Burlesque (2010)
Burlesque (2010)
Oder: Wer hat die Pussykätzchen freigelassen?
Ali (Christina Aguilera) ist das sprichwörtliche Mädchen vom Lande, das es von Iowa nach Los Angeles verschlägt, wo es eine Karriere als Sängerin starten möchte. Als sie zum ersten Mal die "Burlesque Lounge" betritt, eine etwas heruntergekomme Bar mit Variéte-Unterhaltung, ist Ali gleich Feuer und Flamme für die Showgirls auf der Bühne. Sowas will sie auch mal machen, aber die resolute Besitzerin Tess (Cher) und ihre rechte Hand Sean (Stanley Tucci) lassen sie erstmal nur die Cocktailgläser balancieren.
Alis einziger Freund ist Barkeeper Jack (Cam Gigandet), der sie bei sich schlafen lässt und selber Musik machen möchte. Denn der Star der "Burlesque Lounge", Nikki (Kristen Bell), merkt schnell, das mit Ali starke Konkurrenz droht - ganz im Gegensatz zu Tess und Sean, welche Ali nicht für voll nehmen. Doch noch viel schlimmer ist, dass der schmierige Immobilienhai Marcus (Eric Dane) den Schuppen kaufen will, um einen Eigentumswohnungskomplex an seiner statt zu bauen. Das gilt es mit allen Kräften zu verhindern, vor allem mit der gesanglichen von Ali.
Kinofilm-Rating
Was Britney Spears (Crossroads) und Mariah Carey (Glitter) schafften, kann Christina Aguilera schon lange: eben noch auf der Showbühne, jetzt schon Star einer Hollywoodproduktion, die man schon bald wieder vergessen haben wird. Christina macht's insofern besser als ihre Mitmusikantinnen, als sie gar nicht gross versucht zu schauspielern, sondern das macht, was sie am besten kann: in engen Fummeln rumzutanzen und mit einer Mörderstimme zu beeindrucken. Burlesque-Regisseur Steve Antin (bisher einzige Erfahrung hinter der Kamera: Das Sequel zu The Glass House) gibt ihr einige Gelegenheit dazu; in schmissigen Nummern, die uns die Aguilera zeigen, die wir von ihrem soulig-jazzigem Album "Back to Basic" kennen, wenn auch das Gedankengut dahinter ziemlich "dirrty" ist.
Das plot-ähnliche Gebilde zwischen den Videoclip-artigen Showstoppern ist hingegen zum Vergessen. Die Klischees sind so alt, wie Cher aussehen würde, wenn sie sich nicht ständig liften liesse. Zeichen für die Einfaltslosigkeit der Macher ist, dass Stanley Tucci im Wesentlichen nochmals seine Rolle aus The Devil wears Prada mimt. Fans von "Burlesque", der Vorform des Striptease aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, kommen auch nur bedingt auf ihre Kosten. Was es in diesem Film zu sehen gibt, hat wenig mit dem Revival dieser Kunstform zu tun. Die glimmerigen Darbietungen erinnern mit ihrer perfektionierten Sexiness eher an die Girlgroup Pussycat Dolls als an die Puppen, die Mathieu Amalric erst gerade in den Schweizer Kinos tanzen liess.
Fazit: Es stecken einige musikalische Perlen in Burlesque, die sich anzuhören und -sehen lohnen. Wie bei den Filmtitel inspirierenden Happenings ist aber die Show wichtiger als die Handlung. Man hätte den an Coyote Ugly angehauchten Plot gleich ganz weglassen können. Aber wer will schon nur eine Tanznummer nach der anderen im Kino anschauen gehen? Auch wenn Christina Aguilera - wie es sich hier mal wieder zeigt - für so etwas geboren wurde. Ihre Stimme und ihre Bühnenpräsenz retten den Film.
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3.8 Sterne (31 Bewertungen) | 8 Kommentare



