Fair Game (2010)

Fair Game (2010)

Oder: Staatsbeamte als Freiwild

Fair Game

Watts und Penn am Streiten.

Nicht einmal ihre engsten Freunde wissen davon: Doch Valerie Plame (Naomi Watts) arbeitet schon seit Jahren als Undercover-Agentin für die CIA. Getarnt als Venture-Capital-Expertin bereist sie ferne Länder in geheimer Mission. Ihr Fachgebiet ist die Abrüstung von Massenvernichtungswaffen. Deshalb hat sie kurz nach dem 11. September 2001 vor allem mit dem Irak zu tun. Das Regime von Saddam Hussein soll Aluminiumröhren und Uranverbindungen importieren, welche für den Atombombenbau gebraucht werden können. Valeries Ehemann Joe Wilson (Sean Penn) hat lange Zeit in Afrika als Diplomat gearbeitet. Da Niger als Ursprungsland des Uranoxids verdächtigt wird, schickt ihn das US-Aussenministerium als Experten in die Hauptstadt Niamey, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Fair Game

Sean Penn findet keine WMDs

Schnell ist Wilson klar, dass Niger niemals in der Lage wäre, solch riesige Mengen an Uranverbindungen auszuführen. Er tut den Verdacht deshalb als ungerechtfertigt ab und informiert seine staatlichen Auftraggeber. Umso erstaunter ist Wilson, als in einer Rede von George W. Bush trotzdem von Uran-Lieferungen Afrikas für den Irak die Rede ist und diese mit ein Grund sind, den Irak anzugreifen. Wilson sieht sich veranlasst, eine Kolumne in der New York Times zu veröffentlichen, um seine Sicht der Dinge darzulegen, denn er will nicht, dass US-Soldaten auf Grund einer Lüge sterben müssen. In der Folge wird die Identität seiner Frau als CIA-Agentin veröffentlicht - mit drastischen Folgen für die Sicherheit der Familie Wilson und aller von Valerie initiierten Missionen weltweit.


Kinofilm-Rating

Wir wissen es mittlerweile: Saddam Hussein hatte keine Massenvernichtungswaffen in seinem Arsenal. Er wäre nicht einmal in der Lage gewesen, welche zu bauen. Trotzdem hat die Koalition der Willigen den Irak 2003 angegriffen. Wir wissen auch, dass Sean Penn sich mehrfach kritisch zur Sache mit den Weapons of Mass Destruction (WMD) geäussert hat, nicht zuletzt auf der Bühne der Oscar-Verleihung, als er die Statuette für seine Rolle in Milk in Empfang nahm.

Wohin der amerikanische Politthriller steuert, der mit Sean Penn in der Hauptrolle die Vorgeschichte des Irakkriegs anhand der sogenannten Plame-Affäre aufrollt, ist deshalb alles andere als überraschend. US-Präsident George W. Bush hat sich bei seinem Entscheid für Krieg auf falsche Geheimdienstinfos gestützt. Wer damals die Äffäre um die Geheimagentin Valerie Plame verfolgt hat, wird über die Handlung von Fair Game noch etwas weniger überrascht sein. Es ist eine 1:1-Nacherzählung, wie ihr Mann Joe Wilson seine Sicht der Dinge in einer Kolumne in der New York Times veröffentlichte und daraufhin seine Frau als CIA-Mitarbeiterin enttarnt wurde. Da Vertreter der Bush-Administration, allen voran Lewis Libby mit letzterem einen Strafbestand erfüllten, sind sie mittlerweile auch vor Gericht verurteilt worden.

Spannend ist Fair Game deshalb eigentlich nur dann, wenn das Zwischenmenschliche zwischen Plame und Wilson gezeigt wird. Schliesslich ist Doug Liman auch der Regisseur, der schon "Brangelina" in Mr. & Mrs. Smith mitten im Kugelhagel miteinander zanken liess. Die Ehe, die sich vor allem der Post-its als Kommunikationsmittel bedient, ist nicht nur von aussen durch den Medienrummel nach der erfolgten Enttarnung bedroht, sondern wird auch durch die Sturheit der beiden Eheleute kriselig. Plame bleibt lange ihrem Arbeitgeber gegenüber loyal, während Wilson auf die immer währende Wahrheit pocht. Naomi Watts, die, wie im Abspann zu sehen, der echten Valerie Plame sehr ähnelt, und Sean Penn haben deshalb ein paar zünftig-schöne Wortgefechte. Der ganze Rest ist eine Schnelldurchlauf-Lektion der jüngeren US-Geschichte. Mit dem üblichen Pathos und glasklaren Trennungslinien zwischen Gut und Böse

4.2 Sterne
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24.05.2010 / rm