How about Love (2010)
Und die Liebe
How about Love (2010) Und die Liebe
Oder: Ärger im Paradies
Der prämierte und überaus erfolgreiche Herzchirurg Fritz Reinhart (Adrian Furrer) verbringt zusammen mit seiner Frau Lena (Andrea Pfaehler) nach dem Tod seiner Mutter Ferien in Nordthailand. Nahe der Grenze zu Burma trifft er auf Arztkollege Bruno (Martin Hug), der sich in einem mobilen Hospital inmitten eines Flüchtlingscamps niedergelassen hat. Die Bilder von Minenopfern schockieren alle Beteiligten. Sofort ist Fritz von der Idee fasziniert, durch seine Mithilfe noch mehr Menschenleben retten zu können.
Während Lena wieder zu den Kindern zurück in die Schweiz fliegt, nimmt Fritz' Ehrgeiz überhand. Schnell erkennt er, dass er als Einzelner im Sumpf aus Korruption und Kriegspolitik nicht viel erreichen kann. Nur Say Paw (Jorn Leun Hkam), Mitarbeiterin im Camp, sieht zu Fritz auf und kann in ihm eine unvorhergesehene Leidenschaft entfesseln. In seiner Ohnmacht verliebt sich Fritz sofort in die junge "Freiheitskämpferin" - völlig ungeachtet dessen, welche Folgen seine Taten zurück in der Schweiz anrichten könnten...
Kinofilm-Rating
Autor und Regisseur Stefan Haupt, bekannt durch seine zwei erfolgreichen Dokumentarfilme Elisabeth Kübler Ross und Downtown Switzerland, realisiert mit How about Love seinen zweiten Kinofilm. Die Story um den ehrgeizigen Herzchirurgen, der die Hölle im Paradies von Nordthailand erlebt, geisterte dem Schweizer Regisseur seit Jahren im Kopf herum. Trotz autobiografisch angehauchten Hintergrundes sollte der Film und die Geschichte um die Familie Reinhart von Anfang an viel Fiktives enthalten.
Der politische Hintergrund in How about Love wird seit Jahren auf der ganzen Welt diskutiert. Haupt nähert sich dem schwierigen Thema mit viel Feingefühl, führt den Zuschauer sofort in das Leben der Flüchtlinge ein, ohne durch Kriegsbilder wirklich politisch eine Meinung zu vertreten. Das Hospital im Dschungelparadies gleicht eher dem verzweifelten Versuch, wenigstens gewisse Leben zu retten, als einem Tempel für Wunderheiler. Die Szenen der Beinamputation eines in ein Minenfeld geratenen Jungen schockieren gewollt, wirken aber nicht sinnlos plakativ. Im Zentrum der unfassbaren Gräueltaten steht laut Haupt immerhin die Liebe und das Verlangen nach Anteilnahme.
Was zunächst dramatisch und in kurzen, dialogarmen Szenen erzählt wird, mausert sich schnell zum überspitzten Versuch, mittels kleiner Überraschungen und theatralischer Dialoge die Spannung zu erhalten. Fritz will während des Ferienaufenthaltes ohne mit der Wimper zu zucken im Camp bleiben, die Beziehung zu seiner Frau Lena scheint irgendwie schon lange ziemlich eisig. Die Kinder spielen eine wichtige Rolle für die Story, nicht aber für Fritz. Sein Gotteskomplex führt ihn weiter in einen Teufelskreis aus Liebe, Sehnsucht und fürchterlich typisch schweizerischem und egoistischem Ehrgeiz. Irgendwann ist das Pulver verschossen, die Handlungsstränge verlieren an Glaubhaftigkeit. Zuletzt schliesst sich der weit geöffnete Kreis nur mit Mühe und bietet zwar im Angesicht der Vorgeschichte ein plausibles aber auch etwas fahles Ende.
Fazit: Stefan Haupt kreiert mit seinem Schweizer Drama How about Love einen Film mit international brisantem Thema. Die anfangs klassische Prämisse verliert sich manchmal in überspitzter Dramatik und klischeehaften Charaktersituationen. Trotzdem ist das Drama feinfühlig und teilweise berührend erzählt und zeigt eine Schattenseite, vor der wir nur allzu gerne die Augen verschliessen.
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