Essential Killing (2010)
Essential Killing (2010)
Oder: Überlebenskampf als Wintermärchen
Mohammed (Vincent Gallo) wird in Afghanistan vom US-Militär festgenommen. Nachdem er gefoltert worden ist, jedoch eisern geschwiegen hat, soll er in ein geheimes Gefangenenlager in Europa überführt werden. Doch auf dem Weg dorthin fährt der Gefangenentransporter eine Wildsau an und verunfallt. Mohammed gelingt es, sich aus dem Wrack zu befreien, und er ergreift die Flucht. Die Umstände sind allerdings nicht die günstigsten, denn er befindet sich in den tief verschneiten Wäldern irgendwo im polnischen Nirgendwo. Verzweifelt kämpft er in der Kälte um sein Leben und muss dabei auch über Leichen gehen. Als er sich völlig entkräftet zu einer einsamen Blockhütte schleppen kann, trifft er dort auf die taubstumme Margaret (Emmanuelle Seigner)...
Kinofilm-Rating
Das Positive zuerst: Vincent Gallo spricht in Essential Killing kein einziges Wort - wie sollte er auch, stellt er doch einen Araber dar. Dass dieser Mohammed heisst, wird erst im Abspann verraten. Die einzigen Laute, die er während der 83 Minuten Spielzeit von sich gibt, sind Schmerzensschreie und Japslaute der Erschöpfung und Verzweiflung. Das kommt dem Film durchaus zu Gute. Ja, vielleicht ist es sogar Gallos beste schauspielerische Leistung, denn dieser animalische Überlebenskämpfer kommt ihm eigentlich gar nicht so schlecht. Zumindest besser als der wichtigtuerische und selbstgefällige Blowjob-Existenzialist aus gewissen anderen Filmen.
Ansonsten gibt's leider nicht viel Positives zu sagen über Essential Killing. Ok, einige Szenen sind ganz nett, beispielsweise das Intro, in dem Gallo alias Mohammed von den US-Streitkräften gefangen wird. Nachher, nach abruptem Wechsel der Szenerie, passiert nicht mehr sehr viel, ausser dass Gallo wie ein getriebenes Tier durch die polnischen Schneelandschaften hetzt und auf der Suche nach Nahrung zu verzweifelten Massnahmen gezwungen wird: dem Essen von Ameisen, Baumrinden und rohem Fisch oder einem Überfall auf eine stillende Frau (was macht eigentlich die mitten in der Ödnis?), um an ihrem Busen Muttermilch zu nuckeln. Prost. Das alles wird begleitet von unheilsschwanger auf- und abklingenden Synthesizerklängen und unterbrochen durch nervige Landschafsaufnahmen der ach so weitläufigen Winterlandschaft. Und als Höhepunkt - soviel sei verraten - kotzt Gallo Blut auf einen Schimmel. Der Überlebenskampf als blutgetränktes Wintermärchen.
Regisseur Jerzy Skolimowski ist ein alter Freund und Weggefährte von Roman Polanski. Im Unterschied zu diesem blieb ihm der ganz grosse Durchbruch in Hollywood allerdings verwehrt. Wenn man sich diesen Film anschaut, ahnt man, warum. In einzelnen Ansätzen durchaus eindrücklich, bleibt der Film als Ganzes ein ärgerliches und mühsames Stück Kino mit einigen unappetitlichen Höhepunkten. Apropos Roman Polanski: Dessen Ehefrau Emmanuelle Seigner spielt die zweite Hauptrolle, wenn man denn davon sprechen kann, und bleibt dabei ebenso stumm wie Gallo. Vermutlich ist ihre Rollenfigur taubstumm, weil sie ebenso wenig polnisch spricht wie Gallo arabisch. Nein, bei allen Vorwürfen, die man dem Film sonst machen kann: Geschwätzig ist er nun wirklich nicht.
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2.7 Sterne (10 Bewertungen) | 1 Kommentar


