Das Leben ist zu lang (2010)
Das Leben ist zu lang (2010)
Oder: Der deutsche Woody Allen
Der Filmregisseur Alfi Seliger (Markus Hering) steckt in einer Midlife-Crisis. Seit seinem Komödien-Hit vor vielen Jahren hat er keinen Film mehr realisiert. Er hat zwar inzwischen ein neues Drehbuch über den Karikaturenstreit mit dem Arbeitstitel "Moha-ha-med" geschrieben, doch er kann niemanden dafür begeistern. Bei einer Party stösst er aber auf die ehrgeizige, in die Jahre gekommene Natasha (Veronica Ferres), eine Tussi-Schauspielerin mit nervigem Ostblock-Akzent, die einfach nicht abzuwimmeln ist, doch später gute Kontakte liefern wird.
Nebst all den vielen Berufsleiden eines alternden, erfolglosen Regisseurs hat er auch noch Streit mit seiner Ehefrau, einer gescheiterten Schauspielerin, die zur Porno-Synchronstimme herabgestuft wurde, und mit seinen zwei pubertierenden Kindern. Zum Glück gibt es da aber Hilfe vom Hausarzt (Heino Ferch), der immer eine neue mögliche Krankheit findet oder prognostiziert, oder vom orientalisch angehauchten Psychiater Tabatabai (Udo Kier) mit seinen radikal-alternativen Heilungsmethoden. Wird Alfi Seliger seinen Film ohne Kompromisse realisieren können und dabei auch noch seine Familie, und vor allem sich selber, vor dem Zusammenbruch retten?
Kinofilm-Rating
Dem deutschen Film scheint es manchmal etwas an Charme zu fehlen. Glücklicherweise gibt es auch Ausnahmeköpfe, die uns intelligente Filmleckerbissen des deutschen Autorenkinos bieten. So zum Bespiel der seit den Achtzigern in Berlin lebende Basler Autor und Regisseur Dani Levy. Seit seinem herausragenden Kunstfilm Stille Nacht sind schon 15 Jahre vergangen. Mit "Alles auf Zucker" hat Levi vor sechs Jahren wohl endlich das deutsche Publikumsherz gewonnen, doch mit "Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Hitler" wieder etwas verloren. Levi bleibt aber seiner komödiantischen, unkonventionellen Linie treu und pendelt in seinem neusten Film wieder zwischen Tragödie und Komödie, Ernst und Satire.
Die Figur des Hornbrille tragenden Woody Allen-Neurotikers war sicher das grosse Vorbild für die deutsche Version des Alfi Seliger in "Das Leben ist zu lang". Doch Levy schafft es trotzdem, nicht einfach bei der Woody-Allen-Kopie zu bleiben, sondern konstruiert aus seinen persönlichen, liebevoll-kritischen Beobachtungen der deutschen Film- und Fernsehindustrie einen "irrwitzigen Achterbahn-Film". Diese autobiografische Selbst-Reflexivität und Spiel mit Film/Traum und Wirklichkeit kennen wir schon aus zahlreichen Filmen wie Marc Forsters "Stranger than Fiction" oder Peter Weirs "The Truman Show", doch Levy bringt schon auch ein paar neuartige Einfälle in seinen Film. Ohne zu viel verraten zu wollen, sind die Szenen, in denen die Personen um Alfi unwissentlich unter der Wirkung einer Wahrheitsdroge stehen, herrlich anzusehen.
Das Leben ist zu lang ist im Grossen und Ganzen ein sehenswerter Film und trotz - oder gerade wegen - eines wilden Sammelsuriums an alten deutschen Theater- und Filmgrössen, die sich selber veräppeln, ein durchaus lustiger, zum Denken anregender Film.
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