Der Kameramörder (2010)
Der Kameramörder (2010)
Oder: Makabres Reality-TV
Sonja (Dorka Gryllus) und Thomas (Merab Ninidze) sind glücklich. Nicht nur leben die beiden in einem stylischen Haus am ungarischen Abschnitt des Neusiedlersees - zur ihrer Freude ist auch ein Kind unterwegs. Fürs Wochenende sind ein befreundetes Paar von Thomas, Eva (Ursina Lardi) und Heinrich (Andreas Lust), zu Gast. Man tanzt, man trinkt, man ist nett zueinander - bald schon deutet sich aber auch an, dass die Beziehung zueinander nicht frei von Nebentönen ist.
Als jedoch drei Kinder in der Umgebung verschwinden und klar wird, dass Heinrich mehr darüber weiss, gerät die Stimmung vollends in ein Tief. In den dunkeln Ecken des Internets kursiert ein Video, welches das Schicksal der Jungen zeigt - Heinrich hat es gesehen und outet sich zwangsläufig als Konsument von Snuff-Videos. Weitere Einzelheiten zum Fall schüren Verdächtigungen und rauen das Klima unter den vier Personen weiter auf. Vor allem Sonja ist verunsichert, merkt sie doch immer mehr, wie wenig sie eigentlich über Thomas weiss.
Kinofilm-Rating
Thomas Glavinics reisserischer Krimiroman Der Kameramörder gewann 2002 den wichtigen Friedrich-Glauser-Preis. Eine bequem zu realisierende Steilvorlage war er trotz seiner ausgewiesenen Qualität indes nicht - so musste Regisseur Robert A. Pejo die die für den Film untaugliche Ich-Perspektive der dort anonymen Hauptfigur auflösen und sie als Thomas ins Ensemble einbetten. Den Ort des Geschehens verlagerte er von der Steiermark nach Ungarn, in eine Seelandschaft mit mannshohem Schilf. Ein Gewächs, welches schon für so manchen Spannungsmoment in der Filmgeschichte gesorgt hat.
Sozusagen einher mit dem Schilf geht da die Story-Konstruktion von Der Kameramörder. Denn auch hier werden die gängigen Kniffe verwendet, um den Zuschauer rätseln zu lassen. Rege Konsumenten von Krimis kann man damit jedoch nicht mehr hinters Licht führen. Gar augenscheinlich möchte der Film sein Publikum in die falsche Richtung rennen lassen. Durch diese fehlende Raffinesse stuft er sich auf Fernsehniveau herunter, was schade ist, denn psychologisch gibt dieses hauptsächliche Kammerspiel doch einiges her. Österreichs Schauspieler der Stunde Andreas Lust (Der Räuber) darf eine weitere labile Figur verkörpern, während sich auf der Frauenseite Sonjas Wechselbad der Gefühle glaubhaft vollzieht. Zwar will eine ausgewogene Mischung von Krimi und Beziehungsviereck nicht immer gelingen, doch wird immerhin die zwischenmenschliche Ebene zur Interpretation freigegeben, was mit der Zeit mehr anregt als die Krimihandlung selbst.
Der Kameramörder ist insgesamt ein mittelmässig spannendes und unausgewogenes Werk, das auch mit den Snuff-Videos thematisch nicht gerade neues Land betritt. Gefällig, aber auch nicht mehr.
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3.7 Sterne (2 Bewertungen) | 1 Kommentar

