Länger Leben (2010)

Länger Leben (2010)

Oder: It's Gulasch

Länger Leben

"Kein Herz in Sicht..."

Max Wanner (Mathias Gnädinger) hat ein Problem: Der Senior leidet nicht nur an Kleptomanie, sondern hat laut seinem egozentrischen Arzt Dr. Schöllkopf (Lorenz Keiser) nur noch wenige Monate zu leben. Eine neue Leber würde ihn retten, doch die Warteliste ist ellenlang. Prompt erhält er von Dr. Schöllkopf einen irren Plan unterbreitet: Für ihn wurde eine passende Leber gefunden. Leider ist der anonyme Spender noch am Leben, aber genau dieser braucht ein neues Herz. Und dies ist bei Max noch völlig intakt. Mit einem vertraglich geregelten "Organtausch" liesse sich aber vereinbaren, dass derjenige, welcher als erster stirbt, sein Organ an den "Gewinner" spendet.

Länger Leben

"Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?"

Der clevere Max findet sehr schnell heraus, wer die besagte Person ist. Fritz Pollatschek (Nikolaus Paryla), ein ehemaliger Speerwerfer, der bereits vier Herzinfarkte erlitten hat. Die beiden Dickköpfe lassen keine Chance aus, dem anderen eins auszuwischen. Da sie jetzt fast offziell im Organhandel tätig sind, lässt auch die russische Mafia nicht lange auf sich warten. Was als tödlicher Konkurrenzkampf beginnt, verwandelt sich schnell in eine herz- und leberhafte Freundschaft.


Kinofilm-Rating

Mit Länger Leben wagt Lorenz Keiser den Schritt in die Schweizer Filmwelt. Der Zürcher Theatermann und Prix-Walo-Gewinner agiert dabei als Drehbuchautor, Regisseur und übernimmt unter einem Haufen von bekannten Schweizer Schauspielern eine der Hauptrollen. Als Produzent hat Langfilm bereits mit Die Standesbeamtin ein goldenes Händchen beweisen. Was hier zuerst nach einer aufgewärmten Klischee-Komödie klingt, mutiert überraschenderweise zu einem äussert clever geschriebenen, mit tollen Schauspielern besetzten und mit feinem schwarzen Schweizer Humor versehenen Spass.

Auch wenn die Story eigentlich nicht neu ist, sorgt sie gerade in der Schweiz mit heissen Themen wie Spitalkosten und Krankenkassen für einen herrlich sarkastischen Unterton. Niemand nimmt sich ernst, deshalb wird von Anfang an fast im Minutentakt gelacht. Die Dialoge sind schnippisch und modern - trotzdem genug schweizerisch und authentisch. Die Feder von Co-Autor Peter Luisi (Love Made Easy) zeigt sich sofort. Der Humor spannt sich über den ganzen Film und entlädt sich im letzten Akt in einem herrlichen Chaos. Und Marc Sway darf sogar den Titelsong "It's Gulasch" singen. Schweizerischer könnte das Resultat nicht sein.

Alleine vier Sterne müsste Länger Leben dank seinen zwei dickköpfigen Hauptdarstellern erhalten. Mathias Gnädinger und Nikolaus Paryla glänzen in ihren Rollen dermassen gut, dass man aus dem Zweigespann locker eine TV-Serie produzieren könnte. Mit all ihren Streitereien und Albernheiten erinnern sie an das kultige Paar Jack Lemmon und Walter Matthau. Ebenfalls köstlich agieren Yangzom Brauen (die mit ihren "Free Tibet"-Pins nicht nur ihre politische Meinung vertritt, sondern auch noch für etliche witzige Szenen sorgt), die Gruppe des Seniorenmahlzeitdienstes oder Leonardo Nigro in seiner Nebenrolle.

Fazit: Länger Leben darf man sich fast nicht entgehen lassen. Die Komödie kann sich locker neben dem aktuellen Schweizer-Hit Sennentuntschi sehen lassen und bietet mit seinem herzhaften Humor, den schnippischen Dialogen und dem atemberaubenden Cast eine Unterhaltung, die man so schnell nicht vergessen wird.

4.4 Sterne
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29.10.2010 / woc