Eat Pray Love (2010)
Eat Pray Love (2010)
Oder: Anleitung zur Selbstfindung für die Frau ab 40
Reisejournalistin und Autorin Liz Gilbert (Julia Roberts) führt ein Leben, um das sie viele beneiden würden: Traumjob, Traummann, Traumfreunde, Traumfigur. Doch eines Tages wird ihr klar, dass sie und Ehemann Steven (Billy Crudup) sich auseinandergelebt haben. Liz reicht die Scheidung ein und fängt an, über sich nachzudenken. Mit ihrem wesentlich jüngeren Freund David (James Franco) scheint es zunächst gut zu laufen, aber nach und nach erkennt sie, dass sie noch nie richtig für sich gelebt hat.
Liz nimmt sich vor, an ihrer Lebensweise und ihrem Wesen etwas zu verändern, bevor es zu spät ist. Dafür nimmt sich die New Yorkerin - trotz des Entsetzens ihrer Freunde - eine einjährige Auszeit, die sie nach Italien, Indien und Bali führt. Auf ihrer Reise lernt Liz wieder, sich für das Wesentliche im Leben zu begeistern: Essen, Beten, Lieben. Könnte eine Prophezeiung, die sie einmal auf Bali erhalten hat, tatsächlich wahr werden?
Kinofilm-Rating
Nach absichtlich mehreren Jahren in Nebenrollen erobert Julia Roberts die Leinwand erneut als Hauptdarstellerin. Vornweg sei gleich gesagt: Roberts ist immer noch eine solide Leading Lady. Dennoch ist der Film schwer verdaulich, zumindest für ein breites Publikum. Eat Pray Love hat wunderbare Landschafts- und Städteaufnahmen, die die Essenz der jeweiligen Orte gekonnt in Szene setzen. Auch die Darsteller sind gut gewählt und machen ihre Sache hervorragend. Leider kann all dies nicht über die klischeegefüllte, vorhersehbare und langatmige Geschichte hinwegtäuschen. Der Film macht seinem Titel alle Ehre. Zu viel Ehre, denn schon nach 15 Minuten verschwindet jegliche Spannung aus der Handlung. In diese spannungslose Handlung fügen sich Reihen von Klischees ein, wie zum Beispiel die aufbrausende Opernarie, die ertönt, als Julia Roberts zum ersten Mal ohne Schuldgefühle Spaghetti futtert.
Peinlich nur, dass hier, wie an manch anderen Stellen im Film, der Zuschauer für dumm verkauft wird. Die Arie stammt nämlich aus Mozarts "Zauberflöte", ist daher nicht auf Italienisch und bezieht sich auch inhaltlich nicht einmal annähernd auf das Gezeigte. Wurde hier einfach gedacht: "Oper setzt man doch immer mit Italien gleich, das merkt eh keiner"? Genauso nervig ist das Voice-over von Roberts als Liz Gilbert. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch der echten Elizabeth Gilbert und reiht sich ein in den anhaltenden Hollywood-Trend, in jeder Filmadaptation eines Romans die Technik des Voice-over zu verwenden. Die offizielle Rechtfertigung dafür ist, dass es dann literarischer klingt. Aber (und Eat Pray Love ist ein Musterbeispiel dafür) das ist eine Stütze, eine leichte Art, vieles nicht mehr zeigen zu müssen. Doch Filme sind von Natur aus ein visuelles Medium. Wenn Julia Roberts wegen Botox in der Stirn und Kollagen in den Lippen nicht in der Lage ist, Trauer oder Erleuchtung zu spielen, dann ist sie vielleicht doch falsch besetzt. Oder der Regisseur ist seiner Aufgabe nicht gerecht geworden.
Alles in allem ist der Film eine hübsche, aber belanglose Anleitung zur Selbstfindung für die reifere Frau. Dieser Film ist nichts für Jüngere und schon gar nichts für Männer. Aber für sein Zielpublikum ist er sicher ein wenig Balsam für die Seele. Schliesslich lautet die plakative Message, dass man auch jenseits der Vierzig noch ganz einfach sexy und intelligent sein kann sowie Liebe einfach überall zu finden ist.
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2.9 Sterne (38 Bewertungen) | 7 Kommentare



