A Sad Trumpet Ballad - Balada triste de trompeta (2010)

A Sad Trumpet Ballad - Balada triste de trompeta (2010)

Oder: Mit den Clowns kamen die Blutfontänen

A Sad Trumpet Ballad - Balada triste de trompeta

Schluss mit lustig!

Schon sein Vater (Santiago Segura) war Clown und wurde 1937 von den spanischen Faschisten mitten aus einer Vorstellung gerissen, als Soldat rekrutiert und zu einem Blutbad gewungen. 1973 versucht sich die scheue Brillenschlange Javier (Carlos Areces) selber als Weissclown und heuert beim Zirkus an. Sein Bühnenpartner als Dummer August ist der brutale Sergio (Antonia de la Torre). Der brachiale Chef der Artistentruppe ist besonders gewalttätig, wenn er über den Durst getrunken hat. Javier versteht deshalb nicht, weshalb die wunderschöne Akrobatin Natalia (Carolina Bang) mit dem Grobian zusammen ist und sich auch nach heftigen Vorfällen von häuslicher Gewalt immer noch gerne von ihm nehmen lässt.

A Sad Trumpet Ballad - Balada triste de trompeta

Das Objekt der Begierde.

Noch verwirrter reagiert Javier, als Natalia auch mit ihm anbandelt und ihn ständig zu sich in den Wohnwagen holen möchte. Er willigt für einen Besuch auf der Chilbi ein, bezahlt aber für diesen törichten Einfall fast mit dem Tod, als die beiden von Sergio entdeckt werden und er am "Hau den Lukas" aufgespiesst wird. Im Spital gelingt es Javier aber, sich an Sergio zu rächen. Von Albträumen geplagt, haut er seinem Peiniger das Gesicht zu Brei. Auf der Flucht im Spitalnachthemd fällt er in eine Wildererfalle und wird daraufhin von sadistischen Jägern als menschlicher Jagdhund missbraucht. Javier wird dabei komplett irre, verkleidet sich als Mischung aus Joker und Papst und beginnt einen nicht enden wollenden Amoklauf zurück zu Natalia, in die er sich mittlerweile zünftig verknallt hat.


Kinofilm-Rating

Nach all den schweren Kunstfilmen und stillen Dramen im Wettbewerb von Venedig 2010 wünscht man sich bald einmal einen Kracher herbei mit bombastischem Soundtrack, schnellen Schnitten und einer Prise Humor. Da kommt der spanische Regisseur Alex de la Iglesia gerade recht. Seine Konsum-Satire Crimen ferpecto war ein schwarzhumoriges Fest mit Drive und etwas Sozialkritik. Nur der sprechende Geist war störend. Im Vergleich zu dem, was sich in Balada triste... abspielt, war er aber eine Wohltat.

Das technische Können hat Iglesia zwar nicht verlernt. Sein Film bietet Action und einigermassen ordentliche CGI mit einem auf einem Häuserdach landenden Auto nach einer Explosion. Die Siebziger-Kostüme sind zwar lächerlich, aber gehören halt so zum gruseligen Fashion-Fundus dieser Zeit. Iglesia ist auch in der Lage, sein Set so zu bevölkern, dass ständig im Hintergrund des Bildausschnitts auch noch etwas Zweitrangiges beim Wuseln zu bewundern ist. Das Zirkus-Umfeld bietet sich für diese chaotische Erzählweise geradezu an. Die mit dem Holzhammer eingebläute politische Konnotation zwischen irren Clowns, die um ein grossbusiges Babe kämpfen, und dem Franco-Regime bleibt aber oberflächlich und für Nicht-Spanier sowieso irrelevant.

Mit dieser gesellschaftlichen Note, die schon im mit Bildern von Politikern und Popkultur-Ikonen gespickten Vorspann seinen Anfang nimmt, könnte man leben; genauso wie mit der Tatsache, dass einer der Hauptdarsteller vor seiner Transformation zum Monster aussieht wie die Kreuzung aus Judah Friedlander und Bastian Pastewka. Das Problem ist die unsägliche Gewaltspirale, die mit fortlaufender Dauer immer schneller gedreht wird. Die beiden Killerclowns sind grausam entstellte Kreaturen, die in zusammenhangslosen Metzelszenen immer brutaler agieren. Der füdliblutte Carlos Areces im Wald ist einfach nur noch doof. Dem Jugendschutz werden bei diesem Film die Haare zu Berge stehen. Ganz zu schweigen von den Menschen, die sowieso schon Angst vor Clowns haben. Balada triste de trompeta passt in den Wettbewerb der Filmfestspiele Venedig wie ein geplatzte Eiterbeule und ist in etwa gleich eklig zum Anschauen. Dann doch lieber wieder stille Dramen und schwere Kunstfilme.

3.2 Sterne
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10.09.2010 / rm