The Ugly Duckling - Gadkii utenok (2010)
The Ugly Duckling - Gadkii utenok (2010)
Oder: Das Schöne im Hässlichen sehen
Wie eine Burg thront oben auf einem Hügel ein Geflügelhof, den Hühner, Gänse, Enten und Truthähne bewohnen. Eines Tages findet ein Hahn draussen ein ungewöhnlich grosses Ei. Er schiebt es einem Huhn zum Ausbrüten unter, und bald schon bilden sich die ersten Risse in der Schale. Entschlüpfen tut ein graues, langschnäbliges Etwas, das keiner auf dem Hof ansässigen Tiergattung anzugehören scheint. Alle nennen es das hässliche Entlein, niemand will etwas mit ihm zu tun haben.
Die Tage vergehen, und während die übrigen Küken langsam Gefieder bekommen und mit dem anderen Geschlecht anbandeln, bleibt das hässliche Entlein nackt und allein. Als es am See eine Gruppe von Schwänen beobachtet, ist es von deren Grazie angetan. Sein innigster Wunsch wird es, ebenfalls so schön auszusehen und mit ihnen wegfliegen zu können.
Kinofilm-Rating
Garri Bardin ist eine Legende des Animationsfilms. Gerne erinnert man sich etwa an seinen furiosen Antikriegsfilm Conflict aus dem Jahre 1983, in dem er Streichhölzer aufeinander losgehen liess, bis alles niedergebrannt war. In seinen Werken setzte er neben Zeichnungen und Puppen auch Schnüre, Drähte oder Origami ein. Nun hat der russische Regisseur nach fünf Jahren Arbeit mit Plastilin und Federn sein reichhaltiges Oeuvre endlich auch mit einem Langfilm erweitert. Dafür bediente er sich bei zweier bedeutenden Werke des 19. Jahrhunderts: Die Geschichte basiert auf Hans Christian Andersens Märchen "Das hässliche Entlein", die Musik entstammt aus Tchaikovskys "Schwanensee".
Diese Kombination macht in der Vorstellung Sinn, in der konkreten Ausführung ist sie jedoch schlichtweg genial. Bardin fusioniert Erzählung und Musik zu einem betörenden Musical voller akustischer Kraft und visueller Ideenvielfalt. Für die monumentalen Kompositionen schrieb er Gesangslinien, die die Geschichte mittragen. Brillant sind die Animationen und die Ausstattung - die Federviecher sind unglaublich aufwendig und detailreich gestaltet. Daneben ist das Entlein mit seiner einfachen Gestaltung wirklich ein Hässliches, aber zugleich auch ein unwiderstehlich Süsses.
Bardin unterlässt es aber nicht, einige klare Änderungen und Erweiterungen in der bekannten Geschichte anzufügen. So sind etwa keine Menschen involviert - einzig eine Flinte ist in einer Szene zu sehen, die von Menschenhand bedient wird. Lustig ist das allmorgendliche Ritual, dass eine Eierfahne gehisst und die Hofhymne gesungen wird. Bardin baut auch eine militärisch anmutende Parade ein sowie einen Regenten des Hofs - man wird hier das Gefühl nicht los, dass der Macher sich damit auf seine alte Heimat Sowjetunion bezieht.
Mit seiner überwältigenden Musik, der grossartigen visuellen Umsetzung und der klassischen Story ist Gadkii utenok ein einziges Meisterwerk geworden. Besser kann man dieses eindringliche Plädoyer für Toleranz nicht mehr in Szene setzen.
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