt oder in die Kleider seiner Frau schlüpft.

Hier liegt auch der Hauptkritikpunkt des Filmes: In die wenigen Tage, die die Handlung umspannt, muss einfach jeder mögliche Aspekt reingestopft werden. Krischans Liasion mit Elena etwa zwingt sich in keinster Weise auf. Auch wirkt die Zersetzung von Sinikkas Familie künstlich forciert. Zudem findet sich die Überfrachtung auch in den effekthascherischen Soundeffekten, die bisweilen zusätzliche Dramatik aufdrängen wollen.

Nichtsdestotrotz ist Das letzte Schweigen aber ein durchwegs spannender Film, der mit einem starken Ende auftrumpft, welches sich grundlegend verändert gegenüber dem der Romanvorlage von Jan Costin Wagner zeigt. Ohnehin zeigt Baran Bo Odar mit diesem Debüt auf, dass mit ihm in der Zukunft zu rechnen ist.

4.4 Sterne
4.4 Sterne (6 Bewertungen) | 1 Kommentar

44
14.08.2010 / uas