Greenberg (2010)

Greenberg (2010)

Oder: Verletzte Menschen verletzen Menschen

Greenberg

"Du, ich brauche einen Fahrer ..."

Roger Greenberg (Ben Stiller) kommt nach einem Nervenzusammenbruch nach Los Angeles, um das Haus seines verreisten Bruders zu hüten. So trifft er auf dessen Assistentin Florence (Greta Gerwig). Beim ersten Aufeinandertreffen hält sich die gegenseitige Zuneigung zwar in Grenzen, doch eine Sache bringt sie einander im Laufe der Zeit näher: Sowohl Roger als auch Florence tragen schwerwiegenden seelischen Ballast mit sich, den sie nicht einfach so abwerfen können.

Greenberg

"Das Skript sagt, du musst lächeln."

Roger ist dabei der härtere Fall: 40, überaus intelligent und doch manchmal banal trotzig, ist er mit Hammer und Säge wesentlich geschickter als mit seinen Worten. Selbstironie geht ihm dabei vollends ab. Dafür holt er sich unumstritten reichlich Punkte in den Kategorien "Zynismus" und "fortgeschrittene Misanthropie". Mit der Welt da draussen kommt er nicht klar - dies äussert sich nicht zuletzt in seinem Tick, Beschwerdebriefe wegen Nichtigkeiten an grosse Firmen zu schicken. Seine direkte und unsensible Art trägt autistische Züge und verschreckt die Leute. Zu den alten Freunden, die er in L.A. zurückgelassen hat, kann er keinen richtigen Draht mehr entwickeln. So wird Florence die einzige Person, die Greenberg wirklich mag. Nur: Ist es wirklich Liebe, die sie empfindet? Und was in aller Welt empfindet Greenberg?


Kinofilm-Rating

Noch ist nicht bekannt, wann Wes Andersons grossartiger Animationsfilm Fantastic Mr. Fox bei uns anlaufen wird. In der Zwischenzeit können wir uns aber mit einem Film unterhalten, bei dem Mr.-Fox-Drehbuchautor Noah Baumbach nicht nur das Drehbuch schrieb, sondern auch Regie führte.

In Greenberg pflanzt er einen stoischen Gemütstrampel mitten in Los Angeles ein, der aus Vorsatz nichts tut, sich seinen eigenen Stillstand aber nicht eingestehen kann. Ein Typ voller Illusionen, auch wenn er davon überzeugt ist, voll im Leben zu stehen. Fast schon Mitleid verspüren wir, wenn er wieder mit seiner alten Flamme anbandeln und die Band zusammenbringen möchte. Aber nur fast, weil dieser Greenberg halt einfach auch so ein selbstgerechtes Ekel sein kann.

Richtig - hier haben wir es mit der Sorte Film, oder vor allem mit der Sorte Mensch zu tun, mit der sich ein Woody Allen bestens auskennt. Und zieht man dessen letztes Werk Whatever Works heran, sieht man die Unterschiede. Boris' Schimpftiraden sind trotz ihrer Negativität voller Esprit und Witz. Greenbergs verknöcherte Konversationskultur mag zu ihm passen, wirkt aber ausser ein paar treffenden Statements ermüdend. Man will sich auch im Kino nicht mit einer Person abgeben, die wegen einer Geburtstagsüberraschung seine Freunde anschreit.

Zu träge verläuft dieser Film, ein nur wenig Halt bietendes Drama, welches sich schlussendlich selbst spiegelt. Schliesslich steht nun mal eine zerfahrene Person im Mittelpunkt. Vielleicht hätte Baumbach gut daran getan, den primären Fokus auf die zugänglichere Florence zu setzen. Oder dann gleich auf Mahler, den Hund, dessen Leidensgeschichte als Subplot installiert ist. Ein bisschen Herzlichkeit hätte ganz sicher gut getan.

3.4 Sterne
3.4 Sterne (15 Bewertungen) | 3 Kommentare

2.52.5
15.02.2010 / uas