The Ghost Writer (2010)
Der Ghostwriter
The Ghost Writer (2010) Der Ghostwriter
Oder: Wer keinen Biographen hat, muss sein Leben eben selbst erfinden...
Manchmal muss man halt Glück haben: Ein Ghostwriter (Ewan McGregor) erhält von einem renommierten Verlagshaus den Auftrag, die angefangene Autobiographie des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) fertigzustellen. Salär: 250'000 US-Dollar! Ein Angebot, das er nicht ausschlagen kann - und das auch die unguten Gefühle hinwegwischt, die entstanden sind, weil sich sein Vorgänger, ein langjähriger Weggefährte Langs, unter mysteriösen Umständen das Leben genommen hat.
So reist der Schreiberling also nach Martha's Vineyard, einer verlassenen Atlantikinsel, wo sich Lang zusammen mit Ehefrau Ruth (Olivia Williams), Assistentin Amelia Bly (Kim Cattrall), einer Horde Bodyguards und einigen Bediensteten eingebunkert hat. Das Manuskript der Autobiographie wird in einem Save gehütet wie ein Schatz. Doch eine richtig entspannte Arbeitsatmosphäre will nicht aufkommen. Denn ein ehemaliger Ministerkollege erhebt schwere Vorwürfe gegen Lang, es droht gar die Anklage vor einem Kriegsverbrechertribunal. Den Ghostwriter befallen erste Zweifel: Kann er seinem Mandanten noch trauen? Die Antwort scheint in der Vergangenheit zu liegen - und somit im Manuskript...
Kinofilm-Rating
Um es gleich vorweg zu nehmen: Auf die Geschichte, die dazu geführt hat, dass Roman Polanski seinen neuen Film im Gefängnis hat fertigstellen müssen, soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. Für die Diskussion, ob er nun ein guter oder schlechter Mensch sei, bieten sich genügend andere Plattformen. Die Frage hingegen, ob er ein guter oder schlechter Regisseur sei, beantwortet er mit The Ghost Writer auf eindrückliche Weise.
Im wilden und trostlos anmutenden Umfeld einer US-Atlantikinsel inszeniert Polanski ein gepflegt perfides und spannendes Verwirrspiel. In seiner Verfilmung des Romans The Ghost von Robert Harris werden Polanski-Kenner Stilelemente seiner früheren Filme wie Chinatown, Frantic oder auch Death and the Maiden ausmachen können. Doch auch neue technologische Gadgets werden wirkungsvoll eingesetzt: Noch nie war ein Satelliten-Navigationssystem im Auto so nervenaufreibend spannend wie in The Ghost Writer.
Wie es bei Thrillern dieser Machart fast schon zum guten Ton gehört, legt auch dieser sorgsam Fährten und lässt langsam eine Verschwörung globalen Ausmasses zum Vorschein kommen. Am brillant inszenierten Schluss wartet er dann mit einer Pointe auf, die dem routinierten Filmfan kaum vor Überraschung die Kinnlade runterklappen lassen wird und auch nicht alle inhaltlichen Unklarheiten aus dem Weg räumt. Aber das ist Nebensache. Denn der Weg ist das Ziel. Und dieser Weg ist ein Genuss - nicht zuletzt der illustren Schauspielerriege wegen.
Pierce Brosnan zeigt in der Rolle des windigen Ex-Politikers Lang nach The Tailor of Panama erneut, dass ihm zwielichtige Charaktere besser stehen als propere James-Bond-Charmeure oder peinliche Gesangsauftritte. Mit seiner charakteristischen Balance zwischen Jovialität und Herablassung ist er die perfekte Besetzung für die Rolle. Um seine Gunst zicken Sex-and-the-City-Star Kim Cattrall sowie Olivia Williams. Letztere, bisher eher auf Nebenrollen abonniert, verkörpert die eigentliche Schlüsselrolle des Filmes - wunderbar undurchsichtig und mysteriös, eine moderne Femme fatale - und dies nicht nur in der wohl knappsten Bettszene der letzten Jahre. Hauptdarsteller Ewan McGregor wird von seinen Darstellerkollegen etwas in die Ecke gedrängt, was aber durchaus kohärent ist: Schliesslich ist ja auch sein Charakter als Ghostwriter eher die graue Eminenz im Hintergrund, die die Show anderen überlässt. So ist auch dessen Name unwichtig - der Zuschauer erfährt ihn während des gesamten Films nicht.
Zuletzt sei hier noch Eli Wallach erwähnt. Zwar dauert der Kurzauftritt des mittlerweile 94-jährigen Hollywood-Veteranen mit der beeindruckenden, knapp 60 Jahre umfassenden Filmographie nicht länger als zwei Minuten, doch setzt er diesem feinen Politthriller mit intellektuellem Tiefgang die Krone auf.
![]()
4.4 Sterne (65 Bewertungen) | 11 Kommentare



