L'arnacoeur (2010)

Der Auftragslover

L'arnacoeur (2010) Der Auftragslover

Oder: Mission: Herzschmerz

L'arnacoeur

Sie mir in die Augen, Kleines!

Der gutaussehende Alex (Romain Duris) hat einen speziellen Beruf: Er ist ein professioneller Beziehungs-Zerstörer. Im Auftrag von besorgten Vätern, Familienmitgliedern oder Freunden verführt er Frauen, die in ihren Beziehungen unzufrieden sind, weil sie mit dem falschen Mann zusammen sind. Gemeinsam mit seiner Schwester Mélanie (Julie Ferrier) und ihrem Gatten Marc (François Damiens) bildet er ein eingespieltes Trio, das sich erfolgreich um diese heiklen Missionen kümmert. Jedes Mittel ist den dreien recht, um die Paare zu entzweien und den liebesblinden Frauen ihre Augen zu öffnen. Wenn Alex das Opfer so weit hat, lässt er es stets mit dem gleichen Spruch abblitzen. Die Sabotage-Aktionen waren immer erfolgreich. Bis jetzt.

L'arnacoeur

Hab ich was zwischen den Zähnen?

Alex soll die Tochter (Vanessa Paradis) eines reichen Geschäftsmannes verführen und sie zur Trennung von ihrem Verlobten (Andrew Lincoln), dem absoluten Traummann, bewegen. Der Profi-Herzensbrecher will den Auftrag anfangs nicht annehmen, da es gegen die Firmenprinzipien verstösst, sich in die Beziehung glücklicher Frauen einzumischen. Doch diesmal muss Alex eine Ausnahme machen, da ihm das Wasser bis zum Hals steht. Dummerweise gestaltet sich die Bezirzung der schönen Juliette alles andere als einfach.


Kinofilm-Rating

L'arnacoeur sieht auf den ersten Blick wie eine der üblichen romantischen Komödien aus, die uns aus den Staaten am Laufmeter nachgeworfen werden. Weit daneben. Denn obwohl es sich hier um eine Rom-Com handelt, die dementsprechend vorhersehbar ist, entpuppt sich L'arnacoeur, was übrigens eine Wortmischung aus arnaqueur (Schwindler, Betrüger) und coeur (Herz) ist, als erfrischende Mischung zwischen Romantik-, Action- und Spionage-Film. Kurzweilige und gute Unterhaltung steht hier auf dem Programm.

Die altbekannte Story wird mit originellen Ideen aufgepeppt. Ein grosses Lob gilt auch den Schauspielern, die ihren Rollen eine persönliche Note gegeben haben. Es wirkt so, als wären ihnen die Figuren auf den Leib geschrieben. Die Dialoge erwecken einen natürlichen Eindruck, so als sei viel improvisiert worden. Die Handlung geht schnell voran, und auch sonst bleibt dem Zuschauer keine Zeit, sich zu langweilen. Es ist zum Schieflachen, in welchen Situationen sich das Herzensbrech-Trio wiederfindet. Besonders Romain Duris (L'auberge espagnole) und Julie Ferrier (Micmacs à tire-larigot) geben ihr Können zum Besten: Verschiedenste Fremdsprachen werden eben mal so aus dem Ärmel geschüttelt, Verwandlungskünste an den Tag gelegt, und getanzt wird wie der französische Fred Astaire. Der Zuschauer merkt, dass hier bei den Dreharbeiten jeder Spass hatte. Es kommt natürlich und spontan rüber und wirkt überhaupt nicht gekünstelt. Das Schöne ist, dass der Film zeigt, dass es auch ohne übermässige Hautzeigerei und niveaulose Witze geht und gar weitaus unterhaltsamer ist als so manches, was in letzter Zeit über die Kinoleinwände geflimmert ist.

Wer nun denkt, dass hier ein routinierter Regisseur am Werk gewesen sei, täuscht sich. L'arnacoeur ist Pascal Chaumeils erster (und hoffentlich nicht letzter) Kinofilm. Teil seines Könnens hat er sicher bei Luc Besson abgucken können, für den er bei The Fifth Element und Joan of Arc als Second-Unit-Regisseur mitgearbeitet hat. Wir sind gespannt auf künftige Arbeiten.

Kurz gesagt: Mit viel Charme, Witz und einer Portion Action ist L'arnacoeur der ideale Film, um sich auf den Frühlingsanfang einzustellen. Spätestens bei der kleinen Hommage an Dirty Dancing wird jeder (zumindest jede Frau) schwach... ;-)

4.1 Sterne
4.1 Sterne (14 Bewertungen) | 0 Kommentare

4.54.5
26.01.2011 / faz