Honig - Bal (2010)

Honig - Bal (2010)

Oder: The Lion and the mouse

Bal

"...und jetzt übt mal alle schön den Treue-Hunde-Blick!"

Yusuf (Bora Altas) lebt mit seinem Vater Yakup (Erdal Besikcioglu) und seiner Mutter Zehra (Tülin Özen) in der Berggegend Anatoliens. Der Sechsjährige plagt sich mit der Schule und seinen Mitschülern und findet einzig Geborgenheit bei seinen Eltern. Insbesondere die Bindung zu seinem Vater, einem Imker, ist sehr innig. Deshalb möchte Yusuf ihm auch unbedingt eine Freude machen in Form eines roten Ansteckers, den die Kinder in der Schule für gutes Lesen erhalten. Eigentlich kann der Junge ganz gut lesen, wenn er mit seinem Vater am Morgen übt, doch in der Schule fällt es im sehr schwer. Durch sein ständiges Stottern wird er schnell zum Aussenseiter der Klasse und zieht sich immer mehr in sich zurück.

Nur wenn er seinen Vater bei der Arbeit im Wald begleiten kann, fühlt er sich wohl. Eines Tages beschliesst Yakup, für zwei Tage in einen schwer zugänglichen Teil des Gebirges zu gehen, um seine Bienenkörbe zu füllen. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt erhält Yusuf endlich die begehrte Auszeichnung. Als sein Vater auch nach einer Woche noch nicht zurückgekommen ist, macht sich der Kleine auf die Suche nach ihm.


Kinofilm-Rating

"Bal" bedeutet auf deutsch Honig und ist nach Yumurta (Ei) und Süt (Milch) der dritte Teil einer Trilogie des Regisseurs Semih Kaplanoglu. Nach Cannes und Venedig kann sich Kaplanoglu mit dem Abschlussfilm seiner Reihe nun im Wettbewerb der Berlinale präsentieren. Im Zentrum der drei Filme steht stets der Junge Yusuf, als Erwachsener, als Student und in diesem Fall als kleiner Junge. Jeder der Filme steht für sich und kann auch ohne die Kenntnis der beiden Vorgänger verstanden werden. Trotzdem gibt es im dritten Teil kleine Anspielungen auf die Handlung der beiden anderen Werke.

Bal zeichnet sich durch einen ungemein langsamen, ruhigen Erzählsstil aus. Es gibt nur wenige Dialoge, stattdessen lässt der Regisseur die Bilder für sich sprechen. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen in satten Farben werden hier gezeigt. Der Wald, in dem ein Grossteil der Handlung angesiedelt ist, lädt zum Spazieren ein, wirkt in seiner Grösse aber auch bedrohlich. Zudem wirken das Leben mitten in der Natur und die Arbeit des Imkers für einen Grossstadtmenschen vollkommen irreal und eröffnen somit einen interessanten Zugang zu einem unbekannten Leben.

Auch die Familie spielt eine grosse Rolle: Die Geschichte eines kleinen Jungen, der eine innige Beziehung zu seinem Vater führt und ihm eine grosse Freude machen möchte, ist rührend. Die kindliche Unschuld und Unversehrtheit von Yusufs Figur geht dem Zuschauer nahe, und man möchte ihn am liebsten an die Hand nehmen, damit er nicht alleine nach seinem Vater suchen muss. Boras Altas zeigt hier in seiner Rolle des Yusuf eine für sein Alter wirklich bemerkenswerte schauspielerische Leistung.

Mit Bal schafft Semih Kaplanoglu einen gelungenen Abschluss seiner Trilogie. Wunderschöne Bilder und eine berührende Geschichte über die enge Verbundenheit zu den Eltern und den ersten Bruch zur heilen Kinderwelt lassen einen tief bewegt zurück.

5.5 Sterne
5.5 Sterne (5 Bewertungen) | 1 Kommentar

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17.02.2010 / jst