Carlos (2010)
Carlos - Der Schakal
Carlos (2010) Carlos - Der Schakal
Oder: Der Playboy-Terrorist
Der Venezolaner Ilich Ramirez Sánchez (Édgar Ramírez) will die Welt revolutionieren. Um dieses Ziel zu erreichen, tritt er der Organisation von Wadie Haddad (Ahmad Kaabour) bei. Diese führt mit der finanziellen Unterstützung von verschiedensten kommunistischen wie sozialistischen Regierungen Terroranschläge auf der ganzen Welt durch. Nachdem Sánchez seine ersten Aufträge erfolgreich durchgeführt hat und darauf von französischen Agenten gesellt wird, schiesst er sich den Weg frei.
Dies hat jedoch zur Folge, dass Sánchez, der ab sofort von allen nur noch Carlos genannt wird, versteckt im Untergrund leben muss. Nach einer erneuten erfolgreichen Bewährungsprobe bei einem Anschlag am Pariser Flughafen Orly kriegt er einen der wichtigsten Aufträge der Organisation zugeschanzt: Er soll mit Gleichgesinnten die OPEC-Konferenz in Wien stürmen, verschiedene Politiker als Geisel nehmen und dann mit einem Flugzeug abhauen. Doch nicht alles verläuft nach Plan...
Kinofilm-Rating
Olivier Assayas' Carlos wurde als TV-Dreiteiler gedreht, der bei seiner Aufführung am Cannes-Filmfestival für Furore sorgte und damit viele Verleiher auf den Plan rief. Da man jedoch dem eigenen Publikum keine über fünf Stunden lange Terroristensaga zumuten wollte, entstand eine Kinofassung, welche etwas länger als drei Stunden dauert. Diese Fassung ist Gegenstand dieser Kritik.
Die Terrorismuswelle in den Sechzigern- und den Siebzigerjahren wird oft nur mit den Geschehnissen in Deutschland rund um die RAF in Verbindung gebracht. Doch ein Jahr, nachdem man es geschafft hatte, ein paar hochrangige RAF-Terroristen, darunter auch Andreas Baader, zu verhaften, startete die Karriere von Ilich Ramírez Sánchez alias Carlos. Dieser sorgte während der kommenden zwanzig Jahre für viele unschöne Schlagzeilen. Regisseur Assayas beleuchtet nun die Taten des einst meistgesuchten Terroristen der Welt und bietet ungemein packende Unterhaltung mit einem charismatischen Hauptdarsteller.
Schon zu Beginn wird in weisser Schrift bekanntgegeben, dass nicht alles der Wahrheit entspreche, da man von Carlos nicht alles wisse. Carlos, der lebenslänglich in Frankreich in Haft sitzt, sprach sogar Drohungen gegen das Filmteam aus, nachdem er das Drehbuch gelesen hatte. Doch dieses liess sich nicht beirren und inszenierte einen Film, dessen rasantes Erzähltempo die drei Stunden Spielzeit wie im Fluge vorbeigehen lässt.
Das macht Carlos zwar als Ganzes sehr kurzweilig, aber man möchte zwischendurch schon etwas mehr wissen über die einzelnen Figuren. Die Gefolgschaft des Topterroristen und das ganze Netzwerk werden nur sehr oberflächlich dargestellt, und man hetzt richtiggehend durch die Jahrzehnte. Dort, wo der Film etwas länger verweilt, wie bei den Geschehnissen rund um die OPEC-Konferenz, ist er schlichtweg grossartig.
Von den Schauspielern ist es vor allem Édgar Ramírez in der Titelrolle, der sich gross profilieren kann. Man nimmt ihm den Playboy gleichwohl ab wie den brutalen Vollstrecker. Von den weiteren Akteuren fällt eigentlich niemand gross ab, obwohl sie oft in den Hintergrund gedrängt werden.
Fazit: Carlos ist ein eindrückliches Crime-Drama, das während der ganzen drei Stunden wunderbar unterhält und mit den Setting und dem tollen Ramirez weiter punkten kann. Die Kürzung von zwei Stunden fällt jedoch bei der etwas gehetzt wirkenden Erzählung und der einen oder anderen Oberflächlichkeit auf. Nichtsdestotrotz ist Assayas' Werk auch in der Kinofassung mehr als sehenswert.
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