Un homme qui crie (2010)

Ein Mann der schreit

Un homme qui crie (2010) Ein Mann der schreit

Oder: Bademeister im Bürgerkrieg

Un homme qui cri

Let the Sunshine in

Der 55-jährige Adam (Youssouf Dyaoro) war in jungen Jahren nationaler Schwimmmeister, weswegen er von seinen Kollegen noch heute nur "Champ" genannt wird. Inzwischen arbeitet er in einem Hotel in D'Djamena, der Hauptstadt des Tschads. An seiner Seite arbeitet sein 20-jähriger Sohn Abdel (Diouc Koma). Als jedoch das Hotel die Besitzer wechselt und die neuen Bosse der Ansicht sind, dass zwei Bademeister einer zuviel sind, wird Adam gezwungen, den Job, den er liebt, aufzugeben und ihn Abdel zu überlassen. Stattdessen muss er sich nun in eine lächerliche Uniform zwängen und sich im Hotel als Parkplatzwächter betätigen.

Währenddessen tobt im Land ein Bürgerkrieg. Die Behörden verordnen, dass die Bevölkerung finanzielle Unterstützung für Freiwillige leisten muss, die die Rebellen bekämpfen. Der lokale Quartierchef (Emil Abossolo M'Bo) drängt Adam, seinen Beitrag zu leisten. Doch Adam hat keinen Penny. Das einzige, was er hat, ist sein Sohn. So trifft er eine folgenschwere Entscheidung...


Kinofilm-Rating

Wenn der Tschad jemals auf dem Nachrichtenradar der westlichen Welt auftaucht, sind es meistens keine erfreulichen Nachrichten. Meist geht es um den Bürgerkrieg, von dem das zentralafrikanische Land seit 1998 jahrelang heimgesucht worden ist. Un homme qui cri bietet dem Kinozuschauer einen Einblick in das Land abseits der auf einige Sekunden zusammengeschnittenen Bilder aus den Abendnachrichten. Der Bürgerkrieg ist allerdings auch hier der heimliche Hauptdarsteller, der das Leben der Protagonisten beeinflusst. In diesem Fall dasjenige des Ex-Schwimmers Adam, der aus verletztem Stolz und finanzieller Not seine Familie auseinanderreisst.

Der Film von Mahamat-Saleh Haroun beginnt und endet im Wasser. In den rund 90 Minuten dazwischen wird eine Vater-Sohn-Geschichte erzählt, die von der starken Präsenz des Hauptdarstellers Youssouf Dyaoro getragen wird, der die Rolle des alternden Schwimm-Meisters glaubhaft verkörpert. Allerdings wird ihm dabei offenbar etwas zu wenig vertraut - die Tragik der Geschichte wäre beispielsweise auch ohne Abdels schwangere Freundin deutlich genug herübergekommen. Schön ist dagegen der Kontrast zwischen traditioneller afrikanischer Welt und modernem westlichen Lifestyle dargestellt. So geht der von Diouc Koma dargestellte Sohn keinen Meter, ohne den Moment mit seiner Digicam festzuhalten.

Die sparsamen Dialoge und langen Kameraeinstellungen rütteln zwischendurch möglicherweise etwas an der Aufmerksamkeit. Doch dem Hauptdarsteller und der berührenden Story ist zu verdanken, dass Un homme qui crie auch nach Abzug des "In-Afrika-haben-sie-halt-beschränkte-Mittel"-Sympathiebonus noch funktioniert.

4.4 Sterne
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16.05.2010 / ebe