Going the Distance (2010)
Verrückt nach Dir
Going the Distance (2010) Verrückt nach Dir
Oder: Du, ich und das Telefon
Garrett (Justin Long) wurde wieder einmal verlassen, weil er sich nie ernsthaft auf eine Beziehung einlässt. Noch am selben Abend trifft er in seiner Stammkneipe die hübsche Erin (Drew Barrymore). Die beiden verstehen sich augenblicklich und landen auch prompt miteinander im Bett. Beiden ist klar, dass es nicht zu einer ernsten Beziehung kommen wird, da Erin in sechs Wochen ihr Praktikum bei einer New Yorker Zeitung beenden und für ihren Studienabschluss wieder nach San Francisco ziehen wird. Also geniessen sie die Zeit, die ihnen bleibt und verleben einen leidenschaftlichen Sommer.
Doch als der Abschied naht, merken beide, dass sie mehr füreinander empfinden als geplant war. Sie beschliessen, eine Fernbeziehung zu führen. Bald zeigen sich die negativen Seiten einer Fernbeziehung: Zeitverschiebung, teure Flugtickets und verpatzte Telefonsexversuche zehren an den Nerven. Auch beruflich hapert's bei beiden, und wegen der schweren Wirtschaftslage schafft es keiner, einen Job in der Stadt des Partners zu bekommen. Während Erin ihr Leid ihrer neurotischen Schwester Corinne (Christina Applegate) klagt, sucht Garrett Aufmunterung bei seinen schrägen Kumpels Box (Jason Sudeikis) und Dan (Charlie Day). Irgendwann muss sich das Paar jedoch ernsthaft fragen: Hat die Liebe über eine solche Distanz überhaupt eine Zukunft?
Kinofilm-Rating
Für manche ist der Begriff RomCom wohl schon ein rotes Tuch. Ganz verdenken kann man es solchen Kitschgeschädigten nicht wirklich: Kaum ein Genre reiht so viele Klischees aneinander, fährt derart wenig variable Schablonenfiguren auf und hält sich dabei nur allzu oft an das ewig selbe Drehbucheinmaleins. Wenn mit Romantikkitsch vor sich hin gesülzt, auf die Tränendrüsen gedrückt und am Ende versöhnlich geknutscht oder sogar geheiratet wird, bleibt Zuschauern mit niedriger Romantik-Toleranzschwelle meist nur noch eines: die absolute Verweigerung. Oder, um es mit einer RomCom-Klischee-Metapher auszudrücken: Lieber mit dem ganzen Genre Schluss machen, als immer wieder sitzengelassen zu werden.
Schön, wenn es da auch einmal eine kleine Abwechslung gibt. Und für diese kann das neuste Werk mit RomCom-Prinzessin Drew Barrymore durchaus sorgen. Going the Distance ist natürlich kein filmisches Meisterwerk, das behauptet niemand. Auch die Ausgangslage kennt man bereits aus anderen Filmen, und das Ende ist schon von Anfang an zu erahnen. Trotzdem bietet der Film amüsante und herzige Unterhaltung und kann so positiv aus der Durchschnittsmasse romantischer, überzuckerter Kinonaschereien herausragen. Dies ist zum einen der angenehmen Balance von Romantik und teils recht deftigen Sprüchen zu verdanken. Zum Glück kippt's aber nie vollends in die Bereiche totalen Kitschs oder übler Pipi-Kacka-Witze.
Zum anderen sind es vor allem die Schauspieler und ihre jeweiligen Charaktere, die den Film sehenswert machen. Die Chemie zwischen Barrymore und Justin Long funktioniert zweifellos (die beiden sind ja auch privat immer mal wieder ein Paar). Angenehm ist aber auch, dass man - zumindest bei den Hauptfiguren - auf übliche Rollenklischees verzichtet hat. So ist Erin keine neurotisch-nervende Heulsuse, und Garrett kein pechverfolgter Loser, wie ihn etwa Ben Stiller immer mal wieder rezykliert. Gerade weil es ziemlich realistisch gezeichnete Figuren sind, kann das Publikum stets mit dem sympathischen Pärchen mitfiebern.
Bei den Nebenfiguren finden sich zwar einige Klischees (die neurotische Schwester und Hausfrau; der crazy Mitbewohner; der ewig spitze Arbeitskollege), diese sind jedoch für einige Lacher gut. Besonders Charlie Days Dan, der Mitbewohner mit der schrägen Stimme und den noch viel schrägeren Angewohnheiten - beispielsweise derjenigen, nur bei offener Türe zu kacken -, schiesst immer mal wieder den Vogel ab.
Going the Distance bietet eine ziemlich vorhersehbare, einfache Story und wartet nur mit wenigen Überraschungen auf. Dank der sympathischen Figuren und frechen Sprüche geht die Formel jedoch problemlos auf. Herausgekommen ist eine unterhaltsame Lovestory, die Romantik und Humor auf angenehme Weise vereint. Nicht zuletzt deshalb dürfte der Film Männlein und Weiblein gleichermassen gefallen.
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3.4 Sterne (26 Bewertungen) | 0 Kommentare



