Alice in Wonderland (2010)
Alice im Wunderland
Alice in Wonderland (2010) Alice im Wunderland
Oder: Köpfe werden rollen!
Die 19-jährige Alice Kingsleigh (Mia Wasikowska) wird an einer Gartenparty vom Heiratsantrag eines langweiligen Sohnes eines Lords überrumpelt. Anstatt ihm zu antworten, lässt sie die versammelte Partygesellschaft stehen und jagt einem weissen Kaninchen (Stimme von Michael Sheen) mit Uhr und Weste nach. Bei der Verfolgung fällt sie in ein Loch und gerät in eine wundersame Welt, das Underland.
Dort trifft sie eine Reihe von kunterbunten Wesen, darunter die schwertschwingende Schlafmaus Mallymkun (Stimme von Barbara Windsor), die rundlichen Zwillinge Tweedledee und Tweedledum (Matt Lucas), die Grinsekatze (Stimme von Stephen Fry), die blaue rauchende Raupe Absolem (Stimme von Alan Rickman), den treuen Jagdhund Bayard (Stimme von Timothy Spall) und den Verrückten Hutmacher (Johnny Depp). Alle diese Wesen kennen Alice bereits und behaupten, dass sie schon einmal hier gewesen sei und laut einer Prophezeiung als einzige das Monster Jabberwocky (Stimme von Christopher Lee) und damit die böse Herzkönigin (Helena Bonham Carter) besiegen könne.
Diese hält die Wesen von Underland unter der Knute und lässt gerne Köpfe rollen. Unterstützt wird sie vom trügerischen Herzbuben Ilosovic Stayne (Crispin Glover). Alice muss das Schwert der guten weissen Königin (Anne Hathaway) aus den Händen der Herzkönigin befreien, denn nur mit diesem kann der Jabberwocky besiegt werden. Auf Alice warten zahlreiche Gefahren und kunterbunte Abenteuer.
Kinofilm-Rating
Eines der bekanntesten Kinderbücher überhaupt hat Regisseur Tim Burton für seinen neusten Streich ins Filmemacherauge gefasst. Eine mutige Wahl, bedenkt man, dass Lewis Carrolls Alice's Adventures in Wonderland seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1865 fleissig gelesen, von vorne bis hinten durchanalysiert und unzählige Male verfilmt wurde. Den 8-minütigen Stummfilm aus dem Jahr 1903 kennt wohl kaum jemand, dafür erinnert man sich sehr gut an den Disneytrickfilm, die Anime-Serie aus den Achtzigern oder die starbesetzte TV-Version (u.a. mit Whoopi Goldberg als Grinsekatze). Auch wird immer wieder auf Alice angespielt, etwa im Lied White Rabbit von Jefferson Airplane oder natürlich in The Matrix. Alice kennt man, und so ist es schwer, aus der bekannten Geschichte etwas Eigenes zu machen.
Gerade deshalb ist Burtons Ansatz herrlich erfrischend, denn er versucht gar nicht erst, plattgetrampelten Pfaden zu folgen und dieselbe Geschichte noch einmal zu erzählen. Auch verzichtet er darauf, dem Publikum den sprachphilosophischen Subtext der Vorlage auf die Nase zu binden. Stattdessen vermischt er Motive aus den beiden Alice-Büchern (die Fortsetzung Through The Looking Glass erschien 1872) und erzählt eine fantasievolle und actionreiche Geschichte mit Witz und Charme - und dem typischen Burton Grusel-Look. Dass das Ganze nicht immer ganz jugendfrei ist, versteht sich fast von selbst. Da wird schon mal einem Monster das Auge ausgepiekt, oder eine Reihe von abgeschlagenen Köpfen dient als Brücke. So blutig und trashig wie bei Sweeney Todd wird's aber nie.
Newcomerin Mia Wasikowska kann überzeugen; sie stellt die kindliche Seite von Alice genauso gut dar wie ihre kämpferische Art, die sie erst noch im Laufe der Geschehnisse entwickeln muss. Es wäre aber kein Burton-Film, wenn nicht eine ganze Reihe bekannter Gesichter (respektive Stimmen) auftauchen würden, etwa Burtons Lebensgefährtin Helena Bonham Carter, die als Herzkönigin mit der Riesenbirne genüsslich Köpfe rollen lässt. Und natürlich Johnny Depp, der als Verrückter Hutmacher mit orangem Haar, schriller Schminke und hellgrünen Augen total abgedreht aussieht und sich dem Namen entsprechend auch herrlich schräg verhält. Er darf den Wortwitz und Nonsens-Charakter der Buchvorlage beibehalten, der Rest der Geschichte entwickelt sich gegen Ende leider zunehmend zur typischen Fantasykost. Schade, dass es am Schluss auf einen konventionellen Kampf zwischen Gut und Böse hinauslaufen muss.
Die eigentliche Hauptrolle spielt das (W)Underland selbst, mit seinen farbenfrohen Figuren und liebevoll arrangierten Kulissen und Kostümen. Leider merkt man, dass der Film in 2D gefilmt und erst nachträglich ins 3D-Format umgewandelt wurde, denn nur vereinzelt wirkt der Tiefeneffekt wirklich gut. Die starken Aspekte des Filmes überzeugen nämlich auch in 2D: sympathische Charaktere, perfekt gewählte Stimmen, gruslig-schöne Landschaften und clevere Wortspielereien. Herausgekommen ist ein Film, der zwar nicht perfekt ist, aber visuell überzeugt und die Emotionslosigkeit anderer Alice-Verfilmungen durch gute Unterhaltung, schräge Figuren und herrlich schöne Details ersetzt. Eine stärkere, fantasievoller umgesetzte Alice gab's bisher wohl noch nicht.
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4.2 Sterne (146 Bewertungen) | 21 Kommentare



