Die Friseuse (2010)
Die Friseuse (2010)
Oder: aus dem wahren Leben gegriffen
Kathi König (Gabriela Maria Schmeide) lebt als arbeitslose Friseuse in einem Plattenbau im Berliner Stadteil Marzahn. Nach der Trennung von ihrem Ex-Mann Micha, der mit neuer Freundin weiterhin im Häuschen ausserhalb Berlins lebt, versucht die pfundige Kathi mit ihrer Tochter Julia (Natascha Lawiszus) einen Neuanfang. Als das Arbeitsamt ihr eine Stelle im Friseursalon Krieger im nahen Shoppingcenter vermittelt, ist die Freude gross. Doch dann wird ihr der Job aufgrund ihrer Unästethik verwehrt.
Kathi lässt sich aber nicht unterkriegen und plant, in einem ehemaligen Asia-Imbiss, vis-a-vis des Salons, ihren eigenen Laden zu eröffnen. Fortan schlägt sie sich wacker im Kampf mit Behörden, Banken und Beratern und steht kurz vor der Erfüllung ihres grossen Traums. Doch immer wieder werden ihr Steine in den Weg gelegt, sei es durch die pubertäre Tochter, den zwielichtigen Schleuser John, den Exmann oder durch ihr eigenes Gewicht. Allen Tiefen zum Trotz haben diese auch etwas Gutes, denn Kathi findet dadurch gute Freunde, die ihr helfen, und letztlich ihren Traumjob.
Kinofilm-Rating
Die Geschichte um eine arbeitslose Friseuse ist der erste Film von Doris Dörrie (Kirschblüten - Hanami), der nicht nach ihrem eigenen Drehbuch entstand. Für dieses zeichnet sich Laila Stieler verantwortlich, die für ihre Arbeit das wahre Leben der Friseuse Kathleen Cieplik zugrunde legte. Anhand der wahren Biografie erstellt der Film eine sozialkritische Studie über eine Frau im Berliner Stadtteil Marzahn, der zu den sozial schwächeren Bezirken der Hauptstadt zählt.
Die Hauptfigur Kathi König hat von allem irgendwie ein bisschen zu viel: zu viele Pfunde, zu viel Fröhlichkeit und zu viel Hang zu Farben. Aufgrund ihres Aussehens muss sie sich täglich diskriminierenden Äusserungen stellen und erhält allein aufgrund ihrer Figur keine Chance, ihren Job ausüben zu dürfen. So, wie manches an der Hauptfigur zu viel ist, ist es dies auch bei der Geschichte. Zunächst ist es schön anzusehen, wie sich Kathi ihren Weg sucht, sich aus jedem Tief herausarbeitet und stets versucht, ihren Weg zu gehen. Doch wirkt die Geschichte irgendwann zu überladen, mag man nicht glauben, dass sie immer wieder in den nächsten Fettnapf tritt. So gemein kann die Welt doch nicht gar nicht sein, oder?
Das anfängliche Mitleid, welches man Kathi entgegenbringt, stellt sich irgendwann ein, weil man ihre Naivität einfach nicht mehr ertragen kann. Einzig ihr unglaublicher Durchhaltewillen sowie ihre aufmunternden Lebensweisheiten sorgen immer mal wieder für kleine Aufheiterungen - doch oftmals kann man dann nur wieder mit dem Kopf schütteln. Wenn die dargestellte Story fiktiv wäre, dann wäre der Film wirklich schlecht. Doch wenn man bedenkt, dass er auf realen Erlebnissen beruht, kann man über manchen schlechten Wink des Drehbuches glatt hinwegsehen. Amüsieren geht bei diesem Film gut, zu viel darüber nachdenken sollte man besser nicht.
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